Leben 15.12.2011

Somalia: Twitter als Waffe der Rebellen

In Tweets verhöhnt die Shabab-Miliz ihre Gegner - eine offenbar erfolgreiche Kommunikations-Strategie.

Die aufständische Shabab-Miliz haben ihren eigenen Twitter-Account gestartet, in dem sie vergangene Attacken rühmen und versuchen, ihre Feinde einzuschüchtern. Laut Experten ist der "Twitter-Terrorismus" kein Einzelphänomen. Die islamistische Gruppe hat das Social Web für den Kampf gegen ihre Feinde entdeckt und nutzt Twitter aktiv für den Kampf gegen Regierungsorganisationen, wie die New York Times berichtet. In Richtung der kenianischen Armee haben sie etwa getwittert: "Ihr unerfahrenen Jungs flüchtet vor der Konfrontation und zuckt im Angesicht des Todes zusammen". Der Twitter-Account wird von afrikanischen und amerikanischen Experten als authentisch eingestuft, da zuletzt Ausweise von getöteten Soldaten veröffentlicht wurden.

Dass gerade die Shabab Twitter nutzen mutet ironisch an, da die Rebellen alle anderen Dinge der westlichen Lebensweise vehement ablehnen. So fordern sie ein Verbot westlicher Musik und Frisuren, außerdem blockieren sie Hilfslieferungen aus Europa und den USA. Die Milizen werden auch immer wieder mit außerordentlich gewalttätigen Aktionen gegen die Bevölkerung in Verbindung  gebracht.

"Twitter-Terrorismus"

Terror-Experten sagen, dass "Twitter-Terrorismus" ein wachsender Trend sei und dass einige Al-Qaida-Splittergruppen (auch die Shabab fühlten sich bis vor einigen Jahren zu dem Terrornetzwerk zugehörig) verstärkt Social Media wie Facebook, MySpace, YouTube und Twitter nutzen, um ihre Botschaften unter die Menschen zu bringen. Besonders die Gruppierung im Jemen hat sich diese Kommunikationswege zunutze gemacht, um ihre Lehren und Kommentare zu verbreiten.

"Soziale Medien haben Terroristen geholfen, Individuen zu rekrutieren, Gelder zu sammeln und Propaganda effektiv zu verbreiten", erklärt Seth G. Johnes, ein Politologe vom politischen ThinkTank RAND.

Schlüssige Kommunikation

Der Kampf auf Twitter hat auch schon Reaktionen ausgelöst, nachdem Emmanuel Chirchir, Sprecher der kenianischen Armee, ebenfalls auf Twitter ist. Dieser hat über den Microblogging-Dienst etwa verkündet, dass die Rebellen vermutlich Esel nutzen, um Waffen zu transportieren, weswegen große Ansammlungen an Packeseln als Shabab-Aktivität angesehen werden. Die Rebellen reagierten – ebenfalls auf Twitter – mit der Frage, ob denn nun Bombenangriffe auf Esel erfolgen würden, denn das würde einige Probleme mit Tierschützern mit sich bringen.

Durch diese und ähnliche Meldungen wollen die Rebellen ihr öffentliches Image aufbessern. Afyare Elmi, Politikwissenschaftler an der Universität von Katar, sieht die Kommunikationsstrategie der Aufständischen, nicht zuletzt durch Twitter, als wesentlich schlüssiger als die der somalischen Regierung.

( futurezone ) Erstellt am 15.12.2011