© Anna Agliardi

Performance
05/13/2016

Fuchs oder Opfer?

"Der Fuchs": Eineinhalb Stunden Vollgas-Performance im Brick5 (Wien-Fünfhaus).

von Heinz Wagner

Von vielen beim Reinkommen in den Raum gar nicht so wirklich bemerkt, hängt ein Mann mit Armen und Beinen an einem Stock hängend – in Folie gepackt (natürlich mit Luftlöchern) – wie ein Tier das nur mehr auf Gegrillt-werden wartet. Rundherum stehen brennende Kerzen und Flaschen mit Wasser. Eine Art Prolog zum Stück „Der Fuchs“.

Und dann!!! Ja, dann befreit er sich, tollt auf der kleinen Fläche zwischen den Kerzen und Flaschen herum, zuckt vor Energie aus, tanzt, turnt, klemmt sich Flaschen zwischen die Knie, wirft sich auf den Rücken, rollt sich fast zusammen, um auf diese Weise das Wasser in seinen Mund rinnen zu lassen, springt auf, wiederholt die Aktion, tritt zuletzt die Kerzen mit den bloßen Fußsohlen aus. Bist du der Fuchs oder das Opfer?! Immer wieder schleudert er die auffordernde Frage oder fragende Aufforderung ins Publikum.

Schubkraft ins Nirgendwohin

Und rauf geht’s über eine Wendeltreppe in den ersten Stock – mit der „Schubkraft ins Nirgendwohin“. Zwischen Sofa, einer Hängeschaukel, einer Matratze und einem Schaukel-Esel agiert der Schauspieler, dem der Regisseur das Stück sozusagen auf den Leib geschrieben hat, entfesselt – körperlich und geistig. Zu Techno-Beats tanzend, Bässe wummern lassend, über Partys, Paarung(sversuche), Wildheit und nicht zuletzt Berlin philosophierend – „wenn du nicht weiter weißt, dann geh nach Berlin...“ Das hilft zwar nicht direkt, aber sowas von Lebensgefüüüüühl!

Privat - Politisch

Das während der 68er-Bewegung erstmals breit thematisierte Verhältnis zwischen Privat und Politisch ist ebenso Teil des Stücks wie Masse und Macht – „nie ist das Individuum blöder als in der Masse“, der „ Terror der Liebe“, der von der Erreichung des eigenen Lebensoptimums abhalten könne, der Ablehnung von Mauern, Zäunen, ja Wänden und dem Zweifel daran, dass die Menschheit wirklich die Krönung der Schöpfung wäre, wie oft behauptet. In einem Wald hingegen stehen Bäume nah beieinander, lassen einander aber so viel Abstand, dass alle Platz und Luft zum Wachsen haben.

Raum (lassen)

Aber ist der Fuchs, der da so voller Power viele richtige Fragen stellt und Vollgas lebt nicht vielleicht selbst einer, der den anderen wenig Raum und Luft lässt...?
Fragen sollen ja noch weiterwirken. Jedenfalls im wahrsten Sinn des Wortes mitreißende eineinhalb Stunden Turbo-Performance in – fast durchgängig – höchster Geschwindigkeit mit seltenen ruhigeren Momenten.

Was? Wann? Wo?

Der Fuchs
Eine Produktion der new space company

Regie: Volker Schmidt
Es spielt: Daniel Wagner
Bühne: Thea Hoffmann-Axthelm
Kostüme: Svenja Gassen
Musik: Josch Russo
Produktion: Julia Haas
Assistenz: William Eggert

Wann & wo?
24.,26. Mai, jeweils 20.30 Uhr
brick 5, 1150, Fünfhausgasse 5
Telefon: 0676/ 5410677
info@brick-5.at
www.newspacecompany.at/

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