© KURIER /Franz Gruber

Leidenschaft
04/03/2014

Jeder Ton kommt von Herzen

Eine Gruppe befreundeter Musiker gründete ein Amateur-Orchester. Unter dem Namen "Sinfonia Academica" spielen sie aus Freude und für den guten Zweck.

von Sandra Lumetsberger, Franz Gruber

In diesem Raum wurden schon viele Noten gespielt, hier hängen so viele Töne", sagt Peter Gassler und atmet ein, als würde er versuchen, etwas von der Energie im historischen Mozartsaal des Konzerthauses einzusaugen. Noch sind die Stühle in den Reihen leer. Am nächsten Tag werden hier Hunderte Zuseher sitzen, den Klängen lauschen.

Peter Gassler spielt seit seinem achten Lebensjahr Geige. In seinem Beruf ist er Jurist und Coach. Gemeinsam mit 49 anderen Mitspielern – die aus verschiedenen Berufen kommen – bildet er das Amateur-Orchester "Sinfonia Academica". Die 32 Frauen und 16 Männer sind verschiedenen Alters. Das jüngste Mitglied ist 17, das älteste 70 Jahre.

Freude und Disziplin

Was sie alle verbindet, ist die Leidenschaft zur Musik. "Und die Freude, etwas gemeinsam zu erarbeiten", fügt Martha Krumpl hinzu. Die zierliche Frau mit den blonden Haaren ist Gynäkologin und strahlt, wenn sie übers Musizieren spricht. Im Orchester spielt sie Geige. "Die Proben sind ein wunderbares Gemeinschaftserlebnis, bedingen aber viel Disziplin. Wir wollen ein hohes Niveau erzielen.

Die Freude steigt, wenn die Qualität steigt – das eint uns." Die Glücksgefühle, die Sportler beim Laufen fühlen, empfindet sie beim Spielen. "Ich bin froh, dass ich das erleben darf. Je älter ich werde, desto wichtiger wird es mir. Man kann das lange ausüben und bleibt fit."

Die Stimmung im Saal ist locker, es wird gelacht und geplaudert. Bis Dirigent Ewald Donhoffer das Zeichen gibt. Jetzt herrscht volle Konzentration. Die "Hebriden-Ouvertüre" von Felix Mendelssohn ist an der Reihe. Donhoffer deutet zu Gassler – der auch Konzertmeister ist. Wenn das Orchester eine Fußballmannschaft wäre, dann wäre Gassler der Kapitän. Dirigent Donhoffer der Trainer. Er gibt seine musikalischen Vorstellungen an den Konzertmeister weiter. Und der sie wiederum an die Stimmführer – die Musiker, die am ersten Pult sitzen.

Sigrid Carthy-Braunsperger gehört zu den Profis im Ensemble. Die Musikpädagogin und Shiatsu-Therapeutin spielt und unterrichtet Cello. "Für mich war es angenehm in eine Gruppe zu kommen, wo ein Fundament da ist, sich alle kennen und befreundet sind." Damit die Zusammenarbeit funktioniert, so Peter Gassler, sind ein gutes Miteinander, Respekt und Vertrauen wichtig. Er und Krumpl haben bereits in einigen Orchestern mitgewirkt. Die Idee, unter dem Namen "Sinfonia Academica" für karitative Zwecke zu spielen, kam Martha Krumpl vor einem Jahr. Mit ihren Benefizkonzerten wollen sie mit dem Publikum ihre Freude am Spiel teilen und Gutes tun. Oder wie Gassler sagt, "ein bisschen mehr Sonne in die Welt bringen." Dieser Benefizgedanke unterscheidet sie von anderen Ensembles.

Emotionen rauslassen

Auch ihre Emotionen, so Krumpl, können sie beim Musizieren rauslassen. "In meinem Brotberuf muss ich meine Leistung erbringen – egal ob ich Kopfweh habe. Aber in meinem Amateur-Dasein darf ich ganz viel Emotion hineinschmeißen. Da ist es auch gefragt. Jeder Ton kommt von Herzen."

Wenn nun 50 Leute nach der Arbeit zu den Proben kommen – jeder in einer anderen Stimmung –, lässt sie der Dirigent erst einmal ankommen. "Dann spielen wir uns alles von der Seele und sind wieder da." So auch bei den Proben. Bevor das nächste Stück – von Joseph Haydn – am Programm steht, spielen sie sich ein. Zuerst die Streicher, dann die Bläser. Ewald Donhoffer gibt lächelnd, aber bestimmt, Anweisungen.

Dass hinter dem sozialen Engagement sehr viel Arbeit steckt, hat Martha Krumpl in den vergangenen Monaten zu spüren bekommen. Sponsoren für die Miete im Konzertsaal mussten gefunden und überzeugt werden. "Wenn man es dann aber geschafft hat, eine Sache auf die Beine zu stellen, ist das ein unglaubliches Erfolgserlebnis", sagt Krumpl. Noch besser, fühlt es sich an, wenn man spürt, dass etwas vom Publikum zurückkommt. "Die Begeisterung potenziert sich‚ und kann durchaus ein Ereignis sein. Es ist schön, darauf hinzuarbeiten, etwas Besonderes zu machen."

Infos und Termine zu den weiteren Konzerten finden Sie unter www.sinfa.at

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