Kiku
06.11.2015

Wie oberösterreichisch ist Chinesisch?

Jugendliche Radiomacher_innen interviewen jugendliche Medienmacher_innen, die beim MLA ausgezeichnet werden. © Bild: Heinz Wagner

499 Einreichungen von Medienprojekten aus Schulen beim 14. Media Literacy Award des Bildungsministeriums. Preisverleihung im Dschungel Wien

I haß Niko und kann Kroatisch, aber mit mein Freind Ahmed red i Deutsch, wer er kann ned Kroatisch“. Und Ahmed, der noch Türkisch kann, sagt, dass er mit „mit’n Niko Deutsch red“, weil der wiederum nicht Türkisch könne.

Für die halbstündige Radiosendung „Verstehen? – Sprachkurse der Johann-Nestroy-Schule“ spielten 95 Schülerinnen und Schüler der Neuen Mittelschule Bad Ischl mit 18 Sprachen, zehn davon werden in dieser oberösterreichischen Schule gesprochen, die acht weiteren in der Verwandt- oder Freundschaft der Radiomacher_innen.

Eigentlich aber waren’s 19 Sprachen, denn so manches in Deutsch war, wie eingangs schon zu lesen im oberösterreichischen Dialekt. Und von dem wurden sogar witzige Parallelen zum Mandarin-Chinesischen hergestellt. „eini, aufi, umi…“ wie rein, rauf und rüber im lokalen Dialekt heißt klinge doch so ähnlich wie etwa „wo ai ni“ oder „faung mi“. Letzteres heißt Honig auf Mandarin-Chinesisch und das davor „ich liebe dich!“.

Kopfschütteln

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Heinz Wagner
MLA 2015
Vertreter_innen des Projekts "Verstehen? - Sprachkurse der Johnann-Nestroy-Schule" NMS1 Bad Ischl (OÖ)
Mit ihrer Radiosendung gewannen die Bad Ischler_innen eine der vier Trophäen, die es für Radiosendungen beim diesjährigen Media Literacy Award (MLA) gab. Apropos Vielsprachigkeit und gerade Oberösterreich: Nachdem die neue Landesregierung knapp nach ihrem Antritt die Idee aufwarf, in den Schulen sollte auch in den Pausen nur Deutsch gesprochen, fragte der Kinder-KURIER die vier Jugendlichen, die das Projekt in Wien bei der Preisverleihung vertrat, was sie davon hielten. Sonya Müllegger, Felix Mair, Christine Sambs und Florian Ladan schütteln spontan nur den Kopf darüber. Sonya Müllegger bringt’s dann in wenigen Sätzen auf den Punkt: Erstens ist es uns allen egal, woher wer kommt, welche Hautfarbe, Kultur oder Sprache jemand hat. Und außerdem reden wir ja oft auch im Ausland Deutsch.“

499 Einreichungen

Die Sieger_innen-Kristalle © Bild: Heinz Wagner
Seit 14 Jahren werden vom Bildungsministerium (wie immer das dann gerade hieß/heißt) Medienprojekte, die in Schulen durchgeführt werden, vor den Vorhang geholt. Seit zehn Jahren sprichwörtlich, findet die Preisverleihung doch seither im Theaterhaus für junges Publikum Dschungel Wien statt. 20 Auszeichnungen vergab die Jury, eine 21. Statue wurde als Publikumspreis ausgehändigt. 499 Projekte wurden eingereicht, die siegreichen im Rahmen des dreitägigen Festivals präsentiert. Bei dem waren auch Beiträge aus Italien, Spanien und Griechenland zu sehen.

Romeo & Julia 2015

Videos gab es so viele, dass neben den Prämiierten auch noch gleich am Eröffnungsabend acht Filme gezeigt wurden, u.a. „Verbotene Liebe“, einer von zwei Beiträgen aus der HAK Wien 22, der Business Academy Donaustadt. Im genannten Film wird sozusagen eine aktuelle Romeo- und Julia-Version gespielt: insbesondere der Bruder der Protagonistin verbietet seiner Schwester die Liebe zu einem Jungen aus einer anderen Kultur. Und dessen Darsteller wiederum meinte, er kenne solche Vorbehalte auch aus seiner eigenen Kultur.

2025?

Lena © Bild: GRG 19, Billrothgymnasium Wien
Neben Video, Radio - und natürlich Print und auch Multimedia - werden auch Projekte im Bereich Medienbildung ausgezeichnet. Eines der fünf siegreichen ist „Future - Mein Leben in zehn Jahren“. IM GRG 19, Billrothstraße ( Wien) war dies das Thema eines Klassenprojekts. Jede und jeder sollte dazu zwei Beiträge liefern - einen realistischen und einen fiktiven. Vom zaubernden Bruder über Flucht vor Krieg und Terror, Mafia- und andere Actionszenen, Waldfee und Einhorn, mögliche Technologien im Jahr 2025 bis hin zu einem film, in dem nur Füße und fallweise die dazugehörigen Beine zu sehen sind, die eine Geröllhalde rauf und runter wandern. Die dazugehörige Schülerin, Manu Ilunga, seiht sich in dem Film als allein auf der Welt Überlebende in zehn Jahren. Ein Film, „Death Note“, in dem ins ein irgendwo in der Landschaft gefundenes Buch mit diesem Titel Namenuni Todesarten eingeschrieben werden, nimmt die pädagogische Zeigefingerwarnung vor Computerspielen aufs Korn. „Bücher können gefährlich sein, spielt mehr Videogames!“ ;)

Realität contra Fiktion ist eines von mehreren „Gegensätze“-Paare, zu dem Jugendliche des Innsbrucker Gymnasiums in der Sillgasse Videos drehten. Auch ein Preis in der Kategorie Medienbildung. Eine weitere Kristall-Statue ging hier nach Linz, ans BRG Hamerlingstraße für „My Social Media“. In den kleinen Clips für Facebook & Co. arbeiteten die Jugendlichen übrigens vielfach mit analogen Mitteln - von Sandbildern bis zu vollgeräumten Schreibtischen.

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Ausgezeichnet in Multimedia, Print und Video