Kiku
01.04.2017

Viel Lachen bei der Tragödie

Nah am Original: Shakespeare als Freude und Lust am (Schau-)Spiel von jungen Bühnen-Schüler_innen im Wiener Off-Theater.

Drei – vor allem im ersten Teil vor der Pause – kurzweilige Stunden „Romeo & Julia“ in Shakespeare’scher Tradition. Ein Dutzend junger Schauspielerinnen und Schauspieler knapp vor dem Ende ihrer dreijährigen Ausbildung spielen im Wiener Off-Theater das möglicherweise meistzitierte, häufig gespielte, oft verfilmte Stück des genialen Dramatikers. Und sie bringen auch jene Elemente auf die Bühne, die viel zu oft „vergessen“ werden.

Die wurden hier nicht dazu erfunden, um die Tragödie der Liebe zweier verfeindeter Clans/Häuser/Familien aufzulockern, sondern stammen aus des Meisters Feder selbst. Immerhin waren seine Stücke ja Volkstheater im wahrsten Sinn des Wortes – zum Gaudium des Publikums. Die humorvollen, teils clownesken „Nebenfiguren“, brechen immer wieder auch die tragischen Momente. Lassen letztere sozusagen leichter schlucken und verdauen.

Massen-Keilerei mit Stangensellerie

Gestartet wird mit einem parodierten „Volare“, DEM klassischen italienischen Schlager, der auch noch unverdrossen weiter intoniert wird, wenn die Angehörigen der Capulets und der Montagues in einer Massenkeilerei mit Stangensellerie und Pölstern aufeinander losdreschen. Hier und in der Folge vor allem im ersten Teil vor der Pause entlädt sich pure Spielfreude der Bühnen-Schüler_innen. Am besten immer dann, wenn sie Textfassungen haben (sie bedienten sich bei verschiedenen Übersetzungen) die zu ihrer Sprache geworden ist, selbst dort wo aufs Shakespeare’sche original-Englisch zurückgegriffen wird. Hin und wieder wirken Auftritte verkrampft, wenn Text eher aufgesagt wird.

Im Wesentlichen aber läuft die Fassung rasant und turbulent über die eher kleine Bühne in dem zum Bersten mit Publikum gefüllten Theaterraum ab. Nicht zuletzt auch durch die Vervierfachung der Hauptfiguren – jeweils drei leibhaftige Julias und Romeos sowie ein praktisch geschlechts- und gesichtsloses weißes Stoffpuppenpaar, das durch gekonntes Spiel zum Leben erweckt wird.

Überzeugendes Ensemble

Aus der überzeugenden Ensemble-Leistung der 13 (in 25 Rollen) ragen doch zwei „Nebenfiguren“ heraus: Diener Peter, in dem Regisseur Andreas Simma mehrere der Shakespeare’schen clownesken Dienerfiguren, die vor allem immer wieder bei ihrem Abgehen auftauchen und herbe Momente brechen, verdichtete, trägt hier obendrein Puck-artige Züge. Ob dramatisch oder lachhaft – Valerie Huber spielt den genial, eine wahrhafte Entdeckung. Gleiches kann über Lena Taferner gesagt werden, die vor allem die derben Züge der Amme sehr überzeugend rüberbringt.

Was? Wer? Wann? wo?

ROMEO und JULIA
von William Shakespeare

Es spielt die Abschlussklasse 2017: der Schauspielschule Krauss

Regie: Andreas Simma
Choreographie und Coaching: Adriana Salles

Bruder Lorenzo/Romeo/Musiker: Paul Graf
Lady Capulet/Musikerin: Shirina Granmayeh
Fürst Escalus/Bruder Johannes/Erzähler_in: Xenia Hawlé
Julia/Peter (ein Diener): Valerie Huber
Mercutio/Sir Montague: Max Kolodej
Romeo: Sebastian Malfèr
Tybald/Apotheker: Jakob Oberschlick
Julia/Tybalds Diener: Veronika Petrović
Graf Paris/Lady Montague: Henrietta Rauth
Romeo/Sir Capulet: Johannes Sautner
Julia: Valentina Schatzer
Amme/Tybalds Diener: Lena Taferner
Benvolio/Musiker: Nikolaas von Schrader

Körperarbeit: Kari Rakkola
Regieassistenz: Xenia Hawlé und Shirina Granmayeh
Produktionsassitenz: Shirina Granmayeh
Kostüme: Shirina Granmayeh und Lena Taferner, assistiert von Henrietta Rauth, Valentina Schatzer, Jakob Oberschlick, Johannes Sautner, Xenia Hawle, Paul Graf und Valerie Huber
Marionetten: Paul Graf
Requisiten: Sebastian Malfér und Xenia Hawle
Musik: Nikolaas von Schrader, Shirina Granmayeh und Paul Graf
Licht und Technik: Simon Brader und Gerog Roppatsch
Gefechte arrangiert von Cornelia Dworak und Andreas Simma

Wann & wo?
Bis 3. April 2017; 19.30 Uhr
OFF-Theater/Open Box; 1070, Kirchengasse 41
Telefon: (01) 5124324
office@schauspielschulekrauss.at
www.schauspielschulekrauss.at