Kiku
02.12.2016

Aufs Korn genommen: Die Döflinge, pardon Höflinge

Vergnügliche Version von „Des Kaisers neue Kleider“ im Wiener Rabenhoftheater.

Eineinhalb vergnügliche Stunden mit so manch politsatirischen Anspielungen bereitet die Version des bekannten Märchens „Des Kaisers neue Kleider“, die Anfang Dezember im Rabenhoftheater Premiere hatte. Allerdings ist hier nicht der Herrscher selber der Blöde. Sehr witzig aufs Korn genommen werden seine beiden wichtigsten Minister. Speichellecker, A... kriecher, selber unfähig, aber schon lange im Dienste des Kaiserhauses, wollen sie heimlich selber regieren und versuchen den neuen jungen Kaiser, den seit Vater eher für unfähig hielt, von „den Völklingen“ fernzuhalten. Er dürfe überhaupt nur mit „Höflingen“ reden. Das besage Regel Nummer 18.

Regel-Flut, Regel-Wut

Die zieht Eduard, so der Name des jungen Kaisers, in Zweifel. Dafür aber gebe es Regel 42 – so die Unterläufel, die meinen, eigentlich selbst zu herrschen. Die besage, dass Regel 18 nicht aufgehoben werden dürfe. Und dafür wieder 57, 78, 84, 88, 96, 107, 128, 134, 176, 294 sowie 527. Jede dieser Regeln legt wieder fest, dass die zuvor genannte unumstößlich wäre. Sein Gfrett mit den vom Hofstaat festgeschriebenen Gesetzen beginnt beim Schachspiel, wo er eigentlich verloren hätte, aber einfach ein Turm aus dem Hut gezaubert wird, der die Schachmatt gebende Dame schlägt. Irgendwie fad, dass Regel 12 besagt, der Kaiser darf nie verlieren. Das findet nicht nur Marie, die Tochter des Kochs, der neben dem Zubereiten der Speisen aus Karotten und Gurken Instrumente fürs Gemüseorchester schnitzt.

Ein Hauch von Nichts

Da der für die neue Kleidung bei der Antrittsrede zuständige Minister nur Garderobe auffährt, die den jungen Kaiser eher an Faschingsumzüge erinnert, kommt ihm Marie zu Hilfe, sie kenne die besten Schneider-Geschwister... Wie und wo sie diese auftreibt, sei hier natürlich nicht verraten. Klar, „zaubern“ sie aus einem Hauch von Nichts - eben nichts. Da hält sich die Version an Hans Christian Andersens Märchen. Auch, dass die Minister, die nicht zugeben wollen, nichts zu sehen, vom „Meisterwerk“ schwärmen... Abers sonst... – nun auch darüber wollen wir hier den Mantel des (Ver-)Schweigens breiten – um die Pointe im RabenHOF nicht vorwegzunehmen.

Was? Wer? Wann? Wo?

Des Kaisers neue KleiderMärchenklassiker von Hans Christian Andersen im Rabenhof-Outfit für Kinder und Junggebliebene 80 Minuten, ab 6 Jahren

Buch und Regie: Roman Freigaßner-Hauser

mit: Saskia Klar, Okan Cömert, Bernhard Majcen, Michael Schusser

Ausstattung: Dominique Wiesbauer

Kostüme: Miriam Draxl

Musik: Josch Russo

Wann & wo?Bis 26. Februar 2017Rabenhoftheater (In Kooperation mit dem Theater der Jugend)1030, Rabengasse 3Telefon: (01) 712 82 82www.rabenhof.at