Szenenfoto aus "Robinson - Meine Insel gehört mir"

© Barbara Pálffy/Plaisiranstalt

Robinson ganz anders
05/29/2016

Meins, aaaalleeeees gehört mir!

"Robinson - Meine Insel gehört mir": Wenn sich einer allein auf einer Insel nicht über andere freut, sondern Angst davor hat - und Zäune baut.

von Heinz Wagner

Eine ganz andere Geschichte von Robinson auf der einsamen Insel. Die, dass er gar nicht gerettet werden will, sondern sich darüber freut, unumschränkter Herrscher und Besitzer des Eilandes zu sein. Doch halt, seine Freude wird getrübt. Stark sogar: Von der Angst, dass da andere kommen und ihm sein Eigentum streitig machen könnten. Also, ... aber halt, der Reihe nach.

"Witze"

Zu Beginn: eine leere Bühne, Geräusche, die an Meereswellen erinnern. Heller Lichtkreis, wie wenn jemand mit einer Taschenlampe etwas suchen würde. Unter dem grauen Vorhang rollt sich ein bärtiger Mann hervor. Slapstickartige Bewegungen im Lichtkegel – fast wie in einem Stummfilm – mit Musik untermalt.

Der Mann im grauen Anzug beginnt zu reden – als wäre er Entertainer auf einem Kreuzfahrtschiff. Da – in der Ferne auf einer kleinen Insel ein Mann der winkt. Der Kapitän: „Das macht er jedes Jahr, wenn wir vorbei fahren!“ – Das erste Mal, wo das Lachen nach kurzem zum Schämen führt.

Genial, so auf den Punkt gebracht und trotzdem nie verkopft, „lehrreich“, aber nicht oberlehrerhaft, wenngleich besonders am Anfang nach den erzählten Witzen – Insel, zwei Männer, Fee. Der erste wünscht sich nach Hause. Der zweite den ersten wieder her, damit er nicht so alleine ist.

Unumschränkt...

Nach der ersten Freude über die unumschränkte Herrschaft beginnt Angst und Furcht Robinson zu ergreifen. War da nicht ein Geräusch? Also, Holz fällen, Zaun bauen. Und eine Leiter, um selber drüber schauen zu können. Kontrollgänge auf der Insel... – all das erzählt Sven Kaschte – einzige Hilfsmittel: ein Overhead-Projektor, ein Stift, Papier und Folien. Und doch wird es im Augenblick des erzählten Spielens/des spielerischen Erzählens auf der Bühne wie sichtbar. Immer mehr steigert er sich in seine Angst in seinen Kontrollwahn hinein.

... begrenzt

Und dann. Dann taucht da ein zweiter Mann auf (Klaus Huhle), ähnlich gekleidet wie er, gleiches Schicksal, Boot im Sturm zerstört, auf der Insel gestrandet. Nur weiß-graue Haare hat er am Kopf. Ein Zweiter? Oder nur eingebildet er selbst, nur älter geworden? Nein, es ist ein Fremder. Aber was will der hier. Es ist sein Land. Der Fremde ist bedrohlich, will ihm alles wegnehmen – auch wenn der nicht die geringsten Anstalten dazu macht. Aber er ist doch das Volk. Sein Recht, „Alles meins!“...

Das Ende sei bewusst nicht verraten, ein bisschen Überraschung und Hoffnung soll doch noch bleiben...

Übrigens: Im Programmzettel wird Daniel Defoe, der Autor von Robinson Crusoe, mit einem wunderbaren Satz zitiert: „Furcht vor Gefahr ist zehntausendmal beängstigender als die Gefahr selbst.“

Was? Wer? Wann? Wo?

Robinson - Meine Insel gehört mir
Plaisiranstalt & Odeïon
Schauspiel, eine Stunde; ab 8 Jahren

Autor: Raoul Biltgen
Regie: Paola Aguilera
Schauspiel: Klaus Huhle, Sven Kaschte

Produktionsleitung: Barbara Schubert
Regieassistenz: Fidelis Hochstetter
Hospitanz: Julia Falbesoner

Wann & wo?
Bis 1. Juni 2016
Dschungel Wien, 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

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