Leben 27.01.2015

AK-Studie: Plätze in Ganztagsschulen sind rar

Nur jede dritte Vollzeit arbeitende Mutter kann ihr Kind in eine schulischen Nachmittagsbetreuung geben. © Bild: dapd/Mario Vedder

Sozial Schwache können sich die ganztägige Betreuung nicht leisten.

Zum Glück gibt’s die Oma. Denn ohne sie könnten viele Eltern ihren Beruf nicht ausüben. Das zeigt eine von der Arbeiterkammer (AK) in Auftrag gegebene Untersuchung. Demnach hat nur jede dritte Vollzeit arbeitende Mutter ihr Kind in einer schulischen Nachmittagsbetreuung (siehe Grafik).

Um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können, fordert AK-Präsident Rudolf Kaske – wieder einmal – den Ausbau der Ganztagsschulen: "Lernen soll in der Schule stattfinden", wünscht er sich. "Für Eltern bedeutet es Stress, sich nach der Arbeit noch um Hausübungen kümmern zu müsse." Bei der Suche nach einer guten Betreuung gehe es Eltern vor allem um Qualität. Doch daran hapere es oft: "Freizeitpädagogen dürfen z. B. Schülern nicht bei Hausübungen helfen. Da braucht es rechtliche Änderungen."

Wichtig seien den Eltern auch die Öffnungszeiten sowie die Erreichbarkeit der Nachmittagsbetreuung. Besonders schlecht sei es um jene in ländlichen Regionen bestellt. "Hier würde die Aufhebung der Sprengelpflicht für Ganztagsschulen die Situation verbessern", glaubt Kaske. Und: "Der Bund sollte den Ausbau direkt mit den Gemeinden und nicht wie derzeit mit den Ländern abwickeln."

Kein Geld, kein Essen

Die Nachmittagsbetreuung kann ein großes Loch ins Familienbudget reißen. Deshalb fordert die AK eine Staffelung der Beiträge. Doch trotz Staffelung können oder wollen sich manche die Betreuung nicht leisten, wie das Beispiel Wien zeigt. Dort berichten Direktoren von Ganztagsschulen, dass sie "Schüler vom Essen ausschließen müssen, wenn Eltern nicht bezahlen". Schlimmer noch: "Sind Eltern drei Monate im Rückstand, muss das Kind von der Ganztagsschule ab- und in einer Halbtagsschule angemeldet werden." Für Stephan Maresch, Pflichtschullehrergewerkschafter in Wien, "ein unbefriedigender Zustand. Zumal die Aufgabe, die Eltern über die Umschreibung zu informieren, an den Direktoren hängen bleibt". Bei der Stadt Wien sieht man sich in einem Dilemma: "Es wäre ein schlechtes Signal für andere, wenn wir nicht auf Bezahlung bestehen würden."

xyz
Erstellt am 27.01.2015