Verantwortungs­be­wusst(los)?

Zwei „Standpunkt“-Diskussionen zum Thema „Verantwortungs BEWUSSTlose Gesellschaft“ – in Linz und Wien.

Jugendliche Diskutant_innen beim Standpunkt im Linzer O.K. im Oktober 2017 Die Schüler_innen

Update 3. November 2017, 14.11 Uhr: Die Wiener Schulen, die an der Diskussion im Radiokulturhaus teilgenommen haben, ergänzt.

Ist unsere Gesellschaft überreguliert, will niemand Verantwortung übernehmen? Darum drehten sich zwei Diskussionsveranstaltungen mit Jugendlichen in dieser Woche – eine in Linz und eine in Wien. Beide zählten zur Reihe „Standpunkt“, einer gemeinsamen Veranstaltung von Bildungsministerium und ORF-Radio. Bei den Podiumsdiskussionen dieser Reihe halten sich die Fachleute in der Regel wirklich kurz, damit die Schülerinnen und Schüler möglichst viel zu Wort kommen – in diesem Fall sozusagen gleich die Verantwortung für den Gang der Debatte und ihre eigenen Meinungen übernehmen.

Wer will?

Standpunkt, 18. Oktober 2017, Linz Foto: Ursula Hilmar Ins Linzer O.K. (offenes Kulturhaus) waren rund 130 Jugendliche aus dem Wirtschaftskundlichen (Oberstufen-)Realgymnasium der Franziskanerinnen Wels, sowie den Linzer schulen Georg-Peuerbach-Gymnasium, HLW-Auhof, HBLW Landwied, BRG Hamerling gekommen. Im Podium saßen ihnen Corinna Gerard-Wenzel vom Institut für Staatsrecht und politische Wissenschaften an der JKU Linz, David Röthler, Mitgründer und Vorstandsmitglied von WerdeDigital.at und digi4family.at sowie Oliver Stauber, Rechtsanwalt sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler gegenüber.

Auf die Frage des Moderators, Alois Schörghuber (ORF Ö1) an die Jugendlichen, wer gerne Verantwortung übernehmen wolle, meldeten sich die mehr als die Hälfte. Bei derselben Frage am Tag danach im Wiener Radiokulturhaus taten dies von ca. 210 Schüler_innen lediglich 15 bis 20. Bei der Gegenfrage hoben in Wien allerdings auch nur ca. fünf Schüler_innen die Hand – hier war die Freudigkeit, sich zu deklarieren offenbar geringer.

Eigenes Fach in Welser Schule

Standpunkt, 18. Oktober 2017, Linz Foto: Ursula Hilmar Schülerinnen des Welser (O)RG haben ein eigenes Wahlfach „soziale Verantwortung“. Zwei Jugendliche erzählten davon – der Gegentand findet nicht in der Schule, sondern in sozialen Einrichtungen – vom Kindegarten bis zum Altenheim – statt.

Der Großteil der Linzer Diskussion zirkulierte schließlich um die Verantwortung im Internet, in den sozialen Netzwerken. Pro und contra gab es zur Frage, Klarnamen oder Anonymität. Die überwiegenden Mehrheit sprach sich dafür aus, mit dem eigenen Manen für die eigenen Meinungen und Postings einzustehen. Allerdings wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass wir in Österreich den Vorzug eines demokratischen Staates genießen, in dem Meinungsfreiheit hochgehalten wird, wobei ein paar Mal das Wörtchen „noch“ hinzugefügt wurde.

Ein weiteres mehrfach angesprochenes Thema: Verantwortung müsse – wie so ziemlich alles – schrittweise erlernt werden – von der Familie über den Kindergarten und die Volksschule usw.

Wien: Verantwortung kann Freude bereiten

Standpunkt-Diskussion, Wien, Radiokulturhaus, Thema Verantwortung, Oktober 2017 Foto: Heinz Wagner Dieser Punkt spielte in Wien eine viel größere Rolle. Einen spannenden Aspekt brachte hier vor allem eine Schülerin des GRG 21 ein: Die Freude daran, Verantwortung übernehmen zu dürfen, etwa helfen zu können weniger als Bürde zu betrachten. Darauf bezogen sich einige Diskutant_innen. Andere kritisierten die „Helikoptereltern“, die vor lauter Angst und Sorge ihre Kinder so überwachen, dass diese gar keine Chance hätten, Verantwortung erlernen zu können.

In Wien waren mehr als 210 Jugendliche aus der PolyTechnischeSchule im Zentrum (1070), den Gymnasien Fichtnergasse, Ödenburgerstraße, Kandlgasse, sowie dem Wiedner und dem Goethe-Gymnasium und einer Vienna Business School gekommen. Sie diskutierten mit dem Kultur- und Sozialanthropologe sowie Teamentwickler Stefan Berecz, der Philosophin Katharina Lacina und dem Rechtsanwalt Oliver Stauber, der für eine erkrankten Podiumsgast eingesprungen war.

In manchen Beiträgen wurden auch (philosophische) Grenzbeispiele in die Diskussion geworfen, wo und inwiefern Hilfe zu leisten mit eigener Gefährdung in Widerspruch kämen oder das Recht anderer beeinträchtige. Ein wichtiges Thema war auch, entsprechendes Selbstbewusstsein zu entwickeln, um anderen Hilfe leisten zu können. Mehrfach angesprochen wurden auch die Verantwortung nicht nur für einzelne andere Menschen, sondern jene für die gesamte Gesellschaft sowie die Umwelt - sei dies eine Frage nur der Politik oder auch jeder und jedes Einzelnen?  

Und warum habt ihr gelacht?

Standpunkt-Diskussion, Wien, Radiokulturhaus, Thema Verantwortung, Oktober 2017 Foto: Heinz Wagner Spontan fragte ein Schüler, wie es um Verantwortung stehe, wenn viele lachten, als ein Diskutant, der sich zu Wort gemeldet hatte, dann als das Mikrophon bei ihm war, meinte: „Ich hab’s vergessen.“ Und da meldete sich einer der Lacher und erklärte, es sei ihm passiert, weil er solche Situationen von sich selbst kenne.   

Fotos von der Wiener Diskussion

Insert der Podiums-Teilnehmer_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Die Schüler_innen Schüler_innen mit Blick aufs Podium Schüler_innen mit Blick aufs Podium Schüler_innen mit Blick aufs Podium Das Podium: Erlebnispädagoge Stefan Berecz, Alois Schörghuber (Moderator), Philosophien Katharina Lacina und Rechtsanwalt Oliver Stauber Blick vom Podium auf die jugendlichen Teilnehmer_innen im Sendesaal des ORF-Hörfunks Blick vom Podium auf die jugendlichen Teilnehmer_innen im Sendesaal des ORF-Hörfunks Lehrerin fotografiert vor Beginn der Diskussion ihre Klasse

Beide Diskussionen können in voller Länge sowohl in jeweils drei Teilen im Live-Stream im Campus-Radio an- als auch später auf schuelerradio nachgehört werden – Infos unten.

Infos

Die Diskussionen zum An- und Nachhören

Standpunkt ist eine gemeinsame Veranstaltung vom Bundesministerium für Bildung und dem ORF. Der KURIER ist Partner des Redaktionsteams. Organisatorisch durchgeführt wird die Diskussionsreihe von KeyKontakt PR, angesiedelt bei KulturKontakt Austria.

Zum Anhören gibt’s die Diskussionen jeweils in drei Teilen als Live-Stream
jene aus Linz: 24., 25. Und 26. Oktober 2017, jeweils 19.30 bis 20 Uhr
jene aus Wien: 31. Oktober, 1. Und 2. November 2017, jeweils 19.30 bis 20
und zwar unter: http://oe1.orf.at/campus

Und zum Nachhören unter: www.schuelerradio.at

(kiku) Erstellt am
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