Fett, faul, kurzatmig – die Vorurteile stammen aus dem Biedermeier. Der moderne Mops ist eine Sportskanone

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Tiercoach
09/18/2013

Statement für Städter

Die kurzschnäuzige, bullige Rasse erfreut sich großer Beliebtheit. Zu Recht: Der handliche Hund ist ausgeglichen, pflegeleicht und witzig

von Hedwig Derka

Als unser Mops ein Möpschen war, lebte er in China und war Prestigeobjekt von Reich und Nobel und des Kaisers Eunuchen. Mit Schiffen der East Indian Company und über die Seidenstraße gelangte die exotische Rarität an den Zarenhof und ins niederländische Königshaus. Später unterhielt der vierbeinige Clown die Italiener – kostümiert an der Seite von Arlecchino. In Frankreich teilte er nackt Tisch und Bett mit Napoleon und Josephine. Im Biedermeier erfreute er einsame Fräulein. Dabei wurde er fett und faul – zwei Vorurteile, die die Rasse neben der Kurzatmigkeit lange begleiteten. Bis Hollywood auf den Mops kam.

Der handliche Hund hat es den Stars und Sternchen angetan. Schauspielerin Jessica Alba zeigt sich gerne mit Sid und Nancy, Kollege Gerard Butler lässt sich mit seiner Lolita fotografieren, Tori Spelling posiert mit Mimi LaRue, auch Eva Longoria und Mickey Rourke tragen Mops. Der Gesellschaftstiger steht nun auch hierzulande hoch im Kurs.

„Der Mops wurde seit jeher als Begleithund gezüchtet. Das Augenmerk wurde immer auf die umgänglichen Charaktereigenschaften und das herzige, drollige Aussehen mit Kindchenschema und Ringelschwanz gelegt“, sagt Katharina Reitl aus der Tierärztlichen Ordination Tiergarten Schönbrunn. Die Expertin aus dem KURIER-Tiercoach-Team erklärt, warum der kurzschnäuzige, bullige, kleine Hund derzeit so populär ist, und was die Rasse ausmacht.

Faszination

„Viel Charme, Würde und Intelligenz. Ausgeglichen, fröhlich und lebhaft“, so beschreibt die Weltorganisation der Kynologie FCI den „Standard“-Mops. „Er ist lustig, treu, anpassungsfähig und kann auch sehr sportlich sein“, schwärmt Christoph Gruber von der Interessensgemeinschaft Mops Österreich. Ohne Zweifel, die Minidogge hat ihre Vorzüge: „In der Stadt gibt es eindeutig einen Trend zu kleinen Hunden. Der Mops ist noch dazu ein wirklicher Kumpel. Kein bisschen aggressiv. Weder laut noch bissig“, weiß der Zoodoc aus der Praxis.

Die Tierärztin kennt aber ebenso die Schattenseiten der selektiven Zucht: „Durch die kurze Schnauze sind Atemprobleme und das Schnarchen rassetypisch.“ Bei Tieren mit ausgeprägten Merkmalen müssen die Nasenflügel operativ weitergestellt und das Gaumensegel gekürzt werden. Auch Herzprobleme treten beim Mops häufiger auf als bei anderen Rassen. Eine gefährliche Gehirnhautentzündung ist zwar selten, heißt aber mit Grund Mops-Enzephalitis. In extremen Gesichtsfalten kommt es oft zu Hautentzündungen. Die kurze Schnauze führt mitunter zu Zahnfehlstellungen und sorgt für Zahnstein. Die vorstehenden Augen neigen dazu, trocken zu sein, Lidveränderungen beeinträchtigen die Tiere. Für Verdauungsprobleme bietet die Futtermittelindustrie spezielle Mops-Nahrung an. „Bis auf Kopf und Herz ist der Mops ein sehr gesunder, robuster, stämmiger Hund, der sehr alt werden kann“, fasst Reitl zusammen. Qualzuchten sind freilich verboten.

Zucht

„Leider wird wegen des Booms auf Teufel komm raus gezüchtet. Vermehrer aus dem Osten bieten Welpen um 150 Euro an, die nicht fertig entwickelt und kaum sozialisiert sind“, kritisiert Herbert Hallwirth. Der Präsident des Österreichischen Mops Clubs hält nichts von Überzüchtung. Er findet den Rassehund in Reinkultur am schönsten. Das Einkreuzen von anderen Schnauzen und Farben „schaut scheußlich aus“. Auch Tiere nach strengem FCI-Standard können gesund sein. Hallwirth: „Unsere Hunde haben keine Atemprobleme.“ Weder bei Hitze noch bei Aufregung.

Fest steht für alle Freunde der Vierbeiner: Der Mops ist mehr als ein Hund. KURIER-Tiercoach-Expertin Reitl: „Er ist ein Freund. Ein Statement.“

Ratgeber und Schmunzelgeschichten

Wissen: Mops Österreich, die nach eigenen Angaben „größte Mopscommunity im Land“ empfiehlt den Freunden der witzigen Vierbeiner informativen Lesestoff:

Katharina von der Leyen, Envert Hirsch: „Der Mops. Ein Wunder der Natur.“ Knesebeck, 191 S., 39,95 €.

Inge Weßling: „Mops: Auswahl, Haltung, Erziehung, Beschäftigung.“ Franckh Kosmos, 128 S., 14,99 €.

Annette Schmitt, Helga Schukat: „Mops.“ Premium Ratgeber. beide bei Ulmer, 128 S., 19,90 €.

Unterhaltung: Nicht nur Vicco von Bülow alias Loriot fand Gefallen an Möpsen, die „mit Hunden nicht zu vergleichen (sind). Sie vereinigen die Vorzüge von Kindern, Katzen, Fröschen und Mäusen“. Auch Ernst Jandl ließ den Vierbeiner tanzen – in „ottos mops.“ (z. B. illustriert von Norman Junge, Tulipan, 36 Seiten, 14,95 €.) Ebenso unterhaltsam Wilhelm Buschs „Plisch und Plum.“ (z. B. erzählt von W. Kerner auf youtube. com/watch?v=zkOzaNFSK2w)

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