Suse Lichtenberger und Martin Hemmer in "Katja und Kotja"

© Werk89

Nicht einmal die geliebte Katze darf mit
10/03/2012

Nicht einmal die geliebte Katze darf mit

"Katja und Kotja" - ein Theaterstück über Flüchten- und Zurücklassen-müssen

von Heinz Wagner

Katja freut sich. Endlich ist ihr Vater wieder bei ihnen. Sie beginnt sich zu erinnern. Voller Vorfreude auf das Fest zu ihrem 6. Geburtstag wurde in wenigen Momenten alles ganz anders. Niemand der Freundinnen und Freunde, die sie eingeladen hatte kam. Auch der Vater nicht. Und dann wird alles anders. Alle müssen weg. Weil der Atomreaktor, in dem ihr Vater arbeitet und den er „eine künstliche Sonne unter der Erde“ nennt, explodiert ist.

Rein in Busse und weg. Nicht einmal ihre geliebte Katze Kotja darf sie mitnehmen.

So weit die Grundgeschichte, die auf dem ukrainischen Kinderbuch „Katja, Kotja und die künstliche Sonne“ aufbaut, das den AKW-Unfall von Tschernobyl zwar zum Anlass nahm, aber eine ziemlich allgemeingültige Geschichte von Flucht und Zurücklassen-müssen geliebter Menschen, Tiere und Dinge erzählt.

Stimmungen über Musik und Licht(bilder)

Die Gruppe werk89 hält sich – sowohl von der Story als auch von den Texten – weitgehend ans Bilderbuch. Suse Lichtenberger spielt Katja – im hier und jetzt und in der Erinnerung. Martin Hemmer schlüpft in alle anderen Rollen. Und erzeugt mit seiner metallischen Stromgitarre viele der Stimmungen. Dazu bedienen beide hin und wieder einen alten Ghetto-Blaster mit einfachen Verzerrmöglichkeiten und blinkenden Anzeigen – so wird er zwischendurch auch zum Reaktor.

Andere Stimmungen entstehen durch Lichtinstallationen und Projektionen. Jene von kaputten Polaroidfotos greifen Meldungen über Blitze und andere Effekte in belichteten Filmen in der Umgebung Tschernobyls auf, die später entdeckt wurden.

Infos

Katja und KotjaMusikalisch-visuelles Erzähltheater, ab 6 Jahren, 45 Minuten

Idee, Konzept, Textfassung: Michael Alexander Pöllmann, Julia Perschon nach dem ukrainischen Kinderbuch „Katja, Kotja und die künstliche Sonne“ von Wjatsceslaw J. Burlaka/ Oleg LiptschenkoRegie: Michael Alexander PöllmannDarsteller_innen: Suse Lichtenberger, Martin HemmerDramaturgie: Julia PerschonMusik: Martin HemmerVideo: Stefan EipeltauerLichtdesign: Claus ZweythurmAusstattung: Agnes BurghardtGrafik: Dorothee SchwabProduktion: Anna Müller-Funk, Julia Wiggers

Termine siehe Werk89-Homepage

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