Leben
03.09.2018

US-Arzt unterstellt Medizinerinnen, weniger "hart zu arbeiten"

Für den sexistischen Kommentar, den der US-Amerikaner im Interview mit einem medizinischen Fachblatt tätigte, hagelt es Kritik.

"Weibliche Mediziner arbeiten nicht so hart und betreuen nicht so viele Patienten wie männliche Mediziner." Für diese Aussage steht ein amerikanischer Arzt derzeit massiv unter Beschuss. Das berichtet unter anderem die Washington Post.

An die Öffentlichkeit gelangte der Sager in der September-Ausgabe des Magazins der Dallas County Medical Society. Besagte Ausgabe ist dem Thema "Frauen in der Medizin" gewidmet. Im Zuge dessen wurden unter anderem die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung publiziert. Darin wurden die rund 7.500 Mediziner gefragt, warum Ärztinnen ihrer Meinung nach weniger verdienen als männliche Kollegen. Außerdem wurde um Stellungnahmen gebeten, in denen Vorschläge zur Bekämpfung der Einkommensschere gemacht werden sollten.

Die Einschätzung von Gary Tigges, Internist am Institut Plano Internal Medicine in Texas, sorgt nun für Diskussionen.

"Sie wollen es so"

Neben dem eingangs erwähnten Sager schilderte Tigges auch, warum die Einkommensschere zwischen Ärzten und Ärztinnen derart groß sei. "Das ist so, weil sie es so wollen, oder weil sie sich einfach nicht hetzen lassen oder Überstunden machen wollen", analysierte er die Lage. Medizinerinnen hätten anderen Prioritäten – "die Familie oder Soziales, was auch immer."

Das sei seiner Meinung nach auch gar nicht weiter problematisch: "Man muss nichts dagegen tun, außer eine Ärztin möchte tatsächlich härter arbeiten und mehr Stunden aufwenden. Wenn nicht, sollte sie weniger bezahlt bekommen. Das ist fair."

Tigges' Wortspende stößt bei vielen Kollegen auf Unverständnis und erboste Reaktionen. Für seine Aussagen wird er im Netz von Frauen und Männern gleichermaßen kritisiert.

Entschuldigung

Von den erzürnten Kommentaren angeregt, war Tigges schließlich um Beschwichtigung bemüht. Auf der Homepage von Plano Internal Medicine veröffentlichte er eine Stellungnahme. "Ich habe von mehreren geschätzten Kolleginnen gehört, dass sie mit den Kommentaren, die ich gegenüber dem Dallas Medical Journal bezüglich der Lohngerechtigkeit unter weiblichen und männlichen Ärzten gemacht habe, nicht einverstanden sind und tief verletzt und beleidigt sind." Er verstehe nun, dass er dieses "komplexe" Problem zu stark "vereinfacht" habe - und: "Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Ärztinnen für meine Kommentare".

Laut Washington Post verdienen männliche Ärzte in den USA rund 20 bis 30 Prozent mehr als ihre Kolleginnen. Aktuelle Studien würden sogar darauf hindeuten, dass sich die Lohnschere in den kommenden Jahren vergrößern wird. So zeigte eine im März dieses Jahres veröffentlichte Erhebung etwa, dass Medizinerinnen im vergangenen Jahr um 27,7 Prozent weniger verdienten. Untersucht wurden die Daten von über 65.000 Ärzten aus 40 verschiedenen Facharztrichtungen.