„Ich höre Musik und fühle mich frei!“

Musik zum Anfassen - Vertrautes im Exil, 2017
Foto: Heinz Wagner Orchester-Proben im Turnsaal

„Vertrautes im Exil – eine Klangspurensuche“: Ein vertriebener österreichischer Musiker, seine Tochter, die als Kind vor den Nazis flüchten konnte und eine Band aus afghanischen geflüchteten Musikern.

Update 15. Dezember 2017, 14.52 Uhr: Ein Video von der Generalprobe am Vormittag hinzugefügt sowie textliche Ergänzung rund um die vier szenischen Darstellungen.

Lokalaugenschein des Kinder-KURIER im Turnsaal der evangelischen Schule am Wiener Karlsplatz. Stefanie Wolf putzt ihre Blockflöte durch und beginnt – im Duett mit Iva Zabkar zu musizieren. In einer anderen Ecke des Turnsaals steht Keita Sugiyama und stimmt sich und seine Geige ein. Christian Fleischhauer versucht die richtigen Akkorde auf der Gitarre zu finden. Florian Lackner schnappt sich das Cachon (ein eckiges  hölzernes Percussion-Instrument, auf dem er sitzt) und Lea Neubauer muss sich zunächst mit einem Mistkübel als Trommel-Ersatz begnügen, bis irgendwer im Schulhaus Bongo-Trommeln auftreibt. Gemeinsam mit zwei der drei Musafer-Musiker, Majid Ayobi (Harmonium und Gesang) und Sohail Karimi (Tabla – eine Art Trommel), sowie Judith Ferstl (Studierende, Kontrabass) grooven sie sich auf „Shape of You“ ein. Diesen Song von Ed Sheeran hat sich die Klasse ausgesucht. Auf dessen Basis komponierte die Musik-Studentin Iva Žabkar eine Version für dieses kleine Orchester, das zweitweise auch noch von weiteren Studierenden an Keyboard und Klavier begleitet wurde. Die Komponistin tritt auch als Dirigentin in Aktion. Projektleiter Dietmar Flosdorf, der an der Musikuni unterrichtet, klinkt sich mit seiner Geige ins Orchester ein.

Flucht, Vertreibung, Exil, Vertrautes UND Musik

Musik zum Anfassen - Vertrautes im Exil, 2017 Foto: Heinz Wagner Das Musikprojekt, das mehrere Wochen dauert(e) beschäftigt sich mit dem Thema Flucht, Vertreibung, Leben im Exil UND Musik. Es knüpft an wahren Geschichten an – von einem österreichischen Musikprofessor, der von den Nazis aus der Hochschule geworfen wurde und flüchten musste, seiner Tochter, die als Kind ebenfalls – und das allein – flüchten musste bis zur Gegenwart – Musikern, die aus Afghanistan flüchten mussten – dazu Genaueres weiter unten.

Musik zum Anfassen - Vertrautes im Exil, 2017 Foto: Heinz Wagner Zurück zum Probenbesuch im Turnsaal: Später gesellen sich die anderen aus der 4A hinzu, sie haben bis dahin in ihrem Klassenzimmer die vier Strophen ihres eigenen Raps geprobt. „Wir haben auf ein großes Plakat Wörter aufgeschrieben, die in unserem Rap vorkommen sollen“, erzählen einige der Schüler_innen dem KiKu. „Und dann hat der Benni daraus den Rap geschrieben.“ Benjamin Beck schildert dann: „ich schreib Rap-Texte als Hobby. So ab ungefähr 8 Jahren hab ich begonnen Rap zu hören und zehn oder elf Jahren hab ich meine ersten eigenen Texte geschrieben.“ Er hat schon so viele, dass er daran denkt, „vielleicht ein eigenes Album zu veröffentlichen. Die Beats mach ich selber oder manche lass ich mir auch machen.“

Der Rap – den gesamten Text kannst du unten lesen – starte im eigene Zimmer, schildert knapp und beklemmend eine Fluchtsituation, ausführlicher die Begegnung mit Fremden und Fremdem sowie zuletzt das neue Leben an einem neuen Ort und endet mit dem Ruf: „Ich höre Musik und fühle mich frei!“

Das hängt auch damit zusammen, dass – wie im Programmheft zum Abschlusskonzert zu lesen ist – ein Viertel der Schüler_innen am Beginn des Projekts angegeben haben, „dass unter den drei wichtigsten Dingen, die sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden, Musik wäre“.

Umfangreiches Projekt, vielfältiges Konzert

Musik zum Anfassen - Vertrautes im Exil, 2017 Foto: Heinz Wagner Ein spannendes, mehrteiliges Konzert wird Mitte Dezember in der evangelischen Schule am Wiener Karlsplatz zu erleben sein. Die 4A der Mittelschule hier hat sich – gemeinsam mit Studierenden der Musik-Uni sowie geflüchteten afghanischen Musikern und einer Zeitzeugin – in einem wochenlangen Projekt mit Flucht, Vertreibung, Exil UND Musik auseinandergesetzt. Zunächst einmal erkundeten die Jugendlichen die Stolpersteine in der Umgebung der Schule. Die in den Boden eingelassenen Metallplatten erinnern an Menschen, die einst in Wien lebten und von den Faschisten in Konzentrationslager verschleppt und meist getötet wurden.

„Dann haben wir Steine, die so große oder klein wie unsere Hände sind, gesammelt und mit ihnen Musik gemacht“, erzählt Stefanie Wolf dem Kinder-KURIER, der zu einer Probe in den Turnsaal der Schule kommen durfte.

Die Jugendlichen machten auch Ausflüge u.a. ins Jüdische Museum oder in die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw). An der Vorgänger-Hochschule hatte der Komponist Richard Stöhr ab 1903 unterrichtet, ab 1915 als Professor. Zu seinen Studierenden zählten u.a. der spätere berühmte Dirigent Herbert Karajan oder die bekannte Sängerin Marlene Dietrich. 1938 wurde er von der Universität rausgeworfen, nur weil er Jude war. 1938 konnte er in die USA flüchten. Ihm ist nun eine Ausstellung in der mdw gewidmet.

Kinderflüchtling

Seine Tochter Hedi Ballantyne, die 1939 als unbegleitetes 12-jähriges Mädchen mit einem der Kindertransportzüge nach England flüchten konnte und später in die USA auch zu ihrem Vater kam, und die die Schule am Karlsplatz besuchte hatte, ist derzeit in Wien – und sprach als Zeitzeugin mit den Schüler_innen der 4a am Karlsplatz.

Aktuelle Flüchtlinge

Musik zum Anfassen - Vertrautes im Exil, 2017 Foto: Heinz Wagner Flucht vor verbrecherischen Regimen ist aber nicht nur etwas Jahrzehnte Zurückliegendes. Das gibt’s auch heute. Und deswegen ist auch die Band „Musafer“ Teil dieses Projekts „Musik zum Anfassen“, das sich in diesem Jahr mit dem Thema „Vertrautes im Exil – eine Klangspurensuche“ beschäftigt. Die drei Musiker mussten aus Afghanistan flüchten, wo die Taliban zeitweise sogar jede Musik verboten hatten.

Szenisches „Denk-Mal“

Musik zum Anfassen - Vertrautes im Exil, 2017 Foto: Heinz Wagner Zum Thema Exil, Vertrautes nach der Flucht, Aufnahme in der neuen Gesellschaft haben sich die Jugendlichen auch vier verschiedene Szenen ausgedacht, die sie an diesem Nachmittag ebenfalls proben und dem KiKu zeigen – am Konzertabend werden sie diese auch zeigen. Die Szenen sind aber sogar allgemein gültiger, auch als Ausgrenzung und Überwindung davon zu sehen und verstehen, also selbst dort und von jenen, die selbst gar keine Fluchterfahrung haben. Bei den Proben legt sich in ihrer Gruppe vor allem Antonella Stanić ins Zeug, damit alle konzentriert mitspielen und auch wirklich bei der Sache sind.

Fotos von den Orchester- und Rap-Proben

Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Orchester-Proben im Turnsaal Proben für den eigenen Rap Proben für den eigenen Rap Proben für den eigenen Rap Proben für den eigenen Rap Proben für den eigenen Rap

Fotos von den Szenen-Proben

Proben für eine der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine andere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine andere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine andere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine andere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine andere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine andere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine andere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine andere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine weitere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine weitere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine weitere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine weitere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine weitere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine weitere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für eine weitere der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für die vierte der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für die vierte der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für die vierte der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für die vierte der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für die vierte der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für die vierte der Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung Proben für Szenen zu Ausgrenzung und ihrer Überwindung

Der Rap

Vom eigenen Zimmer über Flucht und Fremdes bis zur befreienden Musik

Der Rap der 4A

Wenn ich in meinem Zimmer bin, dann kann ich sie so sein, wie ich will
Wenn ich aus meinem Bett aufsteh‘, geh ich mit meinen Freunden zum Park
Dort wo meine Familie ist, da ist mein Heimatland

Durch Hitze und Kälte, über Zäune und Berge,
wir gehen und gehen und gehen und gehen ...
Die Gefahr droht, die Krankheit, Rod, Hunger und Heimweh,
Verwirrung, Verfolgung und Angst, Angst, Angst, Angst, Angst ...

Wir sollen über das Thema Fremde rappen,
Leute, die ‚ne andere Sprache sprechen.
In jedem Land der Welt bezahlt man mit anderem Geld.
In der Zeitung steht von jedem die Meinung,
wer trägt welche Kleidung.
Manchmal haben wir vor Unbekanntem Angst,
doch lass auch Neues an dich ran,
so dass Neues entstehen kann!

Ich lebe hier an einem neuen Ort,
und verstehe schon so manches Wort,
mein Haustier, das ist dabei.
Ich höre Musik und fühle mich frei!

Infos

Die Mitwirkenden des Projekts und Konzert

Vertrautes im Exil – eine Klangspurensuche

Teil 1: Konzert als Erinnerung mit Kompositionen von Richard Stöhr, der 1938 von der Musikuni ausgeschlossen wurde und 1939 in die USA flüchten musste/konnte

Teil2: Im Exil: Lebendes, klingendes „Denk-mal“ in vier Variationen sowie Hedi Ballantynes Lieblingslies „Der Lindenbaum“ von Franz Schubert.
Sie ist die Tochter von Richard Stöhr, die mit einem der Kindertransporte als unbegleitetes minderjährige Flüchtlingsmädchen nach England kam.

Teil 3: Konzert der Begegnung mit Liedern aus Südtirol, Burkina Faso (Westafrika), Afghanistan und einem gemeinsamen der Klasse 4a mit Musik-Studierenden und der Band Musafer

Wann & wo?
Freitag, 15. Dezember 2017, 18 Uhr
Evangelische Mittelschule
1040, Karlsplatz 14

Mitwirkende
Schüler_innen der 4A
Enes Ari, Seyma Ari, Yara Attar, Benjamin Beck, Kaan Cihan, Magdalena Exner, Christian Fleischhauer, Tobias Grubanovits, Sophie Hittinger, Judith Itzchak, Sarah Jaschke, David Kim, Florian Lackner, Philipp Musch, Jannis Nekrep, Lea-Sofie Neubauer, Tzvetana Patranova, Caroline Polzer, Patrick Rotter, Sezanur Sarigül, Ben Schoisswohl, Antonella Stanić, Lennart Steinheimer, Keita Sugiyama, Kevin Trufan, Lisa Wolf, Stefanie Wolf
Klassenvorständin: Erika Steif

Johann-Sebastian-Bach-Musikschule
Magdalena Rychetsky – Violine

Burkina Faso
Adamo Dicko – Ngoni

Afghanistan „Musafer
Majid Ayobi – Gesang und Harmonium
Sardar Wali – Rubab
Sohail Karimi – Tabla; Leitung

Studierende der Musikuni
Tobias Amann – Klavier
Ana-Marija Brkić – Gesang
Julia Czepiel – Rhythmik
Judith Ferstl – Kontrabass
Paul Gritsch – Saxophon
Clara Hörmann – Flöte
Akari Komiya – Klavier
Kyung Lee – Klavier
Henriette Perger – Klavier/Kora
Julia Maria Prömmer – Harfe
Katharina Zepić – Violine
Iva Žabkar – Keyboard, Flöte, Melodika, Komposition

Hedi Ballantyne (geb. Stöhr) – Zeitzeugin

Konzept und Projektleitung: Dietmar Flosdorf

Projektfotos
www.musikzumanfassen.at/uni-exil_fotos/

Videos

Video von Song und Rap bei der Generalprobe

(kiku) Erstellt am
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