Kiku
24.03.2017

Kampf um Troja als Comic-Sportreportage

„Troja – Die Geschichte mit dem Pferd“ - 10 Jahre Krieg in 80 sehr kurzweiligen Minuten im Comic-Stil im Wiener Rabenhoftheater.

10 Jahre Krieg in 80 Minuten und das im Rahmen einer mit sehr viel Situations-, manchmal auch Sprachwitz gewürzten Art Sportreportage – das ist „Troja – Die Geschichte mit dem Pferd“ im Rabenhoftheater (in Kooperation mit dem Theater der Jugend). Es ist dies der dritte antike Klassiker in dieser Form (nach Argonauten und Theseus).

Kurz die antike Story

Warum sitzen wir hier eigentlich drin, fragt zu Beginn einer der griechischen Kämpfer seine beiden Kampfgefährten. Das Trio ist in der wohl berühmtesten hölzernen Skulptur versteckt, dem Pferd, das die Griechen nach zehn Jahren erfolgloser Belagerung vor den Toren der trojanischen Mauer zurücklassen. Die bekannte List: Die Trojaner (sicher nicht zufällig heißen gefährliche Computerviren so) freuen sich, ziehen das Pferd in die Stadt, in der Nach klettern die drei raus, öffnen von innen die Tore und die vermeintlich schon abgezogenen Griechen stürmen die Stadt, erobern sie nicht, sondern legen sie in Schutt und Asche. Das wollte der Griechen-Heerführer Agamemnon schon lange, bevor sich ein passender Anlass ergab. Der Anlass war die berühmte Sache mit dem Apfel – für die schönste von drei Göttinnen. Göttervater Zeus, den sie fragen wollen, will sich den Mund nicht verbrennen, überlässt das Urteil einem Erdling, dem Trojaner Paris. Der wählt die Liebesgöttin, weil sie ihm die schönste Frau auf Erden, Helena, verspricht. Pech, die ist mit Menelaos verheiratet und der ist Bruder von Agamemnon, dem kriegslüsternen, diktatorischen Heerführer... Helena und Paris hauen nach Troja ab, wo sie auch nicht sehr erfreut sind, weil sie damit den Krieg kommen sehen. Und so kommt’s auch....

Sportreportage

All das erzählt einer der im Pferd Sitzenden dem Fragenden. Natürlich wird die Erzählung gespielt – in einer Art Live gespieltem Comic – von der Zeichnung vieler der Figuren bis zum Outfit. Und oben im Olymp schaut der Göttervater Zeus immer wieder durch eine Art Falltür auf die Erde. Ganymed tritt als Sportreporter auf, verwendet Floskeln wie sie aus allzu vielen Fußballübertragungen bekannt sind, vom tief stehen, kein Durchkommen durch die Mauer, vom zentralen Mittelfeld, Ausputzer, totale Offensive samt „Schlachtgesängen“ wie „steht auf, wenn ihr Griechen seid...“ offensive usw...

Ganymed, übrigens der antiken Mythologie zufolge Sohn des trojanischen Königs Tros und als der „Schönste aller Sterblichen“ beschrieben soll ein Geliebter von Zeus gewesen sein, spielt hier ein bisschen die Rolle, die gemeinhin Hermes zukommt. Und so wie Agamemnon die Flucht Helena mit Paris vor ihrem ungeliebten Ehemann nur als Vorwand nimmt, um endlich Krieg gegen Troja führen zu können, so werden auch diverse Zitate eingestreut, die durchaus aus dem Hier und Jetzt stammen könnten – von den Illegalen, die unsere Frauen rauben – um Hetze betreiben zu können.

3000 Jahre nix gelernt?

Die witzige, flotte, rasante, kurzweilige Version mit ihren vielen Lachern lässt vielleicht sogar – mit (Nachspiel-)Wirkung – die erschreckende Erkenntnis sickern: 3000 Jahre und nichts gelernt? Macht um jeden Preis. Ein Streit – herrlich willkommen als Anlass, erst gegen die anderen zu hetzen, um dann eine gegnerische Stadt – und natürlich deren Menschen - zu vernichten... ;(

Eine schwache Hoffnung vielleicht das sozusagen im Abspann ertönende Song-Contest-Siegerlied der damals 17-jährigen Nicole (Deutschland) aus dem Jahre 1982 „Ein bisschen Frieden“. Oder doch nicht, immerhin traf das Lied sozusagen den damaligen Zeitgeist mit großer weltweiter Friedensbewegung. Wenige Jahre später fiel auch die Berliner Mauer. Und heute, 35 Jahre später? Mauerbau der USA gegen Mexiko, nationalistische Hetze in vielen Ländern... ;(

Was? Wer? Wann? Wo?

Troja
Die Geschichte mit dem Pferd
Rabenhoftheater In Kooperation mit dem Theater der Jugend
ca. 80 Minuten, ab 11 J.

Buch und Regie: Roman Freigaßner-Hauser
Besetzung
Helena, Kassandra, Ganymed: Saskia Klar
Paris, Patroklos, Sinon, Chryses, Beta: Okan Cömert
Hektor, Kalchas, Pallas Athene, Gamma: Adem Karaduman
Agamemnon, Apollon, Hera, Alpha: Markus Kofler
Odysseus, Priamos, Zeus, Menelaos: Reinhold G. Moritz
Aeneas, Achill, Diener, Aphrodite: Michael Schusser

Dramaturgie: Fabian Pfleger

Bühne und Video: Dominique Wiesbauer
Kostüme: Julia Klug
Musik: Josch Russo
Lichtdesign: Harald Töscher
Maske: Verena Eichtinger, Anna Dreo, Jutta Pokorny, Isabella Gajčić

Regie-Assistenz: Bernhard Bachner
Ausstattungs-Assistenz: Veronika Tupy
Kostüm-Assistenz: Carola Pizzini

Produktionsleitung: Abdula Dervisoski


Wann & wo?
Bis 21. Mai 2017
Rabenhoftheater; 1030, Rabengasse 3
Telefon: (01) 712 82 82
www.rabenhof.at