Leben
13.08.2018

Orca-Mutter trennt sich von seinem toten Jungen

17 Tage lang trug sie den leblosen Nachwuchs mit sich durch das Meer - frühzeitige Orca-Tode sind keine Seltenheit.

Es sind herzzerreißende Bilder, die seit über zwei Wochen im Internet kursieren. Sie stammen aus den Gewässern am nördlichsten Zipfel der US-Westküste. Eine trauernde Orca-Mutter stupste hier ihr totes Junges unermüdlich mit der Nase vor sich hin, um es vor dem Versinken zu bewahren. In 17 Tage trug sie das leblose Tier über 1600 Kilometer weit durch das Meer. Das Junge sei bereits kurz nach der Geburt verstorben, teilten Forscher vom Center for Whale research in der US-Stadt Friday Harbor mit. Über zwei Wochen lang hatten die Wissenschaftler den Leidensweg der Schwertwal-Mutter mitverfolgt. Nun trennte sich die Orca-Dame, die von ihnen den Namen " J35" erhalten hatte, von ihrem Jungen. Es wird vermutet, dass das Orca-Baby im Meer versunken sei. Daher könne es auch nicht mehr von den Forschern untersucht werden.

Trauerreise ist nun vorbei

„Ihre Trauerreise ist nun vorbei und ihr Verhalten ist auffallend munter“, teilten die Walforscher mit. Auch körperlich sei der Wal in guter Verfassung. Das Tier hat sich nun offenbar von seiner Trauerzeit erholt, und wurde bereits mit anderen Artgenossen bei der Lachsjagd gesichtet. Das Verhalten der Mutter sei nichts Ungewöhnliches, meinten die Forscher. Die Muttertiere hätten eine sehr enge Beziehung zu ihren Jungen und so komme es öfter vor, dass sie ihren toten Nachwuchs mit sich tragen. Viele Orca-Mütter trennen sich bis zu einer Woche lang nicht von dem toten Kalb.

Orca-Population ist in Gefahr

Die Wissenschaftler machen auch auf die Probleme der lokalen Orca-Population aufmerksam. Besonders an diesem Küstenabschnitt im kanadischen British Columbia seien die Schwertwale stark gefährdet. In den vergangenen drei Jahren seien 100 Prozent der Schwangerschaften in dieser Population gescheitert, weil die Wale nicht genügend Nahrung hätten. Die Hauptnahrungsquelle der Wale, nämlich Chinook-Lachse, sind ebenso wie die Orcas in Gefahr.