Leben
02.10.2018

Sexuelle Gewalt: Rekordanruferzahlen bei US-Beratungshotlines

Notrufstellen für Opfer von Übergriffen verzeichneten nach der Anhörung von Brett Kavanaugh ein Vielfaches der üblichen Anruferzahlen.

Vergangenen Donnerstag traten Christine Blasey Ford und Brett Kavanaugh vor den US-Senat, um zu den Vergewaltigungsvorwürfen, die vonseiten der Psychologie-Professorin gegen den für den Supreme Court nominierten Richter erhoben werden, Stellung zu nehmen. Ob und wie sich die von heftigen Emotionen geprägte Anhörung auf die Abstimmung des Senats auswirken wird, ist derzeit unklar. Aktuell läuft eine FBI-Untersuchung zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Kavanaugh. Der US-Senat soll aber noch diese Woche endgültig über die Kandidatur des umstrittenen Richter-Kandidaten abstimmen.

Opfer bitten um Hilfe

Klar ist jedenfalls bereits jetzt, dass Christine Blasey Fords Entscheidung, öffentlich über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt zu sprechen, andere Opfer dazu bewegt hat, sich Hilfe zu holen. Wie CNN berichtet, verzeichnete die National Sexual Assault Hotline (US-Beratungsstelle für Opfer von sexueller Gewalt, Anmerkung d. Redaktion) in den Tagen nach der Anhörung einen Anstieg der Anruferzahlen um 338 Prozent. Das Rape, Abuse & Incest National Network, welches die Hotline betreibt, nahm alleine am Freitag über 3.000 Anrufe entgegen. Der Tag markiert den arbeitsintensivsten in der Geschichte der Beratungsstelle, wie man am Montag mitteilte.

"Im vergangenen Jahr, nach den Fällen von Weinstein und Cosby und dem Aufkommen von #MeToo, sind unsere Zahlen ziemlich schnell gewachsen, aber so etwas haben wir noch nie gesehen", betont Scott Berkowitz, Präsident des Netzwerks, in der Aussendung. Und weiter: "Die Geschichte zeigt uns, dass wenn Behauptungen wie diese in den Nachrichten sind, sie auch andere erreichen. Diese Geschichte hat eindeutig eine Resonanz bei Opfern gefunden und Tausende dazu gebracht, zum ersten Mal um Hilfe zu bitten."

Der Effekt der öffentlichen Debatte rund um sexuelle Übergriffe und Brett Kavanaugh scheint das ganze Land zu erfassen: Neben der National Sexual Assault Hotline verzeichnete etwa auch das DC Rape Crisis Center einen deutlichen Anfragenanstieg. Indira M. Henard, Leiterin der Organisation, sagte im Interview mit CNN, dass es nach Kavanaughs Anhörung einen "signifikanten Ausschlag" bei den Anruferzahlen gegeben habe. Seit die #MeToo-Bewegung vor einem Jahr breite gesellschaftliche Resonanz fand, seien die Zahlen um rund 15 Prozent gestiegen.