Eine tiefe Stimme schafft Vertrauen

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Foto: /maurusone/iStockphoto  

Warum das Timbre von Frauen immer dunkler wird – und was Merkel damit zu tun hat.

Nicht die Augen sind die Spiegel der Seele – es ist unsere Stimme. Sie sagt weitaus mehr über unsere Gedanken und Gefühle aus als unser Äußeres. Kein Wunder also, dass die menschliche Stimme für die Wissenschaft immer interessanter wird. So wie für die US-amerikanischen Forscher, die wissen wollten, ob und wie sich ein tiefes Timbre auf das Gegenüber auswirkt.

Tiefer Bass

Gute Nachricht für Männer mit einer Bassstimme: Frauen reicht ein Wort – und sofort sind sie felsenfest davon überzeugt, dass ihr Gegenüber ein attraktiver Herr ist. Dazu müssen ihn die Damen nicht einmal gesehen haben. Doch nicht nur auf Frauen macht der tiefe Bass großen Eindruck. Männern imponiert es noch weitaus mehr, wenn sie eine dunkle maskuline Stimme vernehmen, weil sie das mit Dominanz verbinden. Das zeigt sich nicht nur in ihrem Timbre – auch der Testosteron- und Cortisolspiegel ändert sich. Herausgefunden haben das die Forscher rund um David Puts von der Pennsylvania State University anhand eines Experiments mit 258 Frauen und 175 Männern – alle Probanden waren heterosexuell.

Beschützerinstinkt

Ganz anders wurden Frauen-Stimmen bewertet. Bei ihnen machte es keinen Unterschied, in welcher Tonlage sie sprechen – ein Indiz dafür, dass die Emanzipation der Frau weiter fortgeschritten ist. Denn vor einigen Jahren war das noch anders. Da fühlten sich Männern von hohen Stimmen angezogen. Wenn sich das "starke Geschlecht" heute in Piepslaute verliebt, sucht er eine Frau, die er beschützen kann. Umgekehrt signalisieren Frauen, die hoch und schrill sprechen, dass sie einen starken Mann und Versorger wollen. Doch in der westlichen Welt bilden diese Frauen mittlerweile die Ausnahme. In den vergangenen Jahrzehnten wurden ihre Stimmen nämlich im Schnitt um eine Terz niedriger. Am tiefsten sprechen übrigens Niederländerinnen – durchschnittlich 191 Hertz.

Dass sonore Stimmen Macht demonstrieren, ist wohl ein Grund, warum sich einst die britische Premierministerin Margaret Thatcher durch hartes Training eine tiefere Stimme angeeignet hat. Zu Beginn ihrer Karriere musste sie sich von Parteikollegen nämlich immer wieder sagen lassen, dass sie durch ihre "Heulsusen-Stimme" die Wähler vertreiben würde. Am Ende redete sie eine ganze Oktave tiefer. Doch nicht nur Thatcher veränderte sich: Wer sich alte Aufnahmen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel anhört, wird schnell feststellen, dass ihr Timbre heute dunkler ist. Was auch damit zu tun hat, dass weibliche Stimmen im Alter tiefer werden – ganz im Gegensatz zu den Männern. Dass eine tiefe Stimme zumindest bei Männern die Wahlchancen erhöht, zeigte bereits der kanadische Psychologe David Feinberg.

Was angenehm klingt

Weil eine angenehme Stimme in unserer kommunikativen Welt ein großer entscheidender Erfolgsfaktor im Beruf und im Privatleben wurde, gibt es mittlerweile viele Stimmtrainer. Eine von ihnen ist Doris Meixner, die Menschen dabei unterstützt, ihre Auftritte zu verbessern. Es sind vor allem "Vielsprecher", die zu ihr kommen: Lehrer, Verkäufer, Firmenchefs oder Vieltelefonierer. Und dann natürlich Menschen, deren Hauptwerkzeug im Beruf die Stimme ist, wie Sprecher oder Autoren, die Lesungen halten.

Für Meixner ist Sprechtraining gleichzeitig auch immer Persönlichkeitsentwicklung: "Da sind die Übergänge fließend", sagt sie. Denn was wir sind und wie wir reden, hängt eng zusammen. Das macht sich zunehmend auch die medizinische Forschung zunutze. In Berlin taten sich ein Psychiater und ein Mathematiker zusammen, um eine Computersoftware zu entwickeln, die bei der Diagnose von ADHS und Depressionen eingesetzt wird. Weil die Sprechmelodie bei Depressiven deutlich monotoner ist, ist sie ein Indiz für die Stärke der Erkrankung.

Den Mund öffnen

Es muss ja nicht immer gleich eine handfeste Depression sein. Manche Menschen sind einfach nur schüchtern. Doris Meixner  hatte eine Kundin, die ihr Leid geklagt hat: „Sie hat leise gesprochen und den Mund kaum geöffnet. Sie hatte das Gefühl, dass sie nicht wahrgenommen wird. So wurde sie natürlich in ihrem Job zu wenig  gehört.“ Die Stimmtrainerin machte einige Übungen mit ihr, sodass sie lernte, resonanzreich zu reden  und ihren Mund weiter zu öffnen. „Zuerst war diese Frau selbst überrascht, wie sehr sie sich anders anhörte. Später überraschte sie  ihre Kollegen und Chefin.“

Doch was macht eine Stimme angenehm? "Sie ist klar, warm, dunkel, melodiös und sowohl im Tempo als auch in der Intensität wohldosiert. Die Sprechweise muss abwechselnd lebendig und entspannt sein. Wer angenehm redet, kann seine Botschaft besser transportieren", sagt Meixner. Wer immer nur schnell redet, mutet seinen Zuhörern viel zu. "Das ist anstrengend und das Publikum schaltet ab." Wer hingegen langsam spricht, schläfert sein Gegenüber ein.

Was bei Zuhörern nicht gut ankommt? "Wenn jemand mit gepresster Stimme spricht. Das ist für den anderen nicht nur unangenehm. Der Sprecher schadet damit auch seiner Stimme. Auch wer den Mund zu wenig öffnet und falsch atmet, kommt schlechter an."

Mitarbeit: Esali Eteme

(kurier) Erstellt am
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