Leben
10.04.2018

„tschutti heftli“: Das etwas andere Panini-Album

Das „tschutti heftli“ wird für Liebhaber des Fußballs gestaltet und von Langzeitarbeitslosen vertrieben. Auch Österreich ist im Sammelalbum vertreten.

So nett, so menschlich! Vater und Sohn versuchen gemeinsam ihr Glück. Beide schicken ihre Fußballer-Zeichnungen zur hochkarätig besetzten Jury des Sammelalbums tschutti heftli in die Schweiz. Und siehe da!

Der Vater, Olaf Osten, ein international angesehener Künstler und Grafiker, der unter anderem Plakate für die Wiener Festwochen gezeichnet hat, wird von den Juroren (unter ihnen Pussy-Riot-Frontfrau Nadeschda Andrejewna Tolokonnikowa oder die Fußball-Legende Alexi Lalas) nicht berücksichtigt. Und sein 13-jähriger Sohn, Enno Osten? Der geht durch, der qualifiziert sich quasi für die Endrunde. Mit einem ebenso flott wie genial hingezeichneten Porträt des argentinischen Ballzauberers Paulo Bruno Exequiel Dybala.

Schon seit einigen internationalen Fußballturnieren ist das von eidgenössischen Kreativen ins Leben gerufene Sammelalbum mit dem für unsereins beinahe unaussprechlichen Namen die filigrane und gefinkelte Alternative zum durchkommerzialisierten Panini-Album.

Der schönste Transfer

Das tschutti heftli geht weit über die internationalen Fußball-Geldmacher-Mechanismen hinaus. Es basiert nicht nur auf der Leistung von 32 ausgewählten Künstlern, es dient auch sozialen Projekten. So kommt der Verkaufserlös in Österreich Job-TransFair zugute. Diese Einrichtung berät, beschäftigt und vermittelt Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sind. „Das ist ein Highlight in meinem Leben“, jubelt die Wienerin Bernadette Seehofer. Sie hat dank Job-TransFair wieder eine Arbeit ge funden. Nach einem sechsmonatigen Training-on-the-Job in der Abteilung „Die Kümmerei“ ist die 59-Jährige seit Jänner 2018 Empfangsdame im Prayner Konservatorium im 4. Bezirk, einer renommierten Ausbildungsstätte für Musik und darstellende Kunst.

Tauschbörse

Das Kunst-Sammel-Heftli gibt es auch bei Kurt Lhotzky, der in seiner Buchhandlung an der Taborstraße im 2. Wiener Gemeindebezirk auch heuer eine Tauschbörse einrichten und die leidenschaftlichen Sammler mit Freude beobachten wird.

„Ich bin kein großer Fußballfan“, outet sich Lhotzky. „Aber mich interessiert die Philosophie, die hinter dem Album steht, allen voran, arbeitslosen Menschen eine sinnvolle Beschäftigung zu geben.“ Darüber hinaus sei das tschutti heftli verspielt und hätte einen leicht ironischen Zugang zur wichtigsten Nebensache der Welt.

Und noch zwei Österreich-Bezüge hat das Album. Zum einen wurde David Alaba, obwohl nicht für die WM qualifiziert, von einem jungen deutschen Fußballfan porträtiert. Zum anderen sind auch die Porträts einer jungen Werbegrafikerin aus St. Pölten zu bewundern. „Ich habe eigentlich nur aus Jux eingereicht“, freut sich Katharina Kainz, deren Herz für die derzeit leider nicht rasend erfolgreichen Fußballer des SKN St. Pölten schlägt. „Dass ich genommen wurde, kam für mich überraschend.“ Per Los hat sie die Aufgabe erhalten, die Spieler der dänischen Mannschaft abzubilden. Und gerne angenommen.

Österreich-Variante

Katharina Kainz hat sich bereit erklärt, für die „Österreich-Variante“ für diesen KURIER-Bericht ein Selbstporträt anzufertigen. Der 13-jährige Enno Osten und sein Vater Olaf haben sich selbst ins Bild gesetzt.