Die Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel

© dpa/Kay Nietfeld

Wissenschaft
09/10/2014

So wird Österreich nobelpreiswürdig

Was es braucht, damit Wissenschaftler in der Top-Liga der Forschung mitspielen können.

von Sandra Lumetsberger

Sieht man von den Nobelpreisträgern österreichischer Herkunft ab, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden – wie zuletzt Martin Karplus (Chemie-Nobelpreis 2013) –, muss man schon einige Jahrzehnte zurückgehen, um auf Österreicher zu stoßen, die für ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse die höchste Auszeichnung erhielten: Konrad Lorenz und Karl von Frisch (Medizin, 1973) sowie Friedrich August von Hayek (Wirtschaftswissenschaften,1974).

Über das, was es braucht, damit es wieder einen Nobelpreisträger aus Österreich gibt, diskutierte eine Runde von Fachleuten in Wien, der auch der MolekularbiologeJosef Penningerangehörte, beim Science Talk des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. "Damit wir über einen nächsten Nobelpreisträger reden können, müssen zunächst Strukturen geschaffen werden", sagt Penninger und erläutert den Weg dorthin: Zunächst brauche es eine Vision und Positionierung. "Wo wollen wir hin und wie können wir was erreichen. Es sollte nicht nur in den ersten Zeilen der Regierungserklärung stehen, dass Forschung und Innovation wichtig sind. Es sollte eine klare Positionierung geben, dass man drei, vier Unis unter den Top 100 haben will. Solange es keine konkrete Vision gibt, können wir genauso gut ins Kaffeehaus gehen."

Da wären naturgemäß zusätzliche Mittel für die spannendsten Forschungsvorhaben nötig. "Es braucht eine massive Injektion an Geld und das müsste kompetitiver verteilt werden." Auch der Wissenschaftsfonds FWF sollte deutlich mehr finanzielle Mittel bekommen. Eine weitere Möglichkeit: Unternehmen, die an Universitäten oder Institute spenden wollen, sollen dies von den Steuern absetzen können. "Bekomme ich als Forscher keinen Grant (finanziellen Zuschuss, Anm.) kann ich alleine in New York bei etwa 100 privaten Organisationen, um Geld ansuchen, um Multiple Sklerose oder Krebs zu erforschen. Wenn reiche Österreicher in die Forschung investieren wollen, sollten sie ihren Beitrag auch absetzen können. Ein Bekannter hat kürzlich 350 Mio. US-Dollar an Harvard gespendet – ich wette, er kann das absetzen." Ein Thema, mit dem sich das Ministerium bei einer Enquete im Oktober auseinandersetzen wird. "Mit dem Ziel, dass erste Änderungen folgen", sagt Barbara Wittgruber, Leiterin der Sektion Wissenschaftliche Forschung.

Spielplatz für Forscher

Fußballfan Penninger kommt nicht um einen Vergleich herum: "Wie schafft man es, dass wir der FC Barcelona der Forschung werden? Ganz einfach, wir holen uns die besten Talente aus der ganzen Welt, heißen sie willkommen und tun alles, damit sie hierbleiben." Dafür brauche es flache Hierarchien: "Wenn die Jungen etwas erforschen, soll es auch ihr eigener glory sein." Diese Kultur von Forschung funktioniert vor allem in Amerika, so Penninger, der selbst 13 Jahre in Kanada forschte. "Die große Universitäten dort haben viel Freiheit, Geld und ziehen die besten Leute an. Das spüren auch die Firmen. Wo ist Silicon Valley entstanden? Natürlich um Stanford - gute Ideen, gute Leute."

Das von Penninger geleitete Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) beschreibt er als "Spielwiese für Jungforscher", auf dem sie sich entfalten könnten. "Sie haben völlige Freiheit, sollen dahinspielen, miteinander reden, in die Cafeteria gehen, sich anfetzen – da entsteht was." So hat etwa einer seiner Studenten das Paradigma der Biologie gebrochen, als er eine Mausstammzelle mit nur einem Chromosomensatz gezogen hat. "Wir können jetzt Dinge tun, die vorher unmöglich waren." Und: "Noch nie war die Biologie so spannend wie heute. Wer heute kein Biologe werden will, ist selber schuld."

Allerdings ist das Berufsbild des Forschers generell in der breiten Öffentlichkeiten eher unbekannt, kritisiert die Mathematikerin Veronika Schöpf vom Institut für Psychologie an der Universität Graz. Daniela Pollak vom Institut für Neurophysiologie und Neuropharmakologie an der Medizinischen Universität Wien berichtet, dass sie mit weißem Kittel oft als "Schwester" angesprochen wurde. "Niemand kam auf die Idee, dass eine junge, zierliche Frau mit weißem Mantel eine Forscherin ist. Und wenn es den wenigen bzw. auch denen mit viel Geld kein Begriff ist, wozu sollten sie es dann auch ausgeben? Der Beruf ist vielen fremd." Zudem kritisiert sie, dass es zu wenig internationale Professoren gibt: "Es wäre wichtig mehr Forscher herzuholen, leider wird es ihnen der Weg hierher sehr schwer gemacht." Es sei ja auch möglich Sänger oder Sportler herzuholen, so Pollak.

Exzellente Infrastruktur

Einer, der sich trotz mancher Hürden für eine Forschungsstelle in Österreich bewarb, ist Ulrich Technau. Der Entwicklungsbiologe aus Deutschland hätte auch ein Angebot in München gehabt, hat sich aber für Wien entschieden, weil sich hier die Möglichkeit bot, eine ganze Arbeitsgruppe aufzubauen. Er sieht trotzdem Verbesserungsbedarf: "Wer exzellente Leute will, muss auch für eine exzellente Infrastruktur sorgen - vom Hausmeister bis zum Techniker", stellte Technau, fest. Beim Einrichten eines Labors müsse man derzeit um jede Steckdose streiten: "Ich werde hier schön langsam zum Bauingenieur." Auf die Kritikpunkte angesprochen, meinte Barbara Weitgruber, dass man sowohl bei bürokratischen Hürden als auch bei der "Willkommenskultur" für ausländische Wissenschaftler Verbesserungsbedarf sieht und an einer Lösung arbeiten wird. Einige Unis würden auch bereits auf Englisch als Arbeitssprache umstellen.

Bis aber wieder ein Österreicher den Nobelpreis gewinnt, ist es noch ein weiter Weg, so Penninger. "Ich kenne viele dieser Leute, bin einer der wenigen Österreicher, die Vorschlagsrecht haben. Ich weiß, was im Hintergrund passiert." Falls es doch einmal passieren sollte, dann "würde es das Land massiv nach vorne bringen". Man profitiert davon, weil es das Land als Forschungsstandort aufwertet. "Die Leute wissen, da ist ein Platz, wenn ich dort hingehe, kann ich von den guten Leuten profitieren. Und wenn man einen Nucleus von vier, fünf tollen Menschen hat, dann passiert was Magisches."

Einen Tipp hat ihm ein Nobelpreisträger, der wie fast alle erst im hohen Alter geehrt wurde, schon mal zur Sicherheit gegeben: "Viel Sport machen, weil man so die anderen alle überlebt."

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