Kiku
04.02.2018

Sein Kampf darum, Schauspieler zu werden

Bewegendes, berührendes Monodrama eines internationalen Talents in der Wiener Brunnenpassage.

Wir erleben in knapp mehr als einer Stunde einen äußerst wandlungsfähigen Schauspieler. Er kann sowohl seine verschleierte Mutter spielen, die aus dem Tuch rund um ihren Kopf ein Baby formt, aber auch den kleinen Buben, der davon zu träumen beginnt, Schauspieler zu werden, auch wenn er in seinem Dorf dafür für verrückt gehalten und angefeindet wird. Dann wieder ist er eine Mitschülerin, einer seiner (strengen) Lehrer, ein Jugendlicher, der über die 12 Meter hohe Mauer klettert, um Früchte von einem Baum zu pflücken, Schauspielschüler und gleichzeitig Teller-Wäscher in einem Restaurant, um sich die Ausbildung leisten zu können, Workshop-Leiter in einem Schauspielkurs – und immer der leidenschaftliche Schauspieler, der er schon von Kind an sein wollte - nun aber gepaart mit professionell erlerntem „Handwerk“, viel mehr aber Gesichts- und Körperwerk.

Persönliche wird zur allgemeinen Geschichte

Diese allgemeine Geschichte erzählt der Schauspieler anhand seiner eigenen, höchstpersönlichen Entwicklung – samt den Komplikationen mit denen er konfrontiert ist, weil er Jihad Al-khatib heißt. In Saudiarabien geboren, in Palästina aufgewachsen, mehrmals zu Studienaufenthalten in Deutschland und Italien, kam er 2015 nach Österreich. Sobald er seinen Namen sagte, sah er sich meist entgeisterten Gesichtern gegenüber. „Oh mein Gooooott“ sozusagen.

Mit Regisseurin Bayan Shbib erarbeitete er aus seiner persönlichen Geschichte dieses spannende, berührende Monodrama mit ganz, ganz wenigen Requisiten – erzählt vor allem durch seine Bewegungen, seine ausdrucksstarke Mimik und gar nicht allzu vielen (englischen) Worte.

Der Name?!

Abgesehen davon, dass er – wie natürlich jede und jeder – nichts für seinen Namen kann, bedeutete der ursprünglich nichts anderes als persönlicher Kampf, Anstrengung, Bemühung ein (gott-)gerechtes Leben zu führen, wurde aber nicht zuletzt durch die Kaperung durch den IS für den bewaffneten Kampf in Misskredit gezogen. „Wir sind nicht verantwortlich dafür, wenn jemand den Namen falsch verwendet“, sagt der Schauspieler in dem Stück. Er spricht auch an, mehrmals den Ratschlag bekommen zu haben, den Namen zu ändern. Im oberösterreichischen Perg rufen sie ihn alle nur Marcelo, der aussieht wie ein Brasilianer und wunderschöne Haare hat.

Wer bin ich?!

„Aber das bin nicht ich. Wir sind der Name, den wir tragen, würde ich meinen Namen ändern, würde ich meine Persönlichkeit verleugnen“, meint er nach dem Stück zum KiKu. Seine Persönlichkeit ist ein steter Kampf – nicht zuletzt darum, Schauspieler zu werden – und sein zu dürfen. „Das ist etwas wofür ich durchaus bereit bin zu sterben. Wenn wir nicht für etwas so brennen, dass wir dafür sterben würden, dann haben wir auch nichts wofür es sich zu leben lohnt!“

Fotos vom Auftritt in der Brunnenpassage

Fotos vom Auftritt in der Brunnenpassage

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Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage

Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage

Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage

Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage

Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage

Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage

Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage

Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage

Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage

Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage

Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage

Szenenfoto aus dem Melodrama von Jihad Al-khatib in der Wiener Brunnenpassage