Leben 29.12.2011

Neue Strategie gegen Internet-Terror

Gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft entwickelt das Innenministerium eine Cyber-Strategie.

Verbrecher suchen im Internet nach Opfern, Staatsterroristen legen damit ganze Länder lahm. Nach langen Diskussionen, wer in Österreich für die Gefahrenabwehr zuständig sei, hat nun Innenministerin Johanna Mikl-Leitner den ersten Schritt gesetzt. Gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft soll eine Cyber-Strategie für Österreich entwickelt werden. Mikl-Leitner ortet im Internet "ungeahnte Bedrohungen und neue, moderne Waffen“.

Einige Gefahren, die vom Netz ausgehen, sind nicht ganz neu. So ist etwa bekannt, dass Einbrecher via Facebook ausspionieren, wer gerade auf Urlaub und wessen Haus deshalb leer ist. Und in Estland konnten Cyber-Terroristen Teile des öffentlichen Lebens lahmlegen.

Die einzelnen Staaten setzen auf unterschiedliche Abwehrmaßnahmen. Die USA etwa planen ein riesiges digitales Verteidigungsamt. Die NATO richtet eigene Cyber-Defence-Zentren ein. Auch die deutsche Bundeswehr und das österreichische Bundesheer wälzen Pläne. Zuletzt kündigte Verteidigungsminister Norbert Darabos 1600 Cyber-Soldaten an. Diese werden angesichts der Budget-Entwicklung aber virtuelle Realität bleiben.

Vernetzung

Mikl-Leitner will kein neues Amt, sondern sie setzt auf die Vernetzung von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft. Das Innenministerium hat ein Cyber-Kompetenzzentrum mit 300 Internetpolizisten geschaffen, die aus
dem Bundeskriminalamt, vom Verfassungsschutz und vom Bundesamt für Korruptionsbekämpfung kommen. Auch auf jeder Polizeiinspektion soll es künftig Cyber-Spezialisten geben – als direkte Ansprechpartner für die Bürger.

Die Koordinierungsrolle fällt dem Kuratorium Sicheres Österreich (KSÖ) zu. Dessen Präsident ist Raiffeisen-General Erwin Hameseder. Er holte die Generaldirektoren der wichtigsten österreichischen Unternehmen sowie die Wirtschaftskammer und auch die Industriellenvereinigung ins Boot. Die Wirtschaft, so Hameseder, müsse unbedingt mitziehen. Derzeit wenden die Unternehmen nur etwa 20 Prozent ihrer IT-Budgets für Sicherheitsmaßnahmen auf. Künftig werde es unter 30 Prozent nicht mehr gehen.

Sicherheitsübungen

Als Partner wurde auch der international renommierte Strategie-Experte Karl Rose gewonnen. Ab Jänner sind Workshops des KSÖ geplant. Im April soll eine Cyber-Risikomatrix mit allen Bedrohungsszenarien fertig sein. Am 28. Juni findet der KSÖ-Sicherheitskongress statt. Anschließend wird es Cyber-Security-Planspiele und nationale Sicherheitsübungen geben. Hameseder: "Ziel ist es, jedem Bürger zu vermitteln, dass er auch in der schlimmsten Krise noch mit Wasser, Energie und Lebensmitteln versorgt wird.“

( Kurier ) Erstellt am 29.12.2011