Leben
14.06.2017

Dieser Strohhalm soll vor Vergewaltigung schützen

In den USA haben Schülerinnen einen Strohhalm entwickelt, der anzeigt, ob sich K.O.-Tropfen im Getränk befinden.

Wenn Frauen beim Ausgehen einen Drink von einem Fremden ausgegeben bekommen, lehnen sie nicht selten ab. Denn immer wieder tauchen in den Medien Berichte über Frauen auf, denen im Club oder in der Bar K.O.-Tropfen ins Getränk gekippt wurden - und sie anschließend zu Opfern eines sexuellen Übergriffs wurden. Susana Cappello, Carolina Baigorri und Victoria Roca, Schülerinnen an einer High School in Miami, Florida haben an der Northwestern University eine Befragung durchgeführt, ob die Studierenden dort bereits derartige Erfahrungen machen mussten. Das Ergebnis: Die Hälfte der Befragten gab an, jemanden zu kennen, dem auf einer Feier schon einmal unwissentlich Drogen verabreicht wurden.

Test-Strohhalme und Crowdfunding geplant

Die Schülerinnen haben deshalb den "Smart Straw" ("schlauer Strohhalm") entwickelt, der vor Vergewaltigungen schützen soll. Der Strohhalm erkennt die Substanzen Rohypnol, Ketamin und Gamma-Hydroxybuttersäure, die als häufig verwendete Vergewaltigungsdrogen gelten. Kommt der Strohhalm mit einem der Stoffe in Kontakt, verfärbt sich dieser blau. "Unser Ziel ist es, die Zahl von Vergewaltigungen zu senken", sagte Susana Cappello zur Miami Herald. Die Zeitung hat die drei Erfinderinnen im Rahmen eines jährlichen Wettbewerbs mit einem Unternehmer-Preis ausgezeichnet. Im ersten Schritt sollen nun Test-Strohhalme hergestellt und eine Crowdfunding-Kampagne für die Realisierung der Idee gestartet werden.

Produkte in der Kritik

In der Vergangenheit wurden immer wieder Produkte entwickelt, wie beispielsweise ein Anti-Vergewaltigungsnagellack, die Frauen vor sexualisierter Gewalt schützen sollen. Die Kritik an diesen lautet, dass sie sich nicht auf die Ursache, also den Täter, sondern auf das Opfer fokussieren. Dadurch würde der Etablierung der Täter-Opfer-Umkehr Vorschub geleistet und Victim Blaming unterstützt werden. Dabei handelt es sich um eine Verhaltensweise innerhalb der sogenannten Rape Culture (zu Deutsch: Vergewaltigungskultur), die sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung nicht nur weitgehend toleriert und duldet, sondern auch die Verhinderung von Vergewaltigungen als Aufgabe der Opfer sieht. Damit einher geht die Verharmlosung des Missbrauchs an sich und die Herabsetzung Betroffener oder potentieller Opfer zu Sexualobjekten, was auch als Victim Shaming bezeichnet wird.

Den drei Schülerinnen ist bewusst, dass ihre Erfindung keine Lösung dafür ist, Vergewaltigungen für immer zu stoppen. "Wir hoffen aber, dass wir mit unserer Erfindung dazu beitragen können, dass Mädchen geschützt werden und sich sicherer fühlen", sagte Carolina Baigorri zu Bored Panda.