Der Getränke-Code "Angel Shot" soll Frauen in Bedrängnis helfen.

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Leben
01/17/2017

Getränke-Code soll Frauen in Bedrängnis helfen

Ein Lokal in Saint Petersburg im US-Bundesstaat Florida bietet Frauen, die sich bedrängt oder belästigt fühlen, verdeckt Hilfe an. Auch in Deutschland gibt es eine ähnliche Initiative.

Wer in dem Restaurant einen "Angel Shot" bestellt, bekommt nicht etwas Hochprozentiges in die Hand gedrückt, sondern Hilfe. Bei dem Getränkenamen handelt es sich um einen Code, den Frauen, die sich in Gesellschaft eines anderes Gastes oder ihres Rendezvous unsicher fühlen, verwenden können. Das berichtet unter anderem der britische Guardian. Laut der Zeitschrift Elle und der Tampa Bay Times handelt es sich dabei um das Lokal "The Iberian Rooster".

"Wir sind hier, um zu helfen"

Ein Plakat, das in der besagten Bar aushängt, erklärt das Prinzip: "Fühlen Sie sich unsicher oder einfach etwas komisch? Wir sind hier, um zu helfen. Gehen Sie einfach zur Bar und bestellen Sie einen Angel Shot." Es wird versichert, dass beim Bestellen des besagten Getränks diskret gehandelt und ein Begleitservice zum eigenen Auto bereitgestellt, ein Uber oder Lyft (Vermittlungsdienste zur Personenbeförderung) gerufen oder die Polizei verständigt werde.

"Das Ziel hier bei uns ist, dass es ein sicherer Ort ist, wo die Leute ein romantisches Date haben können. Wir wollen nicht, dass jemand das zerstört", so Besitzer Russel Andrade gegenüber der Tampa Times. Er sei überrascht, dass man darüber berichte, denn Ziel der Aktion sei nicht das Generieren von Aufmerksamkeit gewesen.

Kritik am "Angel Shot"

Auf Social Media wird die Aktion größtenteils positiv angenommen. Aktivisten, die sich gegen sexuelle Übergriffe auf Frauen stark machen, bemängeln jedoch, dass derartige Situationen nicht mit Diskretion, sondern mit einer Reaktion geregelt werden sollten. Der "Angel Shot" würde demnach zur Etablierung der Täter-Opfer-Umkehr beitragen und Victim Blaming unterstützen.

Bei Victim Blaming handelt es sich um eine Verhaltensweise innerhalb der sogenannten Rape Culture (zu Deutsch: Vergewaltigungskultur), die sexuelle Gewalt und Vergewaltigung nicht nur weitgehend toleriert und duldet, sondern auch die Verhinderung von Vergewaltigungen den Opfern überträgt. Damit gehen wiederum die Verharmlosung des Missbrauchs an sich und die Herabsetzung Betroffener oder potentieller Opfer zu Sexualobjekten (Victim Shaming) einher.

Andere Initiativen zum diskreten Schutz

Der "Angel Shot" ist nicht die erste Initiative seiner Art. So rief man Frauen in der britischen Grafschaft Lincolnshire 2016 dazu auf, nach "Angela" zu fragen. Mit der Initiative "Ask for Angela", nach der auch der "Angel Shot" benannt sein dürfte, lud man Frauen dazu ein, sich an die fiktive Mitarbeiterin "Angela" zu wenden, wenn sie Hilfe benötigen.

Ins Leben gerufen wurde die Initiative von der Lincolnshire Rape Crisis, eine Organisation, die Frauen und Mädchen in der Region unterstützt. Auch dafür wurden Poster in den Frauentoiletten der örtlichen Bars und Lokale ausgehängt. US-Schauspieler Ashton Kutcher begrüßte die Aktion mit einem Posting auf seiner Facebook-Page.

Frage nach Luisa

Eine ähnliche Aktion wurde in Anlehnung an die englische Idee auch in Deutschland implementiert. Mit der einprägsamen Losung "Ist Luisa hier?" sollen bedrängte Frauen in Münsters Beisln und Clubs unkompliziert Hilfe bekommen. Wer im Partygewimmel belästigt wird oder sich bedroht fühlt, kann in teilnehmenden Lokalen mit der Frage nach der fiktiven Freundin auf das Personal zugehen. Die geschulten Mitarbeiter in inzwischen 30 teilnehmenden Bars und Diskotheken sorgen dann dafür, dass die Frau in einem geschützten Raum die Hilfe bekommt, die sie braucht. "Das kann ein Taxi sein, ein Anruf bei Freunden oder im Extremfall auch die Polizei", sagte Gerlinde Gröger, Leiterin vom Frauen-Notruf Münster.

Auch die "Black dot"-Kampagne, hier malen sich Opfer von Missbrauch und häuslicher Gewalt schwarze Punkte auf die Hand, um zu signalisieren, dass sie Hilfe benötigen, und der Anti-Vergewaltigungsnagellack zielen auf den diskreten Schutz von Frauen ab. Bei Letzterem verändert sich die Farbe des Lacks, wenn man den Finger in ein Getränk taucht, dass mit K.-o.-Tropfen versetzt wurde. Entwickelt wurde er von Studierenden der North Carolina University. Auch der sogenannte "anti-rape-nailpolish" erntete mitunter harsche Kritik.