Leben 11.10.2012

Der Grottenolm

Serie Teil IV: In ruhigen Höhlengewässern des Balkan wird der Grottenolm nie "ganz erwachsen" und ist vom Aussterben bedroht.

Er ist der Peter Pan unter Europas Schwanzlurchen - der Grottenolm (Proteus anguinus). Denn der Grottenolm kommt nie über das Larvenform (Neotenie) hinaus. Weiters ist er auch unter den Namen Höhlen- oder Weißer Salamander bekannt, während man ihn in einigen Regionen Sloweniens auch Močeril, "den der sich in die Nässe eingräbt", nennt. In Slowenien war der Grottenolm sogar auf eine 10 Stotin-Münze geprägt.

Ohne mit Kenntnissen der modernen Zoologie ausgestattet zu sein, glaubte man früher, wohl ob seiner sonderbaren Form und der Kiemenbüschel am Kopf des Tieres, dass es sich um ein Drachenbaby handeln würde. Vereinzelt kannte man den Grottenolm, wegen seiner fleischfarbenen Haut, auch als "Menschenfischlein". Bei einer kleinen, in Slowenien oberirdisch lebenden Population ist die Haut - wegen des Lichteinfalls - dagegen dunkel. Bei der in der Dunkelheit lebenden "Mehrheit" der Grottenolme sind die Augen - sie hätten im Dunkeln keine Funktion - gar nicht erst entwickelt.

Ursprüngliche Heimat der Grottenolme sind die kalten, unterirdischen Gewässer der Karstlandschaft des Dinarischen Gebirges, welches von Triest im Norden bis an die montenegrinische Grenze erstreckt.

Umwelt als Feind

Trotz seines eingeschränkten Lebensraums - der Grottenolm braucht kalte, klare und schwach fließende Gewässer - führt das knapp 30 Zentimeter lange Tier ein "ruhiges" Leben. Da der Grottenolm keine natürlichen Fressfeinde zu fürchten braucht, gehen manche Forscher davon aus, dass einzelne Exemplare bis zu 100 Jahre alt werden können.

Ob der Tatsache, dass ihr natürliches Habitat zunehmend durch Umweltverschmutzung bedroht ist, versuchte man in der Vergangenheit auch anderswo in Europa Populationen anzusiedeln. So gibt es heute etwa auch Grottenolme in den Pyrenäen oder in Deutschland. I

Die Amphibien sind vor allem aufgrund ihrer "eigenartigen" körperlichen Erscheinung für die Wissenschaft interessant. So haben sie einerseits ein Seitenlinienorgan (wie es fast alle Fische besitzen), andererseits atmen sie über Lungen bzw. über die roten Kiemenbüschel am Hinterkopf (welche sich, anders als bei ihren Verwandten, nie zurückbilden). Weiters leben Grottenolme ständig aquatil, verlassen also - nicht wie "herkömmliche" Amphibien - niemals das Wasser.

Sollte sich dort einmal keine Nahrung finden lassen, so soll das den Grottenolm nicht weiter stören: er kann wohl knapp (hier gehen die Lehrmeinungen um zwei bis vier Jahre auseinander) zehn Jahre ohne Nahrung auskommen. Falls sie doch einmal fressen, dann meist Krebse oder andere Kleinsttiere.

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( Kurier ) Erstellt am 11.10.2012