Leben
31.05.2018

Menschen erzählen, wie sie rauchlos glücklich wurden

Bessere Küsse, Freiheitsgefühle und ein gutes Gewissen – Motive, der Tschick Ciao zu sagen.

Österreich ist auf dem besten Weg, Europameister zu werden. Leider nicht im Fußball, sondern beim Rauchen. 1,8 Millionen Menschen greifen täglich zur Zigarette – das ist Platz vier in Europa. Und jeder fünfte Jugendliche raucht hierzulande – da sind wir schon auf Platz 1.

Kein Grund zum Feiern also am heutigen Weltnichtrauchertag. Und die Entscheidung der Regierung, das Nichtrauchergesetz in Lokalen zurückzunehmen, wird die Situation auch nicht gerade verbessern. Denn generelle Rauchverbote in der Gastronomie können Leben retten – die Österreichische Krebshilfe wird nicht müde, das zu betonen. „Insbesondere Jugendliche würden dabei geschützt“, erklärt Präsident Paul Sevelda. „Denn sie beginnen mit dem Rauchen nicht zu Hause, sondern bei ihren sozialen Kontakten, bei Freunden beim Fortgehen.“

Sevelda ist Mitinitiator des Nichtrauchervolksbegehrens, das vom 1. bis 8. Oktober 2018 unterzeichnet werden kann. „Wir hoffen auf insgesamt eine Million Unterstützer und eine anschließende Volksabstimmung.“

Sicher, so gut wie jeder Raucher und jede Raucherin weiß, wie schädlich die tägliche Zigarette ist. Nicht nur die Lunge wird geschädigt. Der Qualm kann den Ausbruch vieler Krankheiten begünstigen oder verstärken. So sind Rauchen und Passivrauchen für rund zwölf Prozent aller Herzerkrankungen verantwortlich. Auch das Risiko, an Rheuma zu erkranken, wird so erhöht und die Krankheit schreitet rascher voran. Und wer an Prostatakrebs erkrankt, hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, daran zu sterben. Das alles wissen Raucher.

Dennoch fällt ihnen der Schritt, aufzuhören, schwer. Kampagnen oder Unterstützungsmaßnahmen wie das Rauchfreitelefon (www.rauchfrei.at) helfen zwar. Allerdings: Den einen Weg, sich von der Sucht zu lösen, gibt es nicht. Den muss jeder für sich selbst finden.

Der KURIER hat deshalb ehemalige Raucher gefragt, was sie zu dem Schritt veranlasst hat, die letzte Tschick auszudämpfen. Wie haben sie es geschafft? Und wie geht es ihnen heute damit? Eine qualmfreie Lektüre.

Christian D.

 „Die stärkste Triebfeder  war die andauernde, schwelende Befürchtung, Folgeschäden davonzutragen. Nach über zwanzig Jahren Rauchen wurde die innere Stimme immer lauter. Die wollte ich nicht länger ignorieren. Mittlerweile habe ich schon zum zweiten Mal aufgehört. Man bleibt wohl immer ein Ex-Raucher. Nach  einem Jahr  Abstinenz spielt das Rauchen kein Thema mehr in meinem Leben – lediglich, wenn ich Alkohol getrunken habe oder in Gesellschaft von vielen Rauchern bin, kommt das Verlangen zurück.“

Gerlinde H.  

„Mit 14 Jahren habe ich begonnen,  weil ich zu den Coolen  gehören wollte. 20 Jahre Raucherinnendasein – mehr als 6000 Packerln Zigaretten! Eines Tages ging ich durch die Drehtür eines Einkaufszentrums, wo aus dem Café Zigarettenrauch zu mir wehte. Widerlich! Ich konnte gerade noch verhindern, dass ich mich an die Glastür übergab. So wusste ich, dass ich schwanger war. Der Gedanke an eine Zigarette brachte mich zum Würgen. Das war’s dann, auch wenn mir die Rituale und die soziale Komponente immer noch abgehen.“

Vasilis P. 

„Meine erste Zigarette habe ich mit 35 geraucht. Mir war bewusst, was ich meiner Gesundheit antue, auch wenn das Thema damals weniger präsent war als heute. Mit Mitte Sechzig bin ich auf die E-Zigarette umgestiegen. Endgültig aufgehört habe ich heuer, weil bei mir eine Arterienerweiterung in der Aorta festgestellt wurde. Mein Arzt riet mir, auf die E-Zigarette zu verzichten. Für mich war wichtig, schrittweise Nichtraucher zu werden. Auch wenn ich es nach 35 Jahren geschafft habe, würde ich jungen Menschen raten, erst gar nicht damit anzufangen.“

Michael H.

„Ich war einer jener Raucher, die ernsthaft geglaubt haben, das tiefe Inhalieren von Gift sei ein Genuss.  2012 habe ich meinem Körper zuliebe den Ausbruch aus dem stinkenden Gefängnis der Sucht riskiert und den letzten Tschick ausgedämpft. Nach 25 Jahren. Mithilfe eines Tagesseminars. Es war zwei Wochen lang hart. Sehr hart. Aber was sind diese zwei Wochen gegen die 290 Wochen danach und das Geschenk erlösender Leichtigkeit und zurückeroberter Vitalität? Rund 55.000 Zigaretten habe ich seither nicht geraucht, rund 550.000 Lungenzüge geschahen ohne Nikotinbegleitung. Für die Gewissheit dieses bedeutenden Sieges danke ich mir jeden Tag. Von ganzem Herzen.“

Sabine M.

„Ich wollte meinem Freund zuliebe aufhören, auch weil die Küsse dann besser schmecken! Im  Jahr 2001  habe ich  es   mit Nikotinpflaster versucht, doch  darauf war ich allergisch. Dann versuchte ich es mit dem Buch „Endlich Nichtraucher“ von Allen Carr.  Die ersten drei Wochen waren die Hölle.  Ich bin jedem Raucher hintergelaufen und hab inhaliert –  echt krank! Ich fragte mich: Was mache ich mit meinen Händen beim Weggehen, wie gewöhne ich mir die Zigarette nach dem Essen, zum Kaffee ab? Nach den  drei Wochen ging es. Und mittlerweile bin ich eher militante Nichtraucherin.“ 

Katrin S.

„Nachdem ich mir das Rauchen abgewöhnt hatte, habe ich zugenommen, denn  WOW! Essen kann wirklich so gut  schmecken. Auch wenn ich seither zugenommen habe: Dieses Erlebnis des Schmeckens möchte ich nicht eintauschen gegen mein Teenagergewicht. Dann halt nimmer dünn, aber eine andere Lebensqualität!“ 

Marcus M.

 „2007 besuchte ich ein Nichtraucherseminar –  nicht um aufzuhören, ich wollte wissen, wie es funktioniert. Nach sechs Stunden war die ‚Therapie‘ beendet, mein erster Griff war automatisch zum Tschick, doch mein Kopf sagte: Du bist blöd, schau, wie lang es ohne geht. Das war es mit dem Rauchen. Ich bin sicher untypisch, mich hat nie gestört, dass andere um mich rauchten. Mir ging es nie richtig ab, nur die automatischen Griffe zur nicht vorhandenen Packung fielen mir auf. Mir ist es leicht gefallen – abgesehen von meinem Gewicht.

Barbara V.

„Ich habe   25 Jahre sehr viel geraucht! Und dann mithilfe von Hypnose einfach aufgehört!  Jetzt bin ich seit neun Jahren  Nichtraucherin. Sicher, die ersten Wochen war ich launenhaft. Ausgetrickst habe ich mich, indem ich  ein Glas Wasser getrunken habe, wenn ich Lust  bekam. Mit meinem Mann hatte ich vereinbart, dass wir nicht diskutieren, wenn ich  wieder zur Zigarette greife.  Da ich beruflich viel unterwegs bin, bin ich froh, Nichtraucher zu sein –  am Flughafen ist es mit dem Rauchen schwieriger geworden.“