Leben
17.05.2017

Phänomen Online-Dating: "Ansprüche sind meist zu hoch"

Ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet die Tücken und Freuden der virtuellen Partnervermittlung.

Eine junge Frau, deren Freunde allmählich heiraten und Kinder bekommen. Ein Pensionist, der sich nach einer "reifen" Liebe sehnt. Ein Mann mittleren Alters, der einen Mann sucht. Eine alleinerziehende Mutter. Und ein 30-jähriger Mediendesigner, der mehr will als "nur poppen". Sie alle haben eine Mission: die Liebe finden. Und zwar im Internet.

Die fünf unterschiedlichen Singles sind die Hauptdarsteller des neuen Dokumentarfilms "#Single – Der Film" (ab Freitag, 19. Mai, in den österreichischen Kinos), der das Paarungsverhalten der Menschen im 21. Jahrhundert beleuchtet. Und da spielen Online-Partnerbörsen und Dating-Apps nun mal eine immer größere Rolle, wie die Regisseurin Andrea Eder während der Dreharbeiten festgestellt hat.

Angst vorm Versagen

"Online Dating passt genau in unsere Zeit", sagt die Filmemacherin. "Es ist extrem schnell und immer verfügbar. Irgendwie ist es ja auch beruhigend zu wissen, dass wir um jede Tages- und Nachtzeit in Chatrooms gehen und anderen liebesbereiten Menschen schreiben können." Ein Jahr lang hat Andrea Eder die fünf Singles bei ihrer Suche begleitet. "Sie alle hatten das Single-Dasein satt. Was sie außerdem eint, ist der Mut: Da ja niemand wusste, wie der Film enden würde, hatten viele die Angst, beim ‚Versagen‘ gefilmt zu werden."

Denn trotz schier unendlicher Möglichkeiten – 2500 Dating-Portale gibt es alleine im deutschsprachigen Raum – und einer wachsenden Zahl Alleinstehender bleibt die Liebessuche im Netz oft erfolglos. Woran es liegt? Eder, die schon vor dem "Zeitalter Tinder" geheiratet hat und Mutter eines kleinen Sohnes ist, vermutet mehrere Gründe für den häufigen Dating-Frust: "Es gibt sicher die Gefahr, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Damit meine ich, dass bei der großen Anzahl an potenziellen Partnern der oder die Eine einfach übersehen wird. Was mir während der Dreharbeiten noch recht klar gezeigt wurde: dass die Ansprüche an den Wunschpartner sehr hoch sind."

Faktor Mensch

Gleichzeitig sinke die Kompromissbereitschaft der Singles. "Oft fehlt der kritische Blick auf die eigene Person. Männer suchen Prinzessinnen, Frauen Prinzen – sind es aber selbst nicht."

Bei wem es am Ende doch noch "Klick" gemacht hat, will die Regisseurin vorab nicht verraten. Vertraut man der Statistik, müssten aber ein bis zwei der fünf Singles mittlerweile vergeben sein – finden doch laut einer Langzeitstudie des Oxford Internet Institute mehr als 30 Prozent aller Paare online zueinander.

"Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Systeme wirklich gut funktionieren", fasst Andrea Eder zusammen. "Die Chance, jemanden zu treffen, ist tatsächlich gut. Aber was eben kein Algorithmus berechnen kann, ist der ‚Faktor Mensch‘ – die ungewisse, unberechenbare Anziehung zwischen zwei Personen." Denn in einem ist sich Eder nach den Dreharbeiten sicher: Ihren Mann – zehn Jahre älter, geschieden, andere Interessen – hätte ihr eine Partnerbörse niemals vorgeschlagen.