Pinzette und Lupe sind die wichtigsten Utensilien eines Philatelisten. Hier arbeitet der 18-jährige Daniel gerade an einem Ausstellungsstück.

© KURIER/Gilbert Novy

Sammelleidenschaft
06/12/2015

Ein Mann mit Markenbewusstsein

18 Jahre – und schon Philatelist: Daniel erzählt, was ihn an Briefmarken fasziniert.

von Sandra Lumetsberger

Sie sind so rar wie manch begehrte Briefmarke, aber es gibt sie noch: junge Menschen, die sich für Philatelie interessieren. Der 18-jährige Daniel ist so ein Exemplar. Da sitzt er und sucht mit seiner Pinzette akribisch nach besonderen Marken, die er nächste Woche auf einer Ausstellung in Tulln präsentieren möchte. In den drei Glasrahmen befinden sich pro Rahmen zwölf A4-Blätter, die er mit Briefmarken, Briefen und Belegen bestückt.

Eine Briefmarke mit Rosen und gezahnten Rändern, eine aus DDR-Zeiten, eine mit außergewöhnlichem Stempel. Es sind viele Marken, die auf seinem Schreibtisch liegen – vor allem solche mit Blumen, Blüten- und Pflanzenmotiven. Das Thema "Garten" hat der 18-Jährige selbst gewählt. Er gärtnert gerne mit seinem Großvater, genauso wie er mit ihm Briefmarken sammelt. "Die ersten Marken habe ich vom Opa bekommen. Ich war sieben Jahre als er begann, mir alles zu erklären und zu zeigen. Nach der Schule bin ich immer zu ihm rüber, das verbindet uns bis heute."

Nachwuchs

Damit das Hobby künftig weitergeführt wird, bemüht sich Sybille Pudek um den Nachwuchs. Sie ist Jugendreferentin beim "Verband Österreichischer Philatelistenvereine" und versucht, Schüler für Briefmarken zu begeistern. Etwa 2.000 Kinder sammeln und tauschen bereits im Zuge der VÖPh-Projekte. Österreichweit gibt es geschätzte 700 Jugendliche, die sich in Vereinen engagieren. "Jede Marke erzählt eine Geschichte, das gefällt auch den Jüngsten", sagt Pudek. Sie weiß aber, dass die Freude an bunten Bildern nicht ausreicht, damit Kinder später weitermachen: "Man braucht jemanden, der diese Leidenschaft unterstützt, sich dafür interessiert und das Hintergrundwissen hat." Ohne Opa hätte er nicht zu sammeln begonnen, meint Daniel. "Wenn Kinder sammeln, aber niemanden haben, der das fördert, landet das Album in der Ecke."
Was ihn an seinem Hobby fasziniert? "Ich lerne dadurch etwas – Themen, die man sonst nur oberflächlich behandelt. Das trägt zur Allgemeinbildung bei." Genau das unterscheidet einfaches Sammeln von der Philatelie: "Ein Sammler bestellt Marken im Abo, steckt sie ins Album und legt es ins Regal. Ein Philatelist interessiert sich für die Hintergründe und Geschichte von Marken, Briefen und Stempeln", sagt Pudek. Die wichtigsten Werkzeuge: Lupe und Pinzette. "Man fasst Briefmarken nicht mit den Fingern an." Und so zupft Daniel die Marken vorsichtig aus der Folie. Sybille Pudek hilft ihm dabei, sie sortieren und wählen aus. Beim Ausstellungsbewerb nächste Woche geht es um mehr als die Ehre. "Wenn ich in meiner Altersklasse Gold gewinne, darf ich international ausstellen", sagt der Schüler. Dennoch wirkt der 18-Jährige gelassen, das unterscheidet ihn von Älteren, meint die Jugendreferentin: "Manche Erwachsene nehmen Platzierungen und Ergebnisse viel zu ernst."
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