Leben
24.05.2018

Schule: Was tun gegen den Leistungsdruck?

Wenn Kinder Probleme beim Lernen haben, überfordert sie der Schulalltag. Wie Eltern helfen können.

Für Lerntrainerin Hanna Fiedler ist der hohe Leistungsdruck keine Überraschung. „Ich erlebe viele Eltern und Schüler, die bei schlechteren Noten Angst bekommen, dass die ganze Zukunft verbaut ist. Das hat auch damit zu tun, dass Eltern sich Sorgen machen, ob ihr Kind einen Job bekommen wird. Diese Befürchtung beginnt immer früher.“

Tatsächlich beobachtet sie, dass der Stress seinen Ausgangspunkt oft in der Volksschule hat: „Wenn ein Kind nicht sinnerfassend lesen gelernt hat, braucht es für den Lernstoff viel länger. Da muss man zuerst bei diesen Grundlagen ansetzen. Oft erfassen die Kinder Wörter nicht als Bild, sondern müssen sie erst langsam zusammenlauten. Das ist sehr mühsam und sie brauchen viel länger für ihre Aufgaben als nötig.“

Fiedler übt mit Kindern und Eltern, wie richtig gelernt wird. „Manche Kinder tun sich leichter, eine Seite in einem Buch visuell aufzunehmen und merken sich das ganze Bild. Aber das wird ihnen in der Schule abtrainiert. Dort gibt es einen starken Fokus auf das Zuhören im Frontalunterricht.“

Die Lerntrainerin schätzt die Bemühungen der Eltern, ihre Kinder zu fördern, „aber manchmal kann das auch zu viel sein. Dann muss man den Kindern den Notendruck nehmen.“ Die Kinder brauchen Zeit zum Durchatmen. „Ein Wochentag sollte komplett lernfrei sein, außer vielleicht genau vor der Entscheidungsprüfung“, betont Konrad Zimmermann vom Nachhilfeinstitut Lernquadrat. „Manche Eltern bekommen bei einem Zweier eine Krise und andere finden, dass „ein Vierer eh genügend ist“.

Er beobachtet, dass auch gute Schüler Unterstützung suchen: „40 Prozent der 10- bis 19-Jährigen haben Nachhilfe. Bei den schlechten Schülern sind es 75 Prozent. Aber auch jeder dritte Schüler, der eigentlich gut in der Schule ist, nimmt Nachhilfe.“ Das kann mit der Schule zu tun haben, sagt er provokant: „Manchmal haben wir aus einer großen Schule nur fünf Kinder und aus einer kleinen hundert. Das sagt auch einiges über die Schule aus.“

Lernumfeld

Wenn das Kind lange Zeit nur Misserfolge erlebt, muss man sich grundsätzliche Fragen stellen, betont Bildungspsychologin Christiane Spiel. Dann kann es daran liegen, dass es in der falschen Schule sitzt. „Es sind ja gerade die Eltern, die ihre Kinder in die AHS drängen, auch wenn diese auf einer Neuen Mittelschule besser aufgehoben wären.“ Es gibt aber Schüler, die sich den Druck selbst machen oder die mit ihren leistungsstarken Mitschülern mithalten wollen.

Das Problem des Schulversagens beginne oft früh: „Viele Kinder haben ein schlechtes Selbstbild. Bereits in der Volksschule glauben sie, dass sie für manche Fächer ,zu dumm‘ seien. Sie glauben dann nicht, dass sie sich verbessern können, indem sie lernen und zum Beispiel eine andere Methode anwenden, also lernen sie gar nichts mehr. So wird ein negativer Kreislauf in Gang gesetzt.“Mehr zum Thema Leistungsdruck sehen Sie heute auf schauTV: schauLeben, 17.45 Uhr