Leben
04.06.2018

Star im Netz: Krebs trennt Schere ab und flieht aus Kochtopf

Ein Video zeigt, wie das Krustentier in einem Restaurant in China der brodelnden Brühe entkommt.

Ein Flusskrebs, der eine seiner Scheren opferte, um dem sicheren Tod im Kochtopf zu entkommen, ist im Internet zu Ruhm gelangt. Ein Video, das sich von der Plattform Weibo (chinesische Version von Twitter) aus im Netz verbreitet, zeigt, wie das Krebstier eine seiner Scheren packt und abtrennt, um aus dem Topf zu flüchten. Wie der Guardian berichtet, soll User Jiuke den Clip als Erster auf Weibo gepostet und angegeben haben, dass er den Krebs nun als Haustier halte.

"Habe ihn leben lassen"

"Ich habe ihn leben lassen. Ich habe ihn schon mit nach Hause genommen und ziehe ihn jetzt in einem Aquarium groß", schrieb er, nachdem andere Nutzer ihn inständig gebeten hatten, Gnade walten zu lassen. "Iss ihn nicht, schau doch, wie hart er versucht zu überleben", soll ein User den Beitrag laut Taiwan News kommentiert haben.

Flusskrebs-Boom

In China, und vielen anderen Teilen der Welt, gelten Schalentiere als Delikatesse. Restaurants, die auf die Zubereitung der Meeresbewohner spezialisiert sind, schießen wie Pilze aus dem Boden. Infolge der steigenden Nachfrage hat sich die Krebs-Produktion in China seit 2007 verdreifacht. Über 850.000 Tonnen Krebstiere werden laut dem nationalen Ministerium für Landwirtschaft jährlich gezüchtet und gehandelt. Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua laut BBC berichtet, sei China auch der weltgrößte Lieferant für die Tiere.

Der Flusskrebs ist laut der Naturschutzorganisation WWF in den südlichen USA und Nordmexiko beheimatet, wurde aber durch Zucht in weite Teile der Welt eingeführt. In China ist diese Art Anfang des letzten Jahrhunderts eingeführt worden und hat sich als gebietsfremde Art in die umgebenden Gewässer der Zuchtanlagen stark ausgebreitet. Sein natürlicher Lebensraum sind stehende Gewässer, die zeitweise trocken fallen, wie beispielsweise Fluttümpel in Flussniederungen. Reisfelder sind diesen natürlichen Lebensräumen sehr ähnlich und eignen sich daher gut für die Flusskrebszucht. Die Tiere ernähren sich von der natürlich vorhandenen Nahrung und benötigen keine Futterzugabe. In den USA werden in der Flusskrebszucht nur wenige Chemikalien eingesetzt, über die Verhältnisse in China ist laut WWF zu wenig bekannt.

Tierschutz

Anders als in Ländern wie der Schweiz und England gelten hierzulande strenge Tierschutzregeln für die hochsensiblen Tiere. In Österreich ist das Töten von Krusten- und Schalentieren in der Tierschutz-Schlachtverordnung (Fassung vom 01.02.2018, Anhang B) geregelt: Dort heißt es, dass Krusten- und Schalentiere, außer Austern, nicht auf Eis aufbewahrt werden dürfen und nur in stark siedendem Wasser getötet werden dürfen. Weiters: "Das Wasser muss sie vollständig bedecken und nach ihrer Zugabe weitersieden. Abweichend davon dürfen Schalentiere in über 100 Grad Celsius heißem Dampf getötet werden. Krustentiere sind vor dem Töten zu betäuben."

Hintergrund ist, dass Krustentiere hochentwickelte Nervensysteme besitzen und Qualen leiden, wenn sie in kochendes Wasser geworfen werden oder wenn ihnen die Scheren lebendig abgetrennt werden - eine gängige Praxis in internationalen Restaurants.