Leben
09.05.2018

Schulprojekt in der Kenyongasse: Was tun mit alten Handys?

Dass Mist nicht in den Mist gehört und Elektroschrott wertvoll ist, lernten die Schüler in einem Projekt.

So langlebig wie das Handy von Maximilian wird wohl selten eines: „Es ist elf Jahre alt. Doch jetzt funktioniert es nicht mehr richtig, und ich bekomme ein Neues“, sagt der Schüler der die Klasse 3D der AHS Kenyongasse in Wien besucht.

Warum Maximilian das erzählt? Seine Klasse diskutiert gerade im Rahmen eines Schulprojekts mit einem Abfallberater der MA 48 (Abfallentsorgung) darüber, wie viel Elektroschrott in Österreich anfällt und wie viele Handys und elektrische Zahnbürsten ungenutzt in den Kästen und Läden herumliegen. Die Zahl der Zweit- und Dritthandys, die hierzulande nicht entsorgt werden, schätzen Experten auf Millionen.

„Das ist aus mehreren Gründen schlecht. Zum einen, weil so wertvolle Rohstoffe ungenutzt bleiben, zum anderen, weil sie auch ein Sicherheitsrisiko sind – Akkus können auslaufen oder im schlimmsten Fall explodieren“, sagt der MA-48-Experte.

Lithium und Gold

Welche Rohstoffe in den Handys verborgen liegen, haben die Schüler während des viertägigen Projekts gelernt: Lithium, Gold, Palladium oder Tantal, weiß Schüler Ben heute. Anschaulich wird das im Handykoffer, den der Abfallberater mitgebracht hat (siehe Fotos). Ziel des Projekts: Die Kinder und Jugendlichen sollen bewusster mit ihren Alltagsgegenständen umgehen und sie korrekt entsorgen, sobald sie kaputt sind oder sie nicht mehr gebraucht werden.

Was Wiederverwerten in der Praxis heißt, erleben die Schüler im Demontage- und Reparaturzentrum, kurz DRZ, in Wien: Lilli interessiert sich dort besonders dafür, wie man in verschiedenen Abteilungen die Geräte so auseinanderbaut, dass man die brauchbaren Teile wiederverwerten kann. Und Alex findet es lustig, dass aus Altem Neues designt wird, etwa Schlüsselanhänger aus alten Mikrochips oder Handtaschen aus alten Festplatten. Ein Bullauge einer alten Waschmaschine wurde zu einem Eimer umfunktioniert. Allerdings: Die Schüler entsorgen ihre Altgeräte zwar künftig ordnungsgemäß – selbst einkaufen würden sich im DRZ aber nicht.

Neue Klasse

Nächster Gang, nächste Tür: In der Volksschulklasse 3B wird grundlegendes vermittelt, da die Kinder hier noch jünger sind. Etwa, dass Altpapier in Tonnen mit rotem Deckel und Plastikflaschen oder Tetrapaks in die „gelbe“ Tonne kommen Ein Gefühl dafür, was Elektrogeräte überhaupt sind, wird den Buben und Mädchen spielerisch vermittelt. Jeder darf einmal in eine Tasche greifen und ein Gerät ertasten – dabei werden die Augen verbunden. „Was könnte das sein“, fragt die Abfallberaterin. „Ein Nintendo?“, rät Anna. Eher nicht. Also helfen die Mitschüler nach: „Man kann damit Fotos machen!“, ruft ein Bub. Da braucht das Mädchen nicht mehr lange raten.

Lehrerin Linda Hellmann ist begeistert von den Kindern und dem Projekt: „Sie begegnen dem Thema ja täglich in ihrer Umwelt. Das Wissen, das sie auch von zu Hause mitbekommen, wird hier vertieft.“

Zur Info: In einer Woche kamen 5700 Elektrogeräte zusammen: Stabmixer, elektrische Zahnbürsten und  Handys wurden eine Woche lang im Hof des Schulzentrums Kenyongasse gesammelt. Ziel der Projektwoche – durchgeführt in Kooperation mit der MA 48 und der Elektroaltgeräte- Koordinierungs- stelle – war es, ein  Bewusstsein für den Umgang mit Ressourcen zu schaffen.   Am meisten gesammelt hat die Klasse 4A der BAfEP (Bundesbildungsanstalt für elementare Pädagogik)  und erhielt  500 € für die Klassenkassa.

Internet: www.eak-austria.at
www.wien.gv.at/umwelt/ma48/