Leben
07.08.2017

"Umgekehrter Rassismus": US-Werbespot polarisiert

Der US-Konzern Procter & Gamble sorgt mit einem neuen Werbespot für Kontroversen.

"Talk about Bias" ("Reden wir über Vorurteile") heißt der Werbefilm, für den Procter & Gamble (P&G) derzeit viel Lob, aber auch jede Menge Kritik erntet. Der Spot zeigt verschiedene Eltern-Kind-Szenarien afroamerikanischer Familien. So sieht man beispielsweise eine Mutter, die ihren Sohn darauf hinweist, seinen Ausweis mitzunehmen, bevor er nachts aus dem Haus geht. Eine andere Mutter erklärt ihrer Tochter, wie sie sich verhalten soll, falls sie mit dem Auto von der Polizei aufgehalten wird. Am Ende des werblichen Kurzfilms versichert eine Mutter ihrer Tochter, dass sie nicht "schön für ein schwarzes Mädchen", sondern einfach schön sei.

#BoycottProcterAndGamble

Im Netz sorgt der Clip, der verbreitete US-amerikanische Alltagsrassismen aufgreifen will, nicht nur positive Reaktionen. Viele Menschen sind erbost und wettern auf Social Media gegen den nach ihrer Ansicht nach eklatanten, umgekehrten Rassismus. "Ekelhaft! Ich bin fertig mit P&G! Ihr zeigt eine lang vergangene Ära und Ihr wisst das. Ich hoffe, amerikanische Schwarze bemerken, dass Ihr sie nur benutzen wollt", meint ein Kritiker. "Die Nachricht, die Ihr rüberbringt: Alle Weißen sind Rassisten, alle Polizisten sind böse", so ein anderer. Ein weiterer kritisiert pauschal, dass über Schwarze betreffende Themen zu sprechen, grundsätzlich rassistisch sei und es spalte, über Rassismus zu sprechen. Unter dem Hashtag #BoycottProcterAndGamble wird sogar dazu aufgerufen, keine Produkte des Herstellers mehr zu kaufen.

Unter die kritischen Stimmen mischen sich jedoch auch Worte des Lobes und der Anerkennung:

Der Spot gehört zur P&G-Reihe "My Black is Beautiful", die 2007 von einer Gruppe afroamerikanischer Mitarbeiterinnen der Firma ins Leben gerufen wurde, um die Schönheit schwarzer Frauen zu thematisieren.

Konzerne in der Kritik

P&G ist bei weitem nicht das erste Unternehmen, das für das Aufgreifen gesellschaftlich relevanter Themen im Zuge eines Werbespots kritisiert wird. Erst vor wenigen Monaten warb die deutsche Pflegeproduktmarke Nivea mit dem Slogan "White is purity", übersetzt: "Weiß ist Reinheit". Die Intention dahinter: Man wollte ein Deo anpreisen, das keine gelben Flecken und weiße Rückstände auf der Kleidung hinterlässt. Viele Nutzer empfanden den Slogan jedoch als rassistisch und kündigten an, alle Nivea-Produkte wegwerfen zu wollen und die Marke in Zukunft zu boykottieren (mehr dazu hier).

Auch der US-Konzern Pepsi musste sich im April nach der Veröffentlichung eines Werbespots mit Model Kendall Jenner Kritik gefallen lassen – ein Shitstorm auf Social Media folgte: In einer Anspielung auf die US-Proteste gegen Polizeigewalt aus jüngster Vergangenheit war zu sehen, wie Model Kendall Jenner einem uniformieren Beamten vor einer Kulisse von Demonstranten eine Dose Pepsi-Cola überreicht. Dabei bediente man sich offensichtlich der Ästhetik und Bildsprache aktueller Protestmärsche, beispielsweise dem weltweiten Women's March oder dem Protest gegen Polizeigewalt in Baton Rouge in Louisiana. Ein Foto, das die Demonstrantin Leisha Evans in stoischer Pose vor gepanzerten Polizisten zeigt, ging damals um die Welt. In sozialen Netzwerken im Internet wiesen zahlreiche Nutzer nach der Veröffentlichung vor wenigen Tagen darauf hin, dass das Überreichen von Erfrischungsgetränken kein probates Mittel im Kampf gegen institutionalisierten Rassismus sei (mehr dazu hier).