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Ohlala
12/22/2015

Österreicherin erfindet App für bezahlte Dates

Ein App für bezahlte Dates - Pia Poppenreiter erzählt, warum sie das gut findet.

von Gabriele Kuhn

Dass sich Menschen via Handy-App verabreden, ist nicht neu. Tinder macht es erfolgreich vor. Vor Kurzem folgte Zündstufe zwei des Kuppel-Modells: Eine App, die Dates gegen Bares vermittelt. Sie heißt „Ohlala“ und verkauft sich so: „Ohlala ist eine Web-App, mit der du dich innerhalb kürzester Zeit auf ein bezahltes Date verabreden kannst. Du zahlst bei einem Ohlala-Date für die spontane Verabredung mit einer Frau. Wie viel du für dein Wunsch-Date zahlst und was ihr während eures Dates anstellt, klärt ihr vorab gemeinsam im Ohlala-Chat.“

„Keine Zuhälterei“

Hinter dieser Idee steckt eine Österreicherin. Sie ist 28 Jahre alt, heißt Pia Poppenreiter und muss auch Kritik einstecken. Nämlich, dass ihre App nichts anderes sei als Zuhälterei 3.0. Darauf angesprochen, reagierte sie im KURIER-Interview empört: „Was Ohlala tut, hat nichts mit Zuhälterei zu tun. Die App bringt Menschen in Kontakt, die sich auf bezahlte Dates treffen möchten. Was dann genau bei dem Date passiert, ist eine rein private Angelegenheit“, erklärt sie. Theoretisch scheint es also möglich, dass man sich einfach nur zum Theaterbesuch verabredet, oder auf ein Tête-à-Tête bei McDonald’s. Die Frage ist nur: Warum dafür bezahlen – bzw. sich bezahlen lassen?

Eine gewisse „Miriam“ gibt im Ohlala-Blog Antwort darauf. Die „Diplom-Pädagogin“ ist nämlich so eine Frau, die via App Geld verdient. Einer ihrer engsten Freunde hätte sie auf die Idee gebracht, auf bezahlte Dates zu gehen – just in jenem Moment, als er selbst darüber nachdachte, als Callboy zu jobben. Was sie an Dates gegen Bares mag? „Der Reiz liegt vor allem an der Vielfalt und Abwechslung an Männern, die man dadurch trifft.“ Nicht nur: Sie gibt an, bezahlte Dates zu mögen, weil sie „eine gute, sachliche Geschäftsgrundlage haben, einen klaren Rahmen bieten und vor Übergriffen schützen“. Außerdem werde der Preis im Vorhinein vereinbart und zu Beginn des Dates „mit Dankeschön-Kuss“ entgegengenommen. Das Ganze sei ein „Hobbyjob“.

Sex-Vermittlung

Es ist übrigens nicht die erste einschlägige App, für die die gebürtige Oberösterreicherin – sie kommt aus Thalheim bei Wels und lebt in Berlin – verantwortlich zeichnet: „Ohlala leitet sich eigentlich von meiner ursprünglichen Idee ab, die App Peppr. Wir haben Erfahrungen abgeleitet, gesehen, was funktioniert und nicht so gut klappt und die ursprüngliche Idee neu und anders gedacht.“ Auch bei Peppr drehte sich alles um zwischenmenschliche Angelegenheiten – sprich: Erotik. Die App vermittelte unverblümt Sex zwischen Interessierten. Doch Poppenreiter („Ja, Scherze bezüglich meines Namens sind nicht neu und mittlerweile etwas abgelutscht.“) gab auf: „Wir hatten damals leider Auseinandersetzungen im Gründerteam. Die Situation hat es damals nicht anders zugelassen, als Peppr zu verlassen und einen Neustart zu wagen. Ich habe es keinen einzigen Tag bereut.“ Das Know-how zum Thema habe sie sich übrigens mit beinharter Recherche angeeignet, schrieb das Magazin Stern. Sie schaute sich das Treiben in Bordellen und Clubs an, eine ehemalige Domina vermittelte ihr Kontakte zur Szene.

HerausforderungWarum ausgerechnet ein Start-up zum Thema Sex? Poppenreiter: „Warum nicht? Ich mag gesellschaftskritische Themen. Mir macht es Spaß, Leute dazu einzuladen, ihr Weltbild infrage zu stellen. Für mich ist Ohlala die ultimative Herausforderung auf einer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Ebene.“

Mit dem wirtschaftlichen Erfolg ist die Jung-Unternehmerin zufrieden: „Wenn die Anzahl der Nutzer ein Maßstab ist, dann ist Ohlala um Welten besser als Peppr.“ Dass das Prinzip Liebe bzw. Sex per App oder im Netz zu Isolation oder kollektiver Netz-Onanie führen könne, kann sie nicht nachvollziehen – im Gegenteil: „Die Kontaktaufnahme und die gezielte Suche nach Gleichgesinnten ist durch das Internet einfacher. Das Ziel ist jedoch noch immer, sich offline zu treffen, deswegen denke ich nicht, dass (bezahlte) Dating Apps Isolation fördern – ganz im Gegenteil. Wenn man die Liebe sucht, gibt es schon zahlreiche Seiten, die unzählige Matching-Erfolge verzeichnen können.“

Für Romantik sei Ohlala allerdings nicht geeignet, gibt Poppenreiter zu. Das Thema sei vielmehr Effizienz in Sachen Lust: „Das ist der Punkt. Bei Ohlala geht es um Spaß auf Zeit, gegen Geld. Ich kann auf keinen Fall empfehlen, die Liebe des Lebens auf Ohlala zu suchen.“

Die App funktioniert derzeit nur für die deutschen Städte Berlin, Hamburg, Frankfurt und München. Das Roll-out für nächstes Jahr ist derzeit im Plan – und dafür sei, so Poppenreiter, auch Österreich im Gespräch.

Info: www.ohlala.com

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