Magdalena Steinlein, Roman Blumenschein

© Kevin Ferdinandus

Wasserstoffbrennen
12/01/2014

Würfeln oder Kugelhälften suchen?

"Wasserstoffbrennen" im Theater Drachengasse: Zufall oder Vorherbestimmung, wahre Liebe oder Fassade.

von Heinz Wagner

Die Bühne ein ist zunächst sozusagen eine „Black-Box“. Schwarze Wände, schwarzer Boden, sonst (fast) nichts. Bevor das Stück „Wasserstoffbrennen“ richtig startet, greifen die beiden Darsteller_innen sich eine Dose Luftschlangenspray nach der anderen. Mit zehn von ihnen pro Vorstellung geben sie Wänden und dem Boden ein jedes Mal anderes, zufälliges Dekor aus bunten gezackten Fäden, die in der einen oder anderen Szene für so manches stehen könnten – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wahre Liebe?

Zufall trifft Vorherbestimmung. Irgendwie. Niko auf Mascha. In 16 Episoden eilen sie vom Urknall samt Philosophieren darüber wie unwahrscheinlich eigentlich das Entstehen des Weltalls im Allgemeinen und der Erde im Besonderen war über (scheinbar?) zufällig ausgewählte Stationen des Lebens der beiden bis zu deren Ende. Beide scheinen von der wahren Liebe überzeugt zu sein. Jahrzehntelang sind sie einander zugetan. Oder scheint da manches nur Schein zu sein?

Kugelmenschen

Als Metapher für ihre Liebe wird der von Platon in einem literarischen Text erzählte Mythos von den seinerzeitigen vierarmigen und -beinigen, zweiköpfigen Kugelmenschen erzählt, die auf den Olymp wollten und vom Göttervater Zeus in die späteren und noch immer heutigen Einzelmenschen zerteilt wurden. Mascha ist davon überzeugt, dass deswegen jede Hälfte den zur Kugel ergänzenden (Teil-)Menschen sucht. Niko hängt mehr der Theorie des Zufalls an. Vor wichtigen Entscheidungen zieht er einen Würfel aus der Tasche und legt sein Schicksal in dessen Augenzahlen: Gerade oder ungerade.

Kernreaktionen

Die Episoden sind nicht chronologisch geordnet, ergeben erst nach und nach ein Gesamtbild. Immer wieder eingestreut finden sich Zitate oder Fakten rund um naturwissenschaftliche Erkenntnisse – bis hin zur heißen Kernreaktion im Inneren der Sonne, wo der Druck so stark ist, dass Wasserstoffprotonen ihre elektrostatische Abstoßung überwinden und zu Kernen fusionieren – sogenanntes Wasserstoff„brennen“.

Ein äußerst amüsanter zwischen Physik und Liebe, zwischen Zufall und Determinismus pendelnder Theaterabend.

Wer, was, wann, wo?

Wasserstoffbrennen
von Leon Engler
Koproduktion von Neues Theater Wien und Theater Drachengasse

Regie: Michael Schlecht
Es spielen: Magdalena Steinlein, Roman Blumenschein
Regieassistenz: Moritz Maliers
Bühnenbildmitarbeit: Henrike Heiland

Wann & wo?
Bar&Co/ Theater Drachengasse
Bis 13. Dezember; Di-Sa; 20 Uhr
1010, Fleischmarkt 22, Eingang Drachengasse 2
Telefon: (01) 513 14 44
www.drachengasse.at

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