Leben
23.08.2018

Sexismus und Stereotype: Warum Frauen den Feuerwehrberuf meiden

Eine Studie zeigt: Die mediale Darstellung des Berufsfeldes vermittelt Frauen das Gefühl, nicht für den Job geeignet zu sein.

Mutig, muskulös, männlich: So oder so ähnlich werden Feuerwehrkräfte in Filmen, Serien und der Werbung porträtiert. Dass diese stereotype Darstellungsweise Frauen bei der Berufswahl hemmt, hat jetzt eine neue Studie gezeigt.

Vom Londoner Bürgermeister beauftragt und vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt, belegt die Erhebung, dass ein Viertel aller Frauen der Meinung ist, Männer seien geeigneter für den Job als Löscheinsatzkraft. In Summe nahmen 534 Frauen und 508 Männer an der Befragung teil. Weitere Recherchen der London Fire Brigade zeigen zudem, dass Frauen vorrangig aufgrund des "männlich dominierten und sexistischen Umfeldes" von einer Laufbahn als Einsatzkraft bei der Feuerwehr absehen, berichtet der Guardian.

"Frauen fühlen sich abgestoßen"

Ausgehend von den gewonnenen Erkenntnissen fordert Dany Cotton, Leiterin der London Fire Brigade, die Film- und Fernsehindustrie wie auch Werbetreibende auf, künftig von der Verbreitung des "klassischen Feuerwehrmannklischees" abzusehen, wie sie im Interview mit dem Independent schildert. "Wenn bekannte Serien sich auf jedes verfügbare Klischee beziehen, fördert das die verzerrte Wahrnehmung, dass alle Feuerwehrleute muskulöse Männer sind. Da wundert es kaum, dass sich viele junge Frauen davon abgestoßen fühlen."

Als Beispiel nennt Cotton, die im vergangenen Jahr als erste Frau das Amt der Behördenleiterin London Fire Brigade übernommen hat, etwa die Serie "Love Island". "Love Island" ist eine Dating-Reality-Show. Das Format stammt ursprünglich aus Großbritannien und wird beim Fernsehsender ITV2 ausgestrahlt. In der Sendung gibt es die sogenannte "Fireman Challenge", bei der sich die männlichen Teilnehmer als Feuerwehrleute kostümieren, lasziv entkleiden und danach die weiblichen Protagonistinnen "retten".

Kritik übt Cotton auch an einer Werbung für das Putzmittel Harpic. In dem Spot besucht ein muskelbepackter Feuerwehrmann eine Hausfrau und beweist die Reinigungskraft des Produkts.

Frauenanteil zwischen 5 und 7 Prozent

Derzeit sind von den 5.000 aktiven Feuerwehrleuten der London Fire Brigade lediglich 300, also rund sechs Prozent, Frauen. Laut Recherchen der BBC sind in Summe in ganz Großbritannien rund fünf Prozent der Löscheinsatzkräfte weiblich. Um gegen die männliche Dominanz in dem Berufsfeld vorzugehen und sexistische Stereotype aufzuzeigen, hat die London Fire Brigade nun unter anderem die #FirefightingSexism-Kampagne ins Leben gerufen.

Laut der Jahresstatistik der Österreichischen Feuerwehren aus dem Jahr 2017 sind hierzulande sieben Prozent der derzeit aktiven Feuerwehrmitglieder (rund 339.000 Personen) Frauen.