Leben
25.08.2018

Kokosöl: Welche Alternativen wirklich gesund sind

Allheilmittel oder Gift? Wann man auf Kokosöl verzichten soll - und welche Pflanzenöle wirklich gesund sind.

Es riecht nach Urlaub und soll wahre Wunder wirken: Mit Kokosöl spülen sich Blogger den Mund aus (zur Entgiftung), es wird zum Kochen und Backen verwendet (weil angeblich figurfreundlicher) und auch Haut und Haar sollen damit auf Vordermann gebracht werden.

Wissenschaftliche Belege für die positive Wirkung des Pflanzenfettes gibt es nicht. Es soll – regelmäßig verzehrt – sogar der Gesundheit schaden, wie die Harvard-Medizinerin Karin Michels jüngst in einem Vortrag am Uniklinikum Freiburg klarstellte. Sie bezeichnete das Öl gar als „das reine Gift“ – und sorgte damit nicht nur in den sozialen Medien für Aufruhr. Schuld an der schlechten Bilanz des beliebten Superfoods ist sein hoher Anteil an gesättigten Fettsäuren.

„Giftig ist der Konsum des Öls deswegen zwar nicht, aber eben auch nicht so gesund, wie lange angepriesen“, sagt die Wiener Ernährungswissenschaftlerin Eva Unterberger: „Gesättigte Fettsäuren wirken sich negativ auf das Herz und die Gefäße aus, sie erhöhen den Cholesterinspiegel und können langfristig zu Atherosklerose, also Ablagerungen in den Gefäßen, führen, die sich dadurch im schlimmsten Fall verschließen.“ Von einem Superfood kann bei Kokosöl deshalb nicht die Rede sein: Mit rund 90 Prozent ist der Anteil an gesättigten Fettsäuren darin doppelt so hoch, wie jener in Schweineschmalz. Auch Butter und das in Verruf geratene Palmöl schneiden im Vergleich daLifestyle-Produktzu besser ab (siehe Grafik).

Lifestyle-Produkt

Dass sich das Fett der Kokosnuss dennoch als Lifestyle-Produkt etablieren konnte, schreibt Unterberger dem schnellen Umlauf von Trends in sozialen Medien zu. Durch den Anteil an mittelkettigen Fettsäuren wurde Kokosfett häufig als stoffwechselanregend und figurfreundlich vermarktet.

„Dieser Effekt ist vernachlässigbar gering. Bei übermäßigem Verzehr kann es aber zu Magen-Darm-Beschwerden kommen“, erklärt die Ernährungsexpertin. Ganz neu ist der Hype um das Fett der Kokosnuss nicht: In den 70er-Jahren waren weiße Blöcke daraus zum Einfetten von Backformen und zur Zubereitung von Glasuren sehr beliebt.

Ernährung

Wäre ein Produkt tatsächlich gesundheitsschädlich, würde es in Österreich gar nicht verkauft werden, versichert Ingrid Kiefer, Leiterin des Fachbereichs Risikokommunikation der Agentur für Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit (AGES): „Wir untersuchen Kokosöle in Stichproben, auffällig war noch kein Produkt. Als gesundes Lebensmittel wird es aber nicht eingestuft.“ Das Hauptproblem sieht Kiefer hierzulande in einer generell zu fettigen Ernährung. Kommen zu den gesättigten Fetten aus tierischen Produkten auch noch jene aus Pflanzenölen, wird es zu viel.

Alternativen

Was also tun mit der weißen Paste? Fans der asiatischen Küche müssen das Kokosöl nicht gleich boykottieren: „Ich koche selbst ab und zu mein Curry damit, weil es geschmacklich sehr gut harmoniert“, gesteht Unterberger. „Wie bei so vielem gilt auch bei der Ölwahl: Abwechslung ist Trumpf. Hin und wieder kann Kokosöl in der Küche bedenkenlos verwendet werden.“

Für die exotische Note darf man also auch zukünftig auf die tropische Nuss setzen – nur eben nicht jeden Tag. Da empfehlen die Ernährungswissenschaftlerinnen, auf andere pflanzliche Alternativen zurückzugreifen. „Zum Kochen eignet sich das geschmacksneutrale Rapsöl sehr gut“, sagt Kiefer. Vom geringeren Anteil an ungesättigten Fettsäuren als bei Sonnenblumenöl darf man sich nicht täuschen lassen: „Es hat ein besseres Verhältnis von Omega 3 und Omega 6-Fettsäuren, die für den Körper sehr wichtig sind“, erklärt die Expertin. In der Pfanne kann Rapsöl bedenkenlos erhitzt werden.

Kaltgepresste, native Öle sollten hingegen nicht erhitzt werden, weil dabei Vitamine und Nährstoffe zerstört werden – und dabei kommt es beim richtigen Superfood schließlich an.