© Heinz Wagner

Waste-Cooking
05/13/2015

Auflauf vor dem Parlament

Verwenden statt verschwenden! Curry aus Gemüse, das für den Handel nicht schön genug ist, wurde am "Leftovers-Day" verkocht.

von Heinz Wagner

Dienstag Mittag vor dem Parlament an der Wiener Ringstraße: Ob Kinder, einer Wiener Schulklasse, Touristinnen und Touristen aus nah und fern, oder eine regelmäßige KURIER-Leserin: Menschen umringen einen großen metallenen Müllcontainer, stellen sich an, kriegen aus einem von zwei großen Töpfen ein köstliches Gemüse-Curry aus Karotten, Erdäpfel, Sellerie und Paprika in außergewöhnliche Teller geschöpft, das sie mit Hilfe von Holzlöffel verspeisen.

Kochen aus gerettetem Gemüse

David Groß war mit seinem „Waste“-Mobil W-ASTE 1, das mit altem Speiseöl fährt, nach Wien gereist. Hier lud er vom Anhänger mit der Autonummer W-ASTE2 den besagten Container runter, den er zu einem Herd samt Backrohr umgebaut hatte. Durch fünf europäische Länder war er damit schon gereist, um auf sein Anliegen aufmerksam zu machen: Viel zu viele gute, genießbare Lebensmittel landen im Müll oder werden erst gar nicht von den Feldern geerntet, weil sie zu krumm, groß oder was auch immer sind, um in den Handel zu kommen. "Reste in den Topf, sagt der kluge Kopf!" erfanden die Aktivist_innen für ihren Aktionstag.

Leftovers-Day

Den 12. Mai wählte er für seine Aktion, weil es an diesem Tag in Australien bereits einen „Leftovers“-Day, also einen Tag gibt, an dem „übriggebliebenes“ verkocht wird. Keine billigen Eintöpfe oder Schmarren, sondern hochwertiges, gutes Essen. Das ist das Ziel. Und der gewählte Ort für die Aktion hängt damit zusammen, dass der Waste-Cooker und Gleichgesinnte auch eine politische Forderung haben: Angesichts der Tatsache, dass rund ein Drittel aller weltweit hergestellten Lebensmittel weggeworfen wird, sollten nicht jene bestraft werden, die Genießbares aus Müllcontainern von Supermärkten raus tauchen (Waste-diving, Containern...), sondern jene, die Lebensmittel in den Mist kippen. In Österreich betrifft dies fast 160.000 Tonnen jährlich. Erst einige Supermärkte geben Abgelaufenes – und noch lange nicht Verdorbenes – an Plattformen wie Food-Sharing oder Wiener Tafel.

Auf seiner für ARTE dokumentierten Reise durch fünf europäische Länder kam David Groß auch im belgischen Herstal vorbei, wo es schon die Vorschrift gibt, wegwerfende Supermärkte zu bestrafen.

Recycling

Und es wurde am Dienstag erreicht. Kinder der 4b der Volksschule Hammerfestweg in Wien-Donaustadt kamen nach der Parlamentsführung im Rahmen ihres Workshops in der Demokratie-Werkstatt vorbei und kamen so zu einem warmen Mittagessen. Einige führten vor, dass auch der Teller gegessen werden kann, er ist aus Brotteig. So nebenbei erzählen einige von ihnen und eine Lehrerin, „wir recyclen auch in der Klasse Papier und andere Materialien, so bauen wir ein Boot aus Wegwerf-Sachen.“

Gleichgesinnte Initiativen servieren Brote mit Marmelade aus Marillen-Lavendel und ein einem Chutney aus Quitten-Ingwer.

www.wastecooking.com

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