Kiku

Wo einst das noble Steirereck logierte, betreiben seit rund zehn Jahren Lehrlinge mit ihren Lehrenden ein Ausbildungsrestaurant, das ZOBAeck („Zukunftsorientierten Berufsausbildung“) von Jugend am Werk. Donnerstagabend war das Restaurant mit seinem Wintergarten mehr als g’steckt voll. Viele (Ehren)-Gäste waren gekommen, um den zehnten Geburtstag des „ecks“ zu feiern.

Leckereien und Augenschmaus

Schmackhafte Köstlichkeiten wie Falafel mit Humus, marinierte Alpenlachs mit Avocado, Hirschrücken mit Wacholderrahm, Rehschnitzel oder Pilzragout mit hausgemachten Nudeln waren auch als optische Leckerbissen zubereitet. Im Wintergarten offerierten Marcel Varadin und Xenia Gartner von der nahegelegenen Bäckerei Gebackenes, das sie und ihre Kolleg_innen in der Wassergasse produziert hatten. Dort ist auch die Konditorei-Ausbildung angesiedelt. Von dieser verführten Katharina Stančić und Vanja Babić nicht nur – ebenfalls mit Augenschmaus-Leckereien zu süßen Sünden. Die Letztgenannte demonstrierte beispielsweise auch, wie in wenigen Minuten aus einem Stück Marzipan eine Rose „gezaubert“ wird. An einer anderen Ecke des Wintergartens mixten Philip Sirsche, Jasmina Karić, Huyugüzel Abdulaziz Cocktails mit und ohne Alkohol.

Ausbildungsangebote

Insgesamt werden derzeit rund 100 Jugendliche, die auf dem freien Arbeitsmarkt keine Lehrstelle gefunden hatten, und noch einmal so viele junge Erwachsene im Restaurant, der Bäckerei, ausgelagerten Küchen sowie der benachbarten Textilreinigung ausgebildet - in den Berufen Koch/Köchin, Restaurantfachfrau/mann, Bäcker_in, Kondotor_in und Textilreinigung. Zusätzlich bietet ZOBA derzeit Kurse für Asylwerber_innen zwischen 15 und 25 Jahren an, in deren Rahmen sie eine Berufsorientierung und Qualifizierung in den Berufen Restaurantfachmann/frau sowie Koch/Köchin samt intensivem Deutschunterricht erhalten (Projekt „Five Stars“).

"Hat mich gerettet"

Was und wie sie von der Ausbildung hier profitiert haben, erzählten während des offiziellen Teils der 10-Jahres-Feier Sandra Ringl, Jela Plazibat und Jessica Bartl, die schon vor Jahren Lehrabschlussprüfung ablegten. Letztere meinte charmant, anfangs wäre es mit ihr und für sich nicht gerade leicht gewesen. Im späteren Gespräch mit dem Kinder-KURIER erläuterte Jessica Bartl, sie habe die Schule abgebrochen, lernen sei nicht gerade angesagt gewesen, „ernst genommen hab ich auch nichts“. Über einen AMS-KURS sei sie bei ZOBA gelandet, Druck der Mutter hätte auch noch das seine dazu beigetragen, dass sie sich letztlich doch auf die Ausbildung zur Restaurantfachfrau eingelassen habe. „Und die Atmosphäre hier hat mich gerettet. Außerdem hab ich hier meine beste Freundin kennen gelernt.“ Diese, Jela Plazibat, ist es noch immer, drei Jahre hatten sie nach der Ausbildung auch noch im selben Restaurant auf einem DDSG-Schiff gearbeitet.

Jela Plazibat hat nach neun Schuljahren „nicht gewusst, was ich machen will oder soll. Was ich schon gewusst habe, ich will gern mit Menschen arbeiten und ich ess und trink gerne.“ Nach einem Info-Tag im ZOBAeck entschloss sie sich, hier die Ausbildung zu beginnen. „Und die Freundschaft mit der Jessica hat auch geholfen – wir haben uns immer gegenseitig aufgebaut.“

Meisterin auf dem Wg in die Selbstständigkeit

Die dritte der Absolventinnen, die – trotz Nervosität – das Mikro ergriff, bereitet sich mittlerweile auf die Unternehmerprüfung vor. Das ist ein Modul der Meisterprüfung und damit kann sie dann ihr eigenes Restaurant eröffnen. Sandra Ringl hat übrigens eine Doppellehre absolviert und ist neben Restaurantfachfrau auch gelernte Konditorin. Nachdem sie die erste Klasse einer Handelsschule zwei Mal erfolglos wiederholt hatte, „bin ich bei einem Tag der offenen Tür hier gewesen, erst gab es Vorurteile von mir und vor allem Verwandten und Freunden gegenüber einer Arbeitsstelle hier. Aber dann hab ich mich reingefunden und die Ausbildung hier ist wirklich gut. Ich bewundere ja die Ausbildner, die mit einem Haufen pubertierender Jugendlicher arbeiten. Aber hier haben wir Schritt für Schritt alles sehr praxisnah erlernt.“
Sie lobt vor allem Walter Csadek, der im Wintergarten auch seine eigenen geschnitzten und modellierten Kunstwerke aus Früchten, Gemüse und Butter zeigte – aus letztere ein großer weißer Fisch. Sein Können erwarb er sich in Kursen bei Weltmeistern im Gemüseschnitzen und Modellieren in Bad Gastein. Mit seinen Konditorei-Lehrlingen fabrizierten sie auch ein wunderschönes, farbenprächtiges Rosengesteck für die 10-Jahres-Geburtstagstorte.

Flecken raus

In der Gastronomie kann’s leicht passieren, dass die ja sehr oft weißen Gewänder arge Flecken von Kaffee bis Blut abkriegen. Wie welche entfernt werden können – dieses Wissen wird im Lehrberuf Textilreinigung erworben. Maikel Sanda, Sebastian Greniczer, Mia Persen und Jacqueline Janschitz erläutern auch anhand eines eleganten Kleides mit Pailletten, „das kannst du ja nicht einfach in eine Waschmaschine geben, dann ist’s ja kaputt.“

Musikduo

Lehrlinge zeigten aber nicht nur ihre Koch-, Back-, Servier-, Modellierkünste, zwei von ihnen sorgten in der Mitte des Festabends auch für musikalische Unterhaltung: Resa Mae Tag-at und David Guidangem spielten auf Ukulele bzw. Gitarre drei Songs und die erstgenannte beeindruckte vor allem mit einer zauberhaften Stimme -drei kurze Videos sind unten zu sehen und hören.

Viele Fotos von der 10-Jahres-Feier findest du unten.

... vom 10-Jahrs-Fest