Leben
10.05.2018

Lupus: Die Krankheit, die immer noch für viel Verwirrung sorgt

Am 10. Mai ist Welt-Lupus-Tag. Viele wissen allerdings nicht, was damit gemeint ist – und haben Vorurteile, die zur Ausgrenzung führen.

„Es ist nicht Lupus, es ist nie Lupus!“ sagt Dr. House, der zynische Hauptcharakter der gleichnamigen Fernsehserie, als ein Patient wirklich einmal Lupus hat. Das ist zwar fast schon ein Running-Gag der Serie, in Wirklichkeit ist diese Krankheit aber tatsächlich eher selten – es gibt weltweit etwa fünf Millionen Betroffene – und sehr schwer zu diagnostizieren. Das liegt daran, dass Lupus eine große Palette an Symptomen mit sich bringt, die aber von Person zu Person variieren. Georg Stummvoll, ärztlicher Direktor des Klinikums Malcherhof in Baden, NÖ, sagt: „Jede Lupus-Erkrankung ist anders.“

Während die meisten unter Erschöpfung, Ausschlägen und Gelenksschmerzen leiden, klagen manche auch über Haarausfall, Gedächtnisverlust, Konzentrationsschwierigkeiten und vieles mehr.

Gut behandelbar

Lupus ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem gesunde Körperzellen angreift und irreversible Schäden hinterlässt. Die häufigste Form, die etwa 70 Prozent aller Betroffenen haben, nennt sich „Systemic Lupus Erythematosus“ (SLE). Lupus ist chronisch und unheilbar – aber behandelbar – und betrifft hauptsächlich Frauen im gebärfähigen Alter (neun von zehn Patienten sind weiblich).

Stummvoll betont, dass Lupus bereits sehr gut behandelt werden kann und die Lebenserwartung Betroffener immer weiter steigt.

SLE kann zum Beispiel das Herz, das Gehirn, die Nieren und sogar das Blut selbst attackieren. Obwohl es Fortschritte in der Lupus-Forschung gab, sind die Ursachen der Krankheit ein Mysterium. Wissenschaftler denken, dass verschiedene Faktoren, wie Hormone, Gene und die Umwelt an der Entstehung beteiligt sein könnten.

Lupus, eine Krankheit?

Eine Umfrage in 16 Ländern, die anlässlich des Welt-Lupus-Tags durchgeführt wurde, offenbart nun Erstaunliches: Mehr als die Hälfte (51 %) der 35.500 Befragten wussten nicht, dass Lupus eine Krankheit ist. Von jenen Teilnehmern, die sich dessen bewusst waren, kannten 48 Prozent der über 55-Jährigen keine Symptome der Autoimmunerkrankung. Allerdings zeigte sich, dass mehr als 40 Prozent der 18- bis 34-Jährigen zumindest Nierenversagen als mögliche Komplikation von Lupus angeben konnten. Das könnte daran liegen, dass diese Altersgruppe vermehrt – zum Beispiel über Social Media – mit dem Schicksal prominenter Lupus-Patienten konfrontiert wurde. So wurde Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez vor einigen Jahren mit SLE diagnostiziert. Sänger Seal hat eine andere Form von Lupus, die vor allem die Haut oberhalb des Halses betrifft. Daher auch seine Narben im Gesicht. Bei Michael Jackson wurde ebenfalls Lupus festgestellt, bei seiner Autopsie bestätigte sich das aber nicht.

Die Umfrage ergab außerdem, dass sich bloß 57 Prozent der Befragten dabei wohl fühlten, einen Lupus-Betroffenen zu umarmen. Des Weiteren nahm fast die Hälfte (49 %) an, dass Lupus mittels Speichel übertragbar sei. Jeder zehnte dachte, ungeschützter Sex könne zur Entstehung von Lupus beitragen. Für Stummvoll ist es wichtig herauszustreichen, dass Lupus-Patienten nicht ansteckend sind und man sich „nicht vor ihnen fürchten“ müsse. Die „World Lupus Federation“ (WLF, Weltverband der Lupus-Initiativen) sieht im Ergebnis vor allem eines: Den Auftrag, das Verständnis für Lupus-Patienten zu verbessern.