Erwachsen werden als größtes Abenteuer?

Peter Pan, theater der Jugend, 2017
Foto: Rita Newman Szenenfoto aus "Peter Pan" in einer Fassung des theaters der Jugend/Wien

„Peter Pan“ in einer Inszenierung im Theater der Jugend mit abwesender Mutter und Tablet.

Auf der Suche nach dem inneren Kind in ihr hat sich Mrs. Darling, Mutter von Wendy und Michael nach Goa vertschüsst. Sie leben mit ihrem Vater – vorerst – allein in London. Der will nur das Beste für seine Kinder, hat wenig zeit, beruflich gestresst und speist insbesondere den Sohn mit Taschengeld ab – das er via Handy direkt neben dem ihm stehenden Michael online überweist. Blink, schon sieht der es auf seinem Tablet, mit dem er verwachsen scheint. Die Tochter ist auf Wunsch des Vaters zuständig, sich um den kleinen Bruder zu kümmern. Das sind einige der in der Version des Theaters der Jugend veränderte Parameter im mehr als 100 Jahre alten Klassiker „Peter Pan“.

Tablet wird Frisbee

Peter Pan, theater der Jugend, 2017 Foto: Rita Newman Ansonsten taucht natürlich auch hier Peter Pan fliegend am Fenster im dritten Stock auf, eines Tages reißt sich der Schatten los und bleibt im Kinderzimmer hängen. Wendy und Michael fliegen eines Tages mit Peter Pan, dem einzigen Kind, das nie erwachsen wird/werden will, ins Nimmerland. Dort erleben sie bekannte Abenteuer – nicht zuletzt mit Käpt’n Hook und den verlorenen Kindern, die er als Piraten rekrutiert. Und natürlich die Eifersüchteleien rund um die Fee Tinkerbell, Peter Pan und die aufkeimende Zuneigung zwischen diesem und Wendy. Bei den durchlebten Abenteuern geht sogar der eher verschlossene Michael aus sich heraus und spielt ganz wirklich mit den „verlorenen Jungen“ – zum Abschluss vor dem Rückflug nach London sogar mit dem Tablet als eckigem Frisbee.

Respektiert die Fantasie

Peter Pan, theater der Jugend, 2017 Foto: Rita Newman Flott inszeniert in einer Bühne, deren Elementen von den Kinderbetten zu Teilen des Piratenschiffs usw. werden, vergehen die zwei Stunden fast wie im Flug. Ein Happy End mit der Mutter kündigt sich an – vielleicht ein bissl zu viel Rückkehr in Heile-Welt-Reality samt mehrmaliger Beteuerung, dass vielleicht Erwachsen-werden das größte Abenteuer wäre, wenngleich schon das Plädoyer für ein wenig mehr Achtsamkeit Erwachsener gegenüber der Fantasie (ihrer) Kinder hängen bleiben mag.

Infos

Was? Wer? Wann? Wo?

Peter Pan, theater der Jugend, 2017 Foto: Rita Newman Peter Pan
Ab 6 Jahren; ca. zwei Stunden

von James Matthew Barrie
in einer Fassung für das Theater der Jugend von Clemens Pötsch

Regie: Michael Schachermaier

Besetzung
Peter Pan: Jakob Elsenwenger
Tinkerbell, eine Elfe: Katharina Halus
Wendy: Lisa-Caroline Nemec
Michael, Wendys Bruder: Kristóf Gellén
Käpt'n Hook / Mr. Darling: Frank Engelhardt
Smee: Uwe Achilles
Nibs: Jan Walter
Curly: Markus Feustel
Slightly: Luka Dimić
Tootles: Christina Kiesler

In weiteren Rollen: Ensemble

Bühne: Judith Leikauf und Karl Fehringer
Kostüme: Julia Elisabeth Beyer
Puppenbau: Julia Elisabeth Beyer
Puppencoaching: Katharina Halus
Kampfcoaching: Martin Woldan
Dramaturgie: Clemens Pötsch
Licht: Christian Holemy
Assistenz und Inspizienz: Eva Maria Gsöllpointner
Hospitanz: Layla Blake

Peter Pan, theater der Jugend, 2017 Foto: Rita Newman Wann & wo?
Bis 24. Juni 2017
Renaissancetheater, 1070, Neubaugasse 36
Telefon: (01) 521 10-0
www.tdj.at

(kiku) Erstellt am
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