Kiku
17.03.2016

Der mit der Wölfin redet

Jonas Hartmann ist der ideale Uorsin/Ursli.

An 39 von 40 Drehtagen war Jonas Hartmann (13) im Einsatz. Er spielt einen wunderbaren Schellen-Ursli. „Der passt gut zu mir und ich gut zu ihm“, resümiert der Churer gegen Ende des Gesprächs. Dabei begann der Einstieg in Hartmanns ersten Film nicht leicht. Er hatte sich, wie Laurin Michael, der den Roman spielte, für ein Casting im Heidi-Film beworben und darauf gehofft, den Geißen-Peter spielen zu dürfen. „Als es dann immer enger wurde, die letzten zehn, die letzten fünf, da hab ich meine große Chance schon gewittert. Als dann die Absage kam, war ich schon etwas enttäuscht. Aber dann haben sie mich angefragt für den Schellen-Ursli. Und das war echt gut.

Dass es im Film mehr geben musste als im Buch, „war mir klar, aus dem Buch kann man ja keine eineinhalb Stunden Film machen“. Wegen der Szenen mit der Wölfin „sind wir schon zwei Wochen vor dem Dreh ins Engadin gefahren, um uns aneinander zu gewöhnen. Die Wölfin war sehr schüchtern und zurückhaltend. Wir sind dann mit ihr oft spazieren gegangen. Wie sie das gemacht haben, dass das Tier im Film manchmal schon gefährlich wirkt, weiß ich nicht.“

Leidenschaft ausleben

Aber seine Leidenschaft für Tiere – „wir haben zwar nur eine Katze und einen Hund“ – konnte er im Film ausleben und ausnützen. „Wenn ich irgendwo ein Tier sehe, dann nähere ich mich gleich gern an und beginne mit ihm zu spielen. Ich mach das gern. So ein Tier ist dann wie eine Art Bruder. Obwohl ich spiel schon mit meinem echten Bruder gern, natürlich auch mit meiner Schwester, aber...“ und wenn die Rede auf Tiere kommt, wirkt Jonas noch mal emotionaler als bei den menschlichen Geschwistern. „Am Filmset sind mir ja auch die Ziegen nicht von der Seite gewichen. Und mit dem Wolf da hatte ich den Dreh recht schnell raus.“

Glocken-Rodelfahrt

Die Szenen mit dem Wolf zählen auch zu seinen Lieblingsdrehs – „und die Glocken-Schlittenfahrt“. „Schellen-Ursli“ fährt gegen Ende auf der riesigen Glocke sitzend wie auf einer Rodel den tief verschneiten Berg hinunter. „“Das war zwar lustig und spaßig, aber schon auch ... huch ... sehr schnell bis zu 50 km/h. Und da kannst du dann nicht so Slalomkurven fahren wie beim Skifahren. Und manchmal fällst oder springst du wie in ein Loch. Da hatte ich dann schon ein bisschen... na sagen wir irgendwie Angst.“ Damit die Glocke auch wirklich als Schlitten funktionierte, war unten dran ein Snowboard montiert. Als beim letzten, gewaltigen Sprung von unten gefilmt wurde, „war das nicht ich, das wäre doch zu risikoreich gewesen“. Da saß eine Stuntfrau auf der riesigen Glocke.

Nach einem Lawinenabgang ist Uorsin im Schnee verschüttet. „Da war ich schon ganz eingebuddelt und mit Hundefutter eingerieben, damit der Wolf das schmeckt (wie Schweizer zu riechen sagen). Aber da hab ich dann doch auch immer wieder den Schnee von unten nach oben gedrückt, bis ich endlich auferstehen konnte wie ein Zombie“, weil alle ihn zu dem Zeitpunkt im Film ja schon für tot gehalten hatten.

Auf Trab gehalten

Insgesamt „hat mit der Dreh schon ganz schön auf Trab gehalten, das war echt sportlich“. Und Sport ist auch sein liebstes Hobby. Drei Mal in der Woche trainiert er Unihockey (eine Art Hallenhockey, das von Schweden, Finnland und der Schweiz entwickelt wurde, bei dem aber – wie beim Eishockey – auch hinter dem Tor gespielt werden darf). Dazu gesellt sich noch Volleyball und im Winter Skifahren.

Schellen-Ursli „war mein erster, aber hoffentlich nicht mein letzter Film“, hofft der 13-Jährige auf Folgeprojekte, auch wenn ihm das Star-Sein und fotografiert werden „schon Spaß macht, aber manchmal dann doch auch nervt, wenn ich nur schnell wohin will, und alle wollen ein Foto und eine Unterschrift“.

Dadurch, dass er beim Dreh fast immer im Einsatz war, hab ich nicht so viel mit der Privatlehrerin lernen können und muss jetzt doch einiges nachlernen, dafür hab ich was Cooles erlebt“.