© Georgine Szipl/Uni Wien

Tierkommunikation
04/23/2014

Was Kolkraben mit den "Sopranos" zu tun haben

Raben sind klug, das ist bekannt. Forscher konnten nun auch noch zeigen, dass die Vögel die Beziehungen anderer Artgenossen verstehen.

Tony Blundetto macht sich über Tony Soprano lustig? Jeder, der die populäre TV-Serie „Die Sopranos“ kennt, registriert sofort: Da kann was nicht stimmen, die Rangordnung ist durcheinander geraten. Verständnis für die Beziehungen, die andere Gruppenmitglieder untereinander haben – diese Fähigkeit wurde bisher nur Primaten zugeschrieben. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch Raben das können“, sagt der Kognitionsbiologe Jorg Massen. Er und sein Wissenschaftlerteam von der Universität Wien haben in der Forschungsstation Haidlhof bei Bad Vöslau getestet, ob Kolkraben verstehen, wie die Beziehungen von Mitgliedern von Gruppen, denen sie selbst nicht angehören, gestaltet sind und die Ergebnisse im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht.

Für die Studie haben die Verhaltensforscher den Vögeln Tonaufnahmen anderer Raben vorgespielt, die in der Forschungsstation bereits über ein Jahr hinweg im jeweils angrenzenden Gehege in Hör- und Sichtweite untergebracht waren. Da Kolkraben strikte Dominanzhierarchien bilden, kommt das auch in den Auseinandersetzungen zwischen ihnen zum Ausdruck. In den Aufnahmen interagierten zwei Nachbar-Raben entweder so miteinander, wie es aufgrund der Rangordnung in ihrer Gruppe zu erwarten war. Oder die Versuchstiere bekamen Unterhaltungen zu hören, in denen die hierarchischen Verhältnisse umgedreht waren, indem ein niederrangigeres plötzlich ein höherrangiges Tier dominiert. Es zeigte sich, dass die Raben auf diese Rollenumkehrung mit verstärktem Erkundungs- und Stressverhalten reagierten. Die überraschten Tiere drehten ihre Köpfe öfters, schüttelten sich häufiger, was darauf schließen lasse, dass ihre Erwartung an die Dominanzverhältnisse erschüttert wurden. Daraus schließen die Wissenschafter, dass Raben auf die Beziehungsstrukturen von Artgenossen rein auf der Basis von Beobachtungen schließen können.

Es handle sich hier um den ersten experimentellen Nachweis von tatsächlichen „mentalen Repräsentationen“ von Beziehungen bei Tieren, wie es im Wissenschaftler-Sprech heißt. Darunter versteht man, dass die Raben sich selbst und ihre eigenen Erfahrungen nicht als Referenz heranziehen können. Die Vögel können das Wissen über die Hierarchien unter ihren Nachbarn also nicht aus einer egozentrischen Perspektive heraus in jeder Situation neu ableiten. „Sie müssen wirklich eine Idee über die andere Gruppe und die Beziehungen in der Gruppe haben“, sagt Massen.
Von Menschenaffen nehme man zwar an, dass sie dazu auch fähig sind, ein direkter experimenteller Nachweis sei allerdings schwierig und wurde auch noch nicht erbracht. Kognitionsbiologe Massen: „Was wir hier gemacht haben, war wirklich etwas Neues“.

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