Wie eine Zehnjährige den Sagenweg im Pitz-Tal-Schluss findet
Wie aus Zwergen Murmeltiere wurden und wer der Almsenn war: Ein Märchenpfad mit Kinderaugen gesehen, Beschreibung einer Zehnjährigen.
„Den Sagenweg im Pitztal geht man zirka 45 Minuten. Es werden fünf Sagen beschrieben, die allesamt etwas Wahres an sich haben. Der Sagenweg hat ein paar steile Stellen, es sind aber auch flache Wege dabei. Bei den Sagen (auf Tafeln) gibt es entweder ein Bankerl oder einen Stein zum Hinsetzen.
Die Sagen handeln von lustigen Geschichten, es geht um einen Riesen, die Entstehung der Murmeltiere, Feen und Venedigermandln (wer nicht weiß, was das ist, muss den Sagenweg einfach selbst gehen). Wer danach Hunger hat, kann eine Pause in der Gletscherstube einlegen. Wem der Sagenweg zur Gletscherstube zu anstrengend war, kann auf der Forststraße neben der Pitze (so nennt man die Pitztaler Ache hier) zurückgehen.
Der Talschluss, durch den der Pfad verläuft, wurde vom Mittelbergferner geformt – den man heute von unten nicht mehr sieht.
©Halbhuber AxelWoher die Murmeltiere kommen
Meine Lieblingssage ist die vierte Sage, die seltsame Geschichte der Murmeltiere: Die Zwerge, die tief in der Erde lebten und noch nie Sonnenlicht gesehen hatten, erleuchteten ihr Reich mit glänzenden Edelsteinen. Trotzdem war es sehr kalt. Ein Besucher von weit oben erzählte ihnen, wie schön das Sonnenlicht sei, also entschied das Zwergenvolk, sich nach oben zu graben. Sie gruben und gruben, dabei wuchsen den Zwergen Krallen und ihre Kleider wurden zu Fell. Endlich sahen sie Licht, sie waren glücklich, doch ihre Gestalt hatte sich sehr verändert: Sie sahen jetzt aus wie Murmeltiere.
Der Weg ist rundherum mit Büschen, Bäumen und Blumen umgeben, man kann super Blumensträuße pflücken (an alle Blumenliebhaber). Die Sagen sind rechts auf Englisch und links auf Deutsch beschrieben. Man sieht ein paar Gletscher und die Berge (sehr schöner Ausblick!). Die Pitztaler Ache ist ein eher wilder Fluss mit dem Wasser vom Mittelbergferner, einem der größten Gletscher der Ötztaler Alpen.
Die Gletscherstube (hinter dem Wegweiser) ist eine gute Einkehr.
©Halbhuber AxelDer sonderliche Senn
Die erste Sage erzählt die Geschichte des wunderlichen Almsenn, einem alten Hirten, der komisch aussah und selten ins Dorf ging. Deswegen mochten ihn die Dorfbewohner nicht sehr. An einem Herbsttag sammelten zwei Geschwister Preiselbeeren für den Winter und bemerkten nicht, dass dunkle Wolken aufzogen. Als sie es sahen, war es schon zu spät, es zog ein heftiger Schneesturm auf, der kalte Wind zog durch ihre dünnen Jacken, sie riefen in der Nähe von der Hütte des Almsenn um Hilfe, er hörte sie und kam ihnen zu Hilfe. Er brachte sie in seine Hütte, setzte sie vors Feuer und kochte ihnen einen guten Schmarrn, die Kinder schliefen sehr schnell ein. Am nächsten Tag war es sonnig, die Kinder bedankten sich beim Hirten und gingen ins Dorf zurück. Die Bewohner freuten sich riesig, denn das Verschwinden der Kinder war schon fünf Monate her. Als die Eltern den Almsenn suchten, um sich zu bedanken, war die Hütte leer und er war für immer weg.“
Eine Informationstafel zum Pitztaler Sagenweg über den Schatz der Silbergrube steht vor einer bergigen Landschaft.
©Halbhuber Axel
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