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Reben, Ruhm und Renaissance: Kultur und Kulinarik in Dresden

Die Stadt an der Elbe hat eine lebendige Kultur- und Gastronomieszene zu bieten. Einer, der mit viel Herzblut dazu beiträgt, ist Winzer Karl Friedrich Aust.

„Ich denke, wir sind ein großer Feldversuch“, sagt Karl Friedrich Aust mit verschmitztem Lächeln. „Die Engel im Himmel haben uns das alles geschenkt und jetzt schauen sie, was wir draus machen.“

Viel haben der Winzer und seine Familie schon daraus gemacht. Der 47-Jährige, der eine Ähnlichkeit mit Starkomiker Otto Waalkes nicht verleugnen kann, steht am Fuße seines Weinberges in Radebeul bei Dresden und blickt hinauf auf den „Goldenen Wagen“. Dort, in seiner besten Weinlage, reifen jene Trauben, die dem Weingut Aust landesweit Anerkennung verschafft haben. In deutschen Top-Hotels werden heute Weine aus Radebeul kredenzt.

Zu Kopf gestiegen ist der Erfolg Karl Friedrich Aust nicht. Er strahlt Bescheidenheit und einen scheinbar unerschütterlichen Optimismus aus. „Das ist Euphorie. Unsere Tochter ist gerade zur Welt gekommen“, strahlt er auf Nachfrage. Vor dreißig Jahren hat er das Anwesen von seinem Vater geerbt – und seither an dessen Entwicklung gearbeitet. Erst unlängst wurde ein komplett neuer Weinkeller mit modernster Technik eingerichtet. „Der hält mir den Rücken frei. Um mir auch einmal ein paar Stunden Freizeit erkaufen zu können“, sagt er bei einem Rundgang. Nicht nur für seine junge Familie.

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©Jedlicka Stefan

Speisen im Gartensalon

Im historischen „Gartensalon“ empfängt er Gäste zu einem exquisiten Menü aus der Küche des Weingutes, das auch in der Weinstube genossen werden kann. Zwischen restaurierten Statuen verstorbener Tanten knistert das Feuer im Kamin, während Aust über Arbeit und Leben philosophiert. Die Probleme der deutschen Winzer? „Ich denke lieber an die positiven Dinge. Du wirst niemanden dazu bringen, deine Weine aus Mitleid zu kaufen – oder um den Winzern aus einer schwierigen Situation zu helfen.“ Im Gutsladen sind Austs Weine – und mehr – zu kaufen. Im selbst gepflanzten Garten blühen Blumen und Kräuter.

Das kulinarische Angebot Dresdens umfasst aber weit mehr als exquisite Weine aus Radebeul: Im Restaurant des Fünf-Stern-Hotels Gewandhaus zum Beispiel werden Steaks auf Top-Niveau serviert, Schmidts Restaurant auf dem Areal der weltbekannten Deutschen Werkstätten hat sich der Verarbeitung regionaler Spezialitäten verschrieben.

Die Fassade eines Hotels

Das Fünf-Stern-Hotel Gewandhaus Dresden, Autograph Collection, ist zentral gelegen und bietet hohes Niveau in Zimmern und Restaurant.

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Kämpferin für die Kultur

Ähnlich unerschütterlichen Optimismus und Tatendrang wie Karl Friedrich Aust verströmt Adina Rieckmann, Vorsitzende des Kunstvereins Dresden, wenn sie von der Kulturszene der Stadt erzählt. Mit rund fünfzig Museen hat Dresden für jeden Geschmack etwas zu bieten. Außerdem Klassiker wie die Semperoper, die nach Zerstörung im II. Weltkrieg neu aufgebaute Frauenkirche oder den in barockem Glanz erstrahlenden Zwinger, den Kurfürst August der Starke, beeindruckt von einem Besuch in Versailles, erbauen ließ. Das Residenzschloss beherbergt Kostbarkeiten wie das Grüne Gewölbe, die Rüstkammer und die Paraderäume Augusts des Starken. Der in Dresden allgegenwärtige Kurfürst zelebrierte absolutistische Prachtentfaltung und Selbstdarstellung.

Aber auch die zeitgenössische Kunstszene ist lebendig. Rieckmann hat ihren Anteil daran. Der Kunstverein hat sich der Förderung junger Kunstschaffender verschrieben. Nicht nur aus der Stadt. „Wir bringen internationale Künstler nach Dresden“, erzählt sie. Davon profitierte zuletzt der Wiener Tobias Iszo. Mit Skulpturen aus umgeformten Holzmöbeln – wie den legendären Thonet-Sesseln – gestaltete er eine Ausstellung für den Kunstverein.

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Studieren in der Papierwerkstatt

Vielversprechende Neuzugänge zur Kulturszene Dresdens gehen regelmäßig aus einer kulturellen Bastion hervor: Im historischen Herzen der Stadt gelegen, unweit der Brühlschen Terrasse, ist die 1764 gegründete Hochschule für Bildende Künste eine der traditionsreichsten Kunsthochschulen Europas. Zu den Namen, die hier lehrten oder lernten, gehören Gottfried Semper oder Ludwig Richter, Oskar Kokoschka und Otto Dix.

Früher oder später in deren Fußstapfen treten zu können, hofft unter anderem Lisa. Die gebürtige Russin ist eine von aktuell rund 550 Studierenden, hat ihre großformatigen, bunten Collagen bereits in Dresden ausgestellt. „Ich genieße hier die Freiheit, Ausdrucksformen für meine Kunst zu finden“, sagt sie.

Und die Hochschule hat auch einen nicht alltäglichen Schwerpunkt zu bieten: In der Papierwerkstatt werden unter der Leitung von Christiane Oertel innovative Druck- und Gestaltungstechniken erforscht.

Über Stefan Jedlicka

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