Kiku
30.01.2015

Reden, die sprachlos machen

Jugendliche sprachen bewegend bei der letzten Regionalrunde. Jungreporterinnen berichten.

Am Dienstag, den 27. Jänner fand im Wiener Stadtschulrat die letzte der insgesamt 9 Regionalrunden des mehrsprachigen Redewettbewerbes "Sag’s Multi!" statt. Von insgesamt 537 TeilnehmerInnen aus ganz Österreich präsentierten rund 30 Jugendliche ihre Reden zu wichtigen Themen wie z.B.: "Da komm ich her, da will ich hin", "Anders, was ist schon normal" oder "Ich mach die Welt wwwie sie mir gefällt". Im gesamten Wettbewerb wurde auf 55 unterschiedlichen Sprachen vorgetragen und es gab in den Jahren davor noch nie so viele RednerInnen.

Um 9 Uhr begann es mit der Begrüßung durch die Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl und Meri Disoski vom Verein Wirtschaft Für Integration (VWFI) und es folgten tolle Konzentrazionsübungen vom UNIQA-VitalCoach Bernie Url.Die Jugendlichen sprachen über alle möglichen Themen, zu denen sie ihre eigene Meinung äußerten. Alle sind stolz darauf, ausländische Wurzeln zu haben.

Reden und Handeln

Eine besondere Kandidatin war Siba Auf. Sie ist 15 Jahre alt und besucht das Albertus Magnus Gymnasium in Wien. Sibas Familie stammt ursprünglich aus Syrien, sie ist in Österreich geboren. Da ihre Eltern aus Syrien stammen und die derzeitigen Konflikte natürlich mitbekommen haben, haben sie sich dazu entschlossen, eine Hilfsorganisation in Wien für Flüchtlinge aus Syrien zu beginnen. Siba war begeistert. In den Sommerferien ist sie gemeinsam mit ihren Eltern in den Libanon geflogen und hat in einem Flüchtlingslager mitgewirkt.

Ihre Rede hat auch viel mit ihrer Erfahrung zu tun gehabt. Das Mädchen hat berichtet, wie sich das Leben dort angefühlt hat. Sie sagte, dass sich ihre Ansichten enorm verändert haben. Ihre Perspektive ist jetzt anders und sie schätzt jetzt mehr, was sie besitzt.

Siba schwärmte von den Menschen, die trotz ihrer Verluste noch lächeln konnten und den magischen Momenten, an denen sie diese Freude mitfühlen konnte. Wie das Leben hier und dort aussieht. Wie manche jeden Tag mit heißem Wasser baden und andere Kilometer weit gehen, um Trinkwasser zu finden. Siba brachte alle dazu, nachzudenken. Jeder Anwesende in diesem Raum war sprachlos und durch ihre bewegende Rede haben wir unseren Besitz mehr zu schätzen gelernt.

Rednerin macht sprachlos

Gegen Ende des ersten Nachmittagsblocks gingen alle sprachlos aus dem Raum hinaus in die Pause. Die "Schuldige", die allen die Sprache geraubt hat, heißt Samira Puthuparambil. Ihr Thema war "Gleiche Rechte, gleiche Pflichten". Gleich am Anfang erzählte sie über ihre Cousine, Prianka, in Indien.

Sie ist genauso alt wie Samira und sie haben die gleichen Pflichten, denn auch sie muss sich an die Verkehrsregeln halten und ihrer Mutter im Haushalt helfen, doch auch wenn sie viele Gemeinsamkeiten haben, sind ihre Leben sehr unterschiedlich. Prianka darf kein Kind sein. Sie muss die doppelte Pflicht tragen, denn in den Entwicklungsländern, wie es Indien auch ist, sind Kinder Erwachsene. Sie müssen sich demnach auch so verhalten. Viele werden bereits im Kindesalter verheiratet und als junge Mädchen Mütter.

Doch das findet Samira nicht gut. Warum dürfen wir in Europa Kind sein und in Indien nicht? Warum werden Männer in manchen Gebieten bevorzugt, wenn die Frauen etwas vielleicht sogar besser können? Berechtigte Fragen, doch keiner gibt eine verständliche Antwort darauf.

Gerechtigkeit will jeder, doch was tun wir dafür? Sie zeigte uns, dass wenn sie etwas bewegen kann, es auch wir können. Wir müssen uns nicht klein fühlen, denn auch eine Baumwurzel entwickelt sich später zu einem prächtigen Baum. Ihre starke Rede machte uns Hoffnung und man sah die vor Stolz strahlenden Augen ihrer Eltern deutlich!Danke dafür.

Wirklich gleiche Chancen?

Eine besonders interessante Rede wurde von Tobias Ofner auf Deutsch und Tschechisch vorgetragen. Der 14-Jährige äußerte seine Meinung zum Thema "Schafft Schule Chancengleichheit?" und gab anhand seines Freundes Stefan einen guten Vergleich.

Stefan leidet an einer Mentalbehinderung. Eines Tages erzählte dieser Tobias voller Begeisterung, dass er einen Arbeitsplatz gefunden hatte. Er durfte Hemden reinigen. Stefan hat durch seine Krankheit keine Chancen auf einen anspruchsvolleren Beruf, doch er macht das Beste aus seinem Leben und genießt es. Er ist Tobias' Vorbild.

Ein paar Tage später regte sich ein Bursche aus Tobias' Klasse darüber auf, dass er "nur" eine AHS besuchen kann und nicht, wie er es sich wünschen würde, eine HTL.

Tobias versteht nicht, warum man sich über alles ohne jeglichen Grund beschweren muss. Er meint, es sei vollkommen absurd, sich darüber zu beschweren, eine Matura abschließen zu dürfen und dann die Chance auf den Beruf seiner Wahl zu bekommen.Amber Ward, 13 Shinkay Mangal, 14