Junior City Farmer
06/17/2014

Schönbrunn trifft New York

In Brooklyn entstand der älteste Kinder-Garten der Welt. Lisa Reck hat die Idee nach Wien geholt.

Seit fast hundert Jahren spielt sich im Botanischen Garten von Brooklyn an einem Samstag im späten April das gleiche eindrucksvolle Schauspiel ab. Samenpakete werden in Kinderhände gedrückt, dann setzt eine Gruppe Fünfjähriger Samen in die vorbereiteten Beete. Sie wissen, wie das geht. Denn schon Wochen zuvor hat man sie im "Kinder-Garten" mit den Grundregeln des Gärtnerns vertraut gemacht.

Nach sechs Wochen kann dann geerntet werden, allerdings zuerst nur ausschließlich Radieschen, da naturgemäß Salat und Paradeiser noch auf sich warten lassen. Man kann davon ausgehen, dass dann Im Schnitt jedes Kind 73 Stück der selbstangebauten Radieschen nach Hause trägt. Demnach wurden im Laufe des Bestehens des "Children’s Garden" Brooklyn und benachbarte Stadtteile von New York mit über zwei Millionen der knackigen roten Knollen gleichsam geflutet.

Der Radieschen-Tsunami macht die Kinder stolz und glücklich. Eltern bleibt die schwierige Aufgabe, den Speisezettel darauf einzustellen.

Gesellschaftlicher Umbruch

In den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhundert befand sich New York in einem gesellschaftlichen Umbruch. Durch die Bevölkerungsexplosion und die damit verbundene dichtere Verbauung, wurden die Menschen in zuvor ländlichen Stadtteilen wie Brooklyn im wahrsten Sinn des Wortes entwurzelt. Mit dem Zugang zu Land und Boden verloren sie zugleich den Bezug zu den Nahrungsmitteln.

Das war der Hintergrund vor dem Ellen Eddy Shaw, die als Lehrerin in Brooklyn arbeitete, im Jahr 1914 auf dem Gelände des "Brooklyn Botanic Garden", der bisher nur wissenschaftliche Aufgaben vertrat, einen "Children’s Garden" einrichten wollte. Das gelang mit derartigem Erfolg, dass er kontinuierlich bis heute in Betrieb geblieben ist.

Kinder erhalten Gelegenheit – gegen erstaunlich hohe Gebühren, die aber durch Stipendien kompensiert werden können – in eigenen Beeten Gemüse anzubauen, zu kochen und zu feiern. Ein angrenzendes Gelände steht ihnen als "Entdeckungsgarten" zur Verfügung.

"Dass jeweils zwei Kinder gemeinsam ein Beet betreuen", sagt die Gartenpädagogin Lisa Reck, "fördert die gesellschaftliche Integration und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit." Dazu kommt, dass Jugendliche, die ihre Kindheit im "Children’s Garden" verbringen konnten, als Betreuer der Jüngeren eine wichtige Vermittlerfunktion einnehmen.

Lisa Reck, die mit einem Fulbright-Stipendium ein Masterstudium an der New York Universität absolvierte, fand in dieser Zeit auch Gelegenheit, im Kinder-Garten des "Brooklyn Botanic Garden" Erfahrungen zu sammeln. Sie haben dann zur erfolgeichen Gründung der "City Farm Schönbrunn" beigetragen. Diese steht allerdings nicht nur "Junior City Farmern", sondern auch Erwachsenen, die urbanes Gärtnern lernen oder sich fortbilden wollen, offen.

Die "City Farm Schönbrunn" liegt auf dem Gelände des "Lehr- und Forschungszentrums für Gartenbau Schönbrunn" auf historischem Boden, nämlich dort, wo schon Kaiserin Sisis Kühe grasten. Erst 2011 vom Gemüseexperten Wolfgang Palme und der Gartenpädagogin Lisa Reck gegründet, haben schon Tausende Menschen, Kinder und Erwachsene, das Angebot, sich als Stadtgärtner zu versuchen, wahrgenommen.

Allein im Vorjahr registrierte man 4000 Besuche, Tendenz steigend.

Auf der „City Farm Schönbrunn“ lernen Kinder und Erwachsene wie man sein eigenes ökologisches Gemüse anbaut. Im Zentrum stehen Raritäten, wieder entdeckte alte Sorten und Innovationen. Hier kann man aber auch seinen Geburtstag feiern, Seminare und Konferenzen abhalten.

Spezielles Junior-Programm: Schul- und Kindergartenkinder werden in eigenen Beeten ein Schuljahr lang in die Welt des Gärtnerns eingeführt. 45 Euro pro Kind im Semester. Pädagoginnen sollten sich rasch für Herbstplätze melden.

Die nächsten Veranstaltungen:
27. Juni, 15 bis 17.30 Junges Gemüse-Babybrei und Co, 45 Euro
2. Juli, 9 bis 11.30, Gemüsegarten Kunterbunt für Kinder, kostenlos
9. Juli, 16.30 bis 19, Wunderkräuter, 35 Euro

INFO: City Farm Schönbrunn, Seckendorff-Gudent-Weg 6, 1130 Wien. www.cityfarm.at
Anmeldungen info@cityfarm.at

Jetzt gibt es auch auf der „City Farm Schönbrunn“ neben Beeten, Streuobstwiesen und einem Insektenhotel eine naturnahe Blumenwiese. Sie besteht aus zahlreichen Blumen, Kräutern, Kleearten und aus für Naturwiesen typischen Gräsern. Die Samenpackung „Schmetterlings Blumenwiese“ gibt es bei „bellaflora“, dem Hauptpartner der City Farm.

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