Leben | Kiku 27.01.2015

Produziert Schule Zombies?

© Bild: Carina Hofbauer-Hofmann

"Brain": Sarkastisches Stück - mit Musik - einer jungen Truppe rund um Schule und Bildungssystem.

Das Gehirn eines Menschen kann man in vier Teile zerteilen...“ beginnt Kathrin kurz und kompakt zu Beginn des Stücks „Brain“ zu schildern. Reaktion ihrer Kollegin/Freundin Anna:. „Nicht schon wieder dein Referat!“ samt Augenrollen. Das würde sie doch alles nicht brauchen. Und außerdem habe sie sich gerade draußen in der gefährlichen Umgebung rumgeschlagen, um Essbares aufzutreiben.

Rundherum Zombies

Brain
© Bild: Carina Hofbauer-Hofmann
Die beiden befinden sich in einem Klassenzimmer. Sie sind die einzigen. Nicht nur hier, sondern im ganzen Schulhaus. Und möglicherweise weit und breit die einzigen überlebenden Menschen. Draußen: Zombies. Immer mehr.
Anna, die Futter-Holerin, die Kämpferin ( Sophie Berger), Kathrin die Denkerin ( Susanne Preissl) kippen immer mehr in die Bedroht-Situation rein. Ob die Gefahr größer wird oder sie sich reinsteigern? Auch in Gewaltphantasie, wie sie Zombies unschädlich machen könn(t)en.

Situationskomik, Wortwitz

Brain
© Bild: Carina Hofbauer-Hofmann
Die heftigen Szenen werden hin und wieder nicht nur durch Situationskomik oder Wortwitz, sondern auch durch ein tanzendes Gehirn aufgelockert. Dieses spielt Lilly Anna Janoska, die später noch als Zombie auftauchen wird, eines ganz speziellen Zombies – an der Hand, manchmal Leine von Dominik Peter Michael Kellner ), noch einem überlebenden Menschen, der für so manche – gefühlsmäßige -Verwirrung bei den beiden Mädchen sorgt. Aber auch den Gedanken anregt: Wie wurden/werden Menschen zu Zombies?

Ist die Schule schuld?

Von dieser Frage ausgehend, wälzt das Trio Überlegungen, ob es gar an der Schule im allgemeinen liege, die einst junge, neu- und wissbegierige, entdeckungs- und forschungsfreudige Kinder zu gedankenverlorenen, hirnlosen Menschen heranzüchtet? Und ob es da vielleicht Gegenmittel gebe?

Sie kommen aber auf die noch grundlegendere Frage, ob die Menschheit gar ausgerottet werden solle, oder sich selber ausrottet. „Ist das, was sich selber ausrottet, es wert, nicht ausgerottet zu werden?“, legt Autor Raoul Biltgen (der selbst im vorherigen Stück des Vereins Jugendstil „Hot Jobs“ auch selbst mitspielte) Kathrin in den Mund.

Auflockerungen

Brain
© Bild: Carina Hofbauer-Hofmann
Trotz der Schwere des Themas (Un-)Bildung, der Heftigkeit einzelner Szenen sorgen Stück und Darsteller_innen immer wieder durch (schwarzen) Humor für mögliche Lacher – und so manche Musik- und Gesangseinlage für Entspannung zwischendurch.

Brain
© Bild: Carina Hofbauer-Hofmann
BRAIN
Theater Jugendstil und Raoul Biltgen

Eine Zombie-Trash-Studie
Regie: Christian Himmelbauer
Schauspiel: Sophie Berger, Susanne Preissl, Peter Michael Kellner, Lilly Anna Janoska

Autor: Raoul Biltgen
Musik: Juci Janoska, beatpoetryclub
Regieassistent: Lilly Anna Janoska
Graphik: Desiree Wieser
Technik: Andreas Bognar

Wann & wo?

Wien
Brick 5 (Fünfhausgasse 5, 1150 Wien)
28. Februar; 1. März

Kartenreservierung: verein.jugendstil@gmx.at

Erstellt am 27.01.2015