Schlosspark Kohfidisch, „ein verwunschenes Märchenschloss“.

© Roland Pittner

Leben Reise
12/29/2021

Zum Sterben schön: Lieblingsorte österreichischer Krimiautorinnen

Ein packender Krimi spielt an markanten Orten und unverwechselbaren Schauplätzen. KURIER ReiseGenuss fragte sieben österreichische Krimiautorinnen und -autoren, ob es sich auch lohnt, die Region ihrer Handlung ohne Mord zu bereisen.

von Stefan Hofer

Weihnachten ist eine gesegnete Zeit, und eigentlich komisch, dass es da um eine Geburt geht, weil beim Segnen des Zeitlichen geht es wiederum um den Tod. Aber der passt in Österreich sprachlich eh immer dazu – vor allem im Wienerischen, da führen sowieso alle Wege zum Friedhof. Auf diesen Wegen will man aber etwas sehen, also reisen wir, nicht zufällig heißt ein internationaler Bestseller Thousand Places To See Before You Die.

Die Autorinnen und Autoren von Regionalkrimis sammeln viel Erfahrung mit Lokalkolorit. Also fragten wir sie: Was muss man gesehen haben?

Martina Parker verführt die Leser ins Burgenland. Der Lieblingsplatz der Gartenkrimi-Autorin ist der Schlosspark Kohfidisch, „ein verwunschenes Märchenschloss“. (Bild oben) In ihrem Debütkrimi „Zuagrost“ treffen erfundene Figuren auf echte Wirtinnen. Zwei davon sind die Schwestern Katrin und Sandra der kleinen Oberwarter Feinkostbar „il sapore“ – „ein Little Italy mitten in Oberwart“. Jeden Samstag nach dem Bauernmarkt treffen sich dort Einheimische zum Dolce Sabato. „Weil es hier nur samstags Süßes gibt! Und spätestens um halb elf ploppt die erste Flasche Prosecco.“ Im März erscheint ihr Krimi „Hamdraht“.

Lustvoll geht’s auch der „Salzburgsünde“-Autor Manfred Baumann an, der nicht nur einen Lieblingsplatz in Salzburg verortet. „Aber wenn es sein muss, dann das traumhaft schöne Ambiente von Hellbrunn. Der Park, das Steintheater, die Wasserspiele, das Lustschloss. Da fühlt man sich schon im Himmel.“

In Wien wiederum gehört das Morbide ohnehin zur menschlichen Grundausstattung. Gerhard Loibelsberger zieht es auf den Naschmarkt, denn hier wurde „gehandelt, gefeilscht, gezetert, geflucht, gustiert.“ Bevor man ins Gras beißt, sollte man im Gasthaus „Buchecker & Sohn“ in der Gußhausstraße in der Nähe des Naschmarkts „ein gebackenes Kalbsbries, ein Kalbsrahmbeuscherl oder ein Rahmherz im Wurzelsafterl genossen haben“.

Einen Kontrast zu Loibelsbergers „Polyfonie der Stimmen und Sprachen“ am Naschmarkt findet man im Waldviertel. Als einen besonderen Ort der Ruhe empfindet Maria Publig einen Jahrtausende alten Granitblock in der Mitte des Aufstiegs zur Ysperklamm. „Im Sommer lege ich mich gerne in seine Mulde, schließe die Augen und höre dem Gesang der Vögel zu.“ Wer für immer die Augen schließt, liest man in ihrem Buch „Waldviertelblut“.

Eva Reichl kümmert sich mordsmäßig um das ebenfalls stille Mühlviertel: „Es besticht durch seine verhältnismäßig kleinen Felder, Wiesen und Wälder. Wie ein bunter Fleckerlteppich überziehen diese je nach Jahreszeit in den unterschiedlichsten Farben das hügelige Land.“ Ihre Lieblingsplätze sind die Burgruinen Reichenstein und Prandegg, beide auf Höhenrücken im Waldaisttal gelegen. Reichl empfiehlt zudem den vierundachtzig Kilometer langen Johannesweg zu gehen.

„Beschaulich“ nennt Claudia Rossbacher den Grundlsee. Ihr elfter Steirerkrimi „Steirertanz“ führt die LKA-Ermittler Sandra Mohr und Sascha Bergmann ins Ausseerland. Auf alle Fälle sollte man sich zu Lebzeiten einen Ausseerland-Seesaibling gönnen, so Rossbacher. Ein Erlebnis sei ein Plätt’nfrühstück: „Während die traditionelle Holzzille nahezu lautlos über den Grundlsee gerudert wird, genießt man – im Sommer – ein feudales Frühstück vor einzigartiger Naturkulisse.“

In der kalten Jahreszeit bietet sich ein Tirol-Krimi an. Gert Weihsmanns blutige Spur führt in den „Ischgler Schnee“. Sein Tipp ist das Paznaun, ein Seitental im Oberland, „das von naturbelassener Stille über anspruchsvolle Kulinarik bis zu einem ordentlichen Nachtleben ziemlich alles bietet“. Und das hochalpine Panorama sei einzigartig.

Noch ein Tipp aus dem Südburgenland. Wer die Begrüßung „Kimmts eini, hobts’ an Hunga, wos wuits’ tringa?“ hört, muss keine Mordfalle im Kellerstöckl fürchten: „Südburgenländer sind einfach unglaublich nett und gastfreundlich“, so  Parker.

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