Leben
29.03.2018

"Lighter is Better": Rassismus-Vorwürfe gegen Heineken

Kritisiert wird eine neue Werbung des Bierherstellers. Darin wird Diätbier mit "Sometimes, Lighter is Better" beworben.

Schauplatz: Rooftop-Bar. Ein Barkeeper erspäht eine Frau, die ihren Weißwein verschmäht. Sogleich schießt der Kellner eine Bierflasche quer über die Bar in ihre Richtung – vorbei an einer schwarzen Frau und einem schwarzen Musiker. Als das Hopfengetränk bei der Dame ankommt wird der Slogan "Sometimes, Lighter is Better" eingeblendet.

"Heller ist besser"

Den Satz empfinden viele in Kombination mit dem Spot als rassistisch. "Lighter is better" kann aus dem Englischen sowohl mit "leichter ist besser" als auch mit "heller ist besser" übersetzt werden. Weil mit der Werbung Diätbier der Marke beworben wird, ist naheliegend, dass man sich auf den Kaloriengehalt des Getränks bezieht. Mit "light" werden in den USA und Großbritannien kalorienreduzierte Speisen und Getränke beschrieben. Durch die seltsame Dramaturgie des Clips bekommt dieser aber eine schiefe Optik, so der Tenor der Kritiker.

Wie bento.de berichtet, war der US-Musiker Chance the Rapper einer der ersten, der via Social Media auf den zweifelhaften Spot aufmerksam machte. In seinem Tweet wirft er Heineken und anderen Marken vor, bewusst rassistische Botschaften in Werbungen zu platzieren, "um mehr Zuseher anzuziehen". Außerdem bezeichnet er den Clip als "furchtbar rassistisch". Mit seinem Posting löste der Rapper einen Shitstorm aus. Allein sein Beitrag wurde bisher über 30.000 Mal gelikt. Heineken zog den Werbespot daraufhin zurück. Ein Sprecher des Unternehmens äußerte sich im Interview mit Business Insider. Heineken habe immer darauf gesetzt, in seiner Werbung zu zeigen, dass "uns mehr vereint als uns trennt".

Kein Einzelfall

Der Bierhersteller ist nicht das einzige Unternehmen, das sich in jüngster Vergangenheit für rassistische Darstellungsweisen in Werbeformaten entschuldigen musste. Im Jänner dieses Jahres sorgte ein Produktbild im britischen Onlineshop des schwedischen Modeunternehmens H&M sorgt für Schlagzeilen. Ein Kapuzenpullover, der in drei unterschiedlichen Farben angeboten wird, wurde von einem schwarzen Buben präsentiert. Der Schriftzug auf dem Kleidungsstück ließ die Wogen hochgehen: Dieser war mit "Coolest Monkey in the Jungle", zu Deutsch "Coolster Affe im Dschungel", bedruckt. Im Netz kritisieren viele User den Pullover und die werbliche Gestaltung als rassistisch (mehr dazu hier).

Im August des vergangenen Jahres sorgte der US-Konzern Procter & Gamble mit einem Werbespot für Kontroversen. "Talk about Bias" ("Reden wir über Vorurteile") hieß der Werbefilm, für den Procter & Gamble jede Menge Kritik erntete. Der Spot zeigte verschiedene Eltern-Kind-Szenarien afroamerikanischer Familien. Im Netz sorgte der Clip, der wohl verbreitete US-amerikanische Alltagsrassismen aufgreifen wollte, nicht nur für positive Reaktionen (mehr dazu hier).

In einer Kampagne des Pflegeproduktherstellers Nivea wurde im April 2017 mit dem Slogan "White is purity", übersetzt: "Weiß ist Reinheit", geworben. Das Posting war eigentlich ausschließlich für Kunden im Nahen Osten gedacht, verbreitete sich aber nach seiner Veröffentlichung sofort auf der ganzen Welt und sorgte für Aufregung. Denn viele Nutzer empfanden den Slogan als rassistisch und kündigten an, alle Nivea-Produkte wegwerfen zu wollen und die Marke in Zukunft zu boykottieren (mehr dazu hier).