© christian herzenberger

Kiku
12/05/2011

Miteinander um den Weg nach oben kämpfen

"Tschomolungma - Spuren am Mount Everest" im Linzer Theater des Kindes

von Heinz Wagner

Geschichte - noch dazu bittere Kapitel - in ein Theaterstück verpackt - das wird zur Spezialität des Linzer Theater des Kindes. In dieser Spielsaison laufen drei. In "Karussell" wird anhand von Erinnerungsstücken das finsterste Kapitel der Geschichte des vorigen Jahrhunderts - berührend und verständlich - wach: Krieg und Judenverfolgung. Im "vergessenen Maler" wird der tatsächlich Jahrzehnte in Vergessenheit geratene norwegische Maler Johannessen und dessen Entdeckung durch den Kunstsammler Haakon Mehren erzählt. Begeistert hatten Kinder nach der Premiere dieses Stücks dem KiKu erzählt, dass es sie faszinierte, "weil es eine wahre Geschichte" ist.
Und nun wird seit einigen Tagen "Tschomolungma - Spuren am Mount Everest" in der Linzer Langgasse gespielt.

Die wahre Hintergrundstory

1924 versuchten George Mallory, bekannter Bergsteiger, und Andrew Irvine, ein junger Abenteurer, den höchsten Berg der Welt (auf Nepali heißt er Sagarmatha, auf Tibetisch Qomolangma - deutsche Aussprache Tschomolangma, englische Umschrift Chomolungma, laut wikipedia) zu besteigen.
Sie blieben verschollen. 1999 entdeckten Bergsteiger Mallorys Leiche, die aber auch keinen Hinweis lieferte, ob er beim Auf- oder schon beim Abstieg ums Leben gekommen war.
Für das Stück erfand Autor Thomas Baum eine Enkelin Mallorys namens Lucy, die auch begeisterte Bergsteigerin ist. Sie macht sich auf die Spuren ihres Opas, entdeckt Sauerstoffflaschen und andere Utensilien des Großvaters. Alles dreht sich um die Faszination des Mount Everests, des Bergsteigens überhaupt - als ein Weg, hartnäckig um die Erreichung eines Ziels zu kämpfen. Wobei der Weg selber zum Ziel wird, weil wie Lucy am Schluss sagt, es vielleicht gar nicht so wichtig sei, ob die beiden den Gipfel erreicht hätten oder nicht.

Fenster in die Vergangenheit

Wichtig war jedoch, dass sie während des Aufstiegs ihr Konkurrenzverhältnis ablegten und auf ein Miteinander umstiegen.
Spannend ist die Bühne, die sich zunächst als geschlossene schwarze Wand aus lauter Quadraten darstellt. Einzelne oder mehrere auf einmal werden immer wieder geöffnet - sie bieten dann Ein- bzw. Ausblicke - Fenster in die Vergangenheit der beiden Bergsteiger, während sich Lucy im Vordergrund auf die Reise begibt. Erzweifelte Suche nach Orientierung usw.
Noch wird's ein paar Vorstellungen brauchen, bis sich das Trio auf der Bühne richtig einspielt. Was die jungen Zuschauer_innen jedenfalls jetzt (schon wieder) mitreißt ist die Tatsache, dass eine echte Geschichte auf die Bühne geholt wird.

Infos

Tschomolungma - Spuren am Mount Everest
Ein wahres Abenteuer für alle ab 7 J.
Uraufführung von Thomas Baum - 45 min.
Regie: Heidelinde Leutgöb
Musik: Karl Lindner
Ausstattung: Renate Schuler
Lichtdesign: Gerald Kurowski
Regieassistenz: Kerstin Pell
Spiel: Simone Neumayr, Andreas Baumgartner, Thomas Schächl

Termine: Siehe Homepage