Nicht nur "Max" war erstmals in der Oper

Nein zu arm und krank, Staatsoper
Foto: Karl Satzinger Staatsoperndirektor Dominique Meyer zeigt Gästen der Aktion "Max geht in die Oper" eine der Künstler_innen-Garderoben

"Max geht in die Oper" der Initiative "NEIN ZU KRANK UND ARM" sucht KulturpatInnen, die Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen Türen öffenen

Der oberste Boss persönlich empfing die Gäste beim Bühneneingang und führte sie durch das riesige Haus an der Wiener Ringstraße. Das macht Dominique Meyer nur selten. Als Direktor der weltberühmten Wiener Staatsoper hat er ja natürlich auch selten Zeit. Die nahm er sich aber zum Auftakt der Aktion „Max geht in die Oper“. Zugegeben, der Titel ist von einer ähnlichen Aktion im deutschen Halle ausgeborgt. Der Hintergedanke ist der selbe: Kinder, die sonst vielleicht nie in so einen „Kulturtempel“ wie die Oper kämen, soll dieser Blick hinter die Kulissen ermöglicht werden. In Österreich hat die Initiative „Nein zu arm und krank“ nun auch begonnen „Kulturpatinnen und -paten“ zu suchen - und einige auch schon zu finden. Der erste war eben Dominique Meyer.

Immer raufschauen

Nein zu arm und krank, Staatsoper Foto: Karl Satzinger Zunächst erzählte er kurz und bündig den auf dem grünen Teppich auf den Stiegen sitzenden jungen Premierengästen und ihren Begleitpersonen von der Geschichte des Hauses, das von der Wiener Bevölkerung kurz nach dem Bau sehr verspottet worden war. Beim Rundgang macht er insbesondere in der Loggia des Foyers im ersten Stock auf die wunderbaren Deckenmalereien aufmerksam. „Hier ist es gut, immer nach oben zu schauen“, meinte Meyer und zeigte gemalte Szenen aus der Zauberflöte und anderen Opern und streichelte eine der sechs Büsten (jene von Gustav Mahler).

Top-Loge

Nein zu arm und krank, Staatsoper Foto: Karl Satzinger Des Direktors persönliche Gäste an diesem Nachmittag durften in der früheren Kaiser-, heutigen Regierungsloge Platz nehmen – mit der wunderbaren Aussicht auf den gesamten Zuschauerraum und die Bühne, die gerade für die Abendvorstellung umgebaut wurde. Hier waren auch die kleinen Displays vor jedem Sitz zu sehen, auf denen der Text der ja oft in anderen Sprachen gesungenen Opern in deutscher oder englischer Übersetzung mitläuft. Künftig, so der Hausherr, werde es neue Displays geben, wo aus bis zu neun Sprachen gewählt werden könne.

Auf der Bühne

Nein zu arm und krank, Staatsoper Foto: Karl Satzinger Stolz ist er darauf, dass das Haus jeden Abend mit 2300 Besucher_innen ausverkauft ist – und darauf, dass er die Preise für die Stehplätze (3 Euro) nicht erhöhen muss. Seine Gäste erfuhren auch, dass er Chef über mehr als 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (darunter 145 Musiker_innen, 92 Chorsänger_innen, 350 Techniker_innen...) ist. Highlight für viele war jedoch der Besuch auf der Bühne selbst, die riesigst ist, worüber einige doch sehr staunten. Noch mehr vielleicht über die Höhe des Schnürbodens, wo beim Raufschauen fast kein Ende zu sehen war.

Ballett-Shooting-Star

Nein zu arm und krank, Staatsoper Foto: Karl Satzinger Beim kurzen Blick in den Ballettsaal konnten die Gäste einen ganz jungen Shootingstar des Hauses treffen, die erst knapp großjährige Natascha Mair, die schon Hauptrollen etwa in Schwanensee tanzt. „Mit fünf hab ich hier in der Ballettschule begonnen“, verrät sie dem Kinder-KURIER um mit den Worten „jetzt muss ich aber zur Probe“ sofort losdüsen zu müssen.

Interviews

Nein zu arm und krank, Staatsoper Foto: Karl Satzinger Nach der rund einstündigen Führung (auf deren Plan auch ein Blick in eine der Garderoben stand) vertrauten einige der Kinder dem KiKu ihre Eindrücke an:
Batschana (7): „Ich hab mir gar nicht vorstellen können, wie es hier aussieht. Am meisten gefallen hat mir, als wir auf der Bühne stehen durften. In der Oper war ich noch nie, aber vielleicht komme ich jetzt schon einmal her.“

 

Die beiden Geschwister Franziska (8) und Johannes-Paul (5) „waren auch noch nie in der Oper, aber schon öfter im Theater. Hier war schon am spannendsten, dass wir auf die Bühne gehen durften. Ja, und vielleicht kommen wir ja jetzt auch einmal zu einer Vorstellung.“

 

David (11): „Wie es ausschaut davon hab ich schon einiges aus dem Fernsehen bekannt, aber dass wirklich jeden Abend so viele Leute kommen, das hab ich nicht gewusst und fand ich ganz spannend. Ich würde jetzt schon vielleicht einmal zu einer Oper herkommen.“

 

Nein zu arm und krank, Staatsoper Foto: Karl Satzinger Lara (131/2) war „überrascht, wie groß die Bühne ist. Aber insgesamt war es sehr beeindruckend, vieles von dem zu sehen, was man auch als normale Besucherin gar nicht sehen kann.“

 

Emilio (10), der seinen Vater, Siegfried Meryn (Uni-Prof und Präsident der Initiative Nein zu krank und arm) begleitete war schon öfter in der Oper, „aber auch für mich war da einiges neu, das ich noch nicht gewusst habe und ich find's toll, dass die Staatsoper echt jeden Abend ausverkauft ist.“

 

Nein zu arm und krank, Staatsoper Foto: Karl Satzinger Dominique Meyer „bewundert“ im Interview mit dem KiKu „diese Initiative, dass wir, die hier in so einem wunderbaren Haus arbeiten in wunderbarer Umgebung arbeiten und die Kunst genießen dürfen, diese auch für Menschen öffnen, denen es auch in Österreich nicht immer so gut geht!“

 

Bilder...

... vom Opernrundgang

Kurze Einführung auf der Haupttreppe "Immer raufschauen" -... ...  der Direktor macht auf die wunderschönen ... ... Deckengemälde aufmerksam... ... und zeigt Johannes-Paul die Büste von Gustav Mahler Einblick in eine der Garderoben für Künstler_innen Sogar auf die Bühne durften die Gäste... ... und knieten teilweise nieder Im Ballettsaal in der vormaligen Kaiser-, heute Regierungsloge Meyer mit Mair Die junge Ballettänzerin im kurzen Interview mit KiKu-Heinz Batschana (7) gab später sogar dem ORF ein Interview

Hintergrund-Infos

Siegfried Meryn hatte persönlich Dominique Meyer dafür gewonnen, der erste Kulturpate der initiative „NEIN ZU KRANK UND ARM“ zu sein, er wird und soll natürlich nicht der einzige bleiben. „Max“ wird also Kinder aus sozial benachteiligten Familien nicht nur in die Oper, sondern auch in andere große Kultureinrichtungen oder zu großen Sportvereinen bringen, wo sie hinter die Kulissen des Betriebs blicken können und von bekannten Persönlichkeiten dieser Einrichtungen durchgeführt werden. Demnächst lädt Hans Schmid Kinder und Jugendliche zum Wiener Eishockeyverein Vienna Capitals und zum Fußballverein SK Rapid Wien ein.

www.neinzukrankundarm.org

(KiKu) Erstellt am
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